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„Bis zu vier Prozent“

Metall-Tarifrunde 2021: Empfehlung des IG Metall Vorstandes

Die IG Metall geht trotz Corona-Pandemie selbstbewusst in die Tarifauseinandersetzung in der Metall- und Elektroindustrie. Fest steht: Für eine neue Nullrunde steht die Gewerkschaft nicht zur Verfügung. Die Ziele sind: Beschäftigung sichern, Einkommen stärken und Zukunft gestalten – mit einem Volumen von bis zu 4 Prozent. Dieses Paket empfiehlt der Vorstand der IG Metall den regionalen Tarifkommissionen für die anstehenden Tarifverhandlungen.

Die Tarifrunde steht „im Zeichen der Krisenbewältigung“, so Jörg Hofmann. Nicht nur infolge der Coronapandemie, sondern auch wegen „der intensiv laufenden Neustrukturierungen durch Digitalisierung, durch Dekarbonisierung der Produkte und Prozesse“ würden viele Standorte und Arbeitsplätze und infrage gestellt. Für den IG Metall-Vorsitzenden „ist es ein Gebot der Gerechtigkeit, die Folgen der Krise nicht noch weiter auf den Schultern der Beschäftigten abzuladen“.

 

Die Forderungsempfehlungen des IG Metall-Vorstands lauten im Einzelnen:

  • eine Verbesserung der Tarifregelungen zur Beschäftigungssicherung durch Modelle der Arbeitszeitabsenkung mit Teilentgeltausgleich.
  • einen tariflichen Rahmen für betriebliche Zukunftstarifverträge. Darin sollen konkrete Investitionen in den Standort festgeschrieben werden.
  • ein Volumen von bis zu 4 Prozent zur Stärkung der Entgelte und Ausbildungsvergütungen, bei einer Laufzeit von 12 Monaten.
  • Dieses Volumen steht auch für Maßnahmen zur Beschäftigungssicherung zur Verfügung, etwa einen Teilentgeltausgleich bei Arbeitszeitabsenkungen.

Der IG-Metall-Vorstand begründet die Prozentforderung mit der Zielinflationsrate (2 %) der Europäischen Zentralbank (EZB) und der Trendproduktivität (1%), was in Summe etwa drei Prozent ergibt. Berücksichtigt werden soll aber auch, dass im „Not“- Krisentarifvertrag vom März dieses Jahres eine Nullrunde vereinbart wurde und die Preissteigerung 2020 deshalb keine Berücksichtigung gefunden hat.

Die wirtschaftliche Lage in den Unternehmen, die dem Metall-Flächentarif unterliegen oder sich an ihm orientieren, stellt sich höchst unterschiedlich dar, das zeigt sich auch in der Region Ennepe-Ruhr-Wupper. Während beispielsweise einige Automobilzulieferer und Maschinenbauer weiterhin unter den Folgen der Corona-Pandemie leiden sind andere Bereiche schon wieder im Aufschwung. Es gibt auch zahlreiche Unternehmen die bislang glimpflich durch die Pandemie gekommen sind und optimistisch in die Zukunft schauen. Für all diese Firmen mit unterschiedlicher Ausgangslage soll unter dem Dach des Flächentarifs eine gemeinsame Antwort gefunden werden.

Um Arbeitsplätze zu sichern, hat die IG Metall seit 1994 „Tarifverträge zur Beschäftigungssicherung“ vereinbart: Das heißt, wenn Betriebe nicht mehr genug Arbeit haben und Kurzarbeit nicht mehr möglich ist, können Betriebsrat und Arbeitgeber die Arbeitszeit vorübergehend absenken – in der Metallindustrie auf bis zu 29 Stunden in der Woche, um Entlassungen zu vermeiden, allerdings ohne Entgeltausgleich.

Der IG Metall-Vorstand schlägt nun vor, die bestehenden Tarifregelungen durch neue Modelle der Arbeitszeitabsenkung mit Teilentgeltausgleich zu erweitern und zu verbessern. Diese sollen Betrieben ermöglichen, den Strukturwandel zu bewältigen – etwa den Umstieg vom Verbrenner auf Elektroautos, indem sie Zeiten mit weniger Arbeit überbrücken können, ohne Beschäftigte zu entlassen. Ein Vorschlag hierzu wäre beispielsweise eine optionale 4-Tage-Woche für ganze Betriebe oder Bereiche. Ein Teil des Tarifvolumens soll auch für Zukunftstarifverträge und Qualifizierung verwendet werden können. Dazu sollen tarifliche Mindeststandards für alle Betriebe, die solche Optionen nutzen, vereinbart werden.

Die Betriebe stehen vor der Transformation – dem Strukturwandel durch Digitalisierung und Klimawandel. Um Arbeitsplätze für die Zukunft zu sichern, empfiehlt der IG Metall-Vorstand, tarifliche Rahmenregelungen für Zukunftstarifverträge durchzusetzen. In diesen betrieblichen Zukunftstarifverträgen sollen Investitionen in neue Produkte, neue Maschinen und in die Qualifizierung der Beschäftigten festgeschrieben werden.

Auch das Thema Arbeitszeit Ost, wo noch drei Wochenstunden länger gearbeitet wird als im Westen, kommt erneut auf die Agenda: „Die IG Metall verlangt von den Arbeitgebern Anpassungsschritte, um die weiter bestehende Schlechterstellung der ostdeutschen Beschäftigten bei Arbeitszeit und Stundenentgelten endlich zu beseitigen.“

Darüber hinaus empfiehlt der Vorstand, tarifliche Regelungen zur Verbesserung der Ausbildung und für Dual Studierende anzustreben. Bislang gelten Tarifverträge zu Ausbildung und Übernahme flächendeckend nur für klassische technische und kaufmännische Auszubildende. Tarifliche Regelungen für die Dual Studierenden in den Betrieben gibt es bislang nur in Ausnahmen.

Ginge es nach dem Willen der Metallarbeitgeber würden Millionen Beschäftigte in diesem und im nächsten Jahr nicht mehr verdienen als bisher – und müssten noch dankbar dafür sein, wenn sie ihren Job behalten dürfen. Es gehöre zu dieser Krise, dass „wir alle die Gürtel enger schnallen mussten und müssen“, trompetete Noch-Gesamtmetall-Chef Rainer Dulger. Für 2021 gebe es nichts zu verteilen.

So spricht der Hauptgeschäftsführer des Arbeitgeberverbandes Metall NRW, Luitwin Mallmann, mit Blick auf die IGM-Forderung von „Realitätsverlust“. Die Reißleine Personalabbau sei noch nicht gezogen worden. Bei vier Prozent Entgelterhöhung würden „dies sicher viele Unternehmen tun“, stellte er mit drohendem Unterton fest. Zuvor hatte Südwestmetall-Chef Stefan Wolf zunächst eine „Null-Runde“ gefordert und dann die Verschiebung der Tarifrunde wegen der Corona-Pandemie um einen längeren Zeitraum.

Für die IG Metall kommt eine „Nullrunde“ bzw. eine erneute Vertagung aufgrund der Corona-Pandemie nicht in Frage, da sich die Stabilisierung der Einkommen und die Sicherung der Arbeitsplätze nicht verschieben lassen. Beschäftigungs-, Standort- und Entgeltsicherung sind Themen, die jetzt angegangen werden müssten – nicht erst in einigen Monaten.

Die IG Metall Funktionär*innen der Region Ennepe-Ruhr-Wupper haben sich in einer virtuellen Konferenz am 11. November einhellig für die Empfehlung des Vorstandes der IG Metall ausgesprochen. Alle die daran teilgenommen haben sehen die Kombination aus einer 4-Prozentigen Entgelterhöhung aber auch der Möglichkeit die Arbeitszeit abzusenken als richtig und angemessen an. 

Endgültig ist die Forderung der IG Metall noch nicht. Erst beraten noch die regionalen Tarifkommissionen am 17. November über die Vorstandsempfehlungen und am 26. November beschließt der Vorstand endgültig über die finalen Forderungen, die den Arbeitgebern überreicht werden. Die Tarifverhandlungen beginnen Mitte Dezember. Am 1. März 2021 endet die Friedenspflicht, dann darf die Gewerkschaft mit Warnstreiks der Beschäftigten den Druck auf die Arbeitgeber erhöhen.

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