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Aktivitäten zur Rettung des Standortes

Hattingen: Die Voraussetzungen zur Fortführung der AZ Ausrüstung + Zubehör im Hattinger Gewerbepark Henrichshütte sind gegeben. Kunden wie Daimler und BMW stehen zu ihrem Lieferanten. Stellschrauben zur Minimierung der Verluste sind vorhanden, so die Kernaussagen der Berater des Betriebsrates während einer Klausurtagung des Gremiums im IG Metall-Haus in Gevelsberg.

Die Geschäftsführung des im Hüttenpark ansässigen Automobilzulieferers hatte Anfang Dezember 2016 beim Amtsgericht Essen ein vorläufiges Insolvenzverfahren beantragt. Mit dem Mittel der „Planinsolvenz“ soll den Betrieb fortgeführt werden. Eine der Ursachen für den mit der „heißen Nadel gestrickten Insolvenzantrag“ ist die Verschleierung der tatsächlichen Geschäftsentwicklung der letzten Jahre, in denen ein Verlust in Höhe eines zweistelligen Millionen-Euro-Betrages entstanden ist. Inzwischen hat der neue Geschäftsführer Thomas Ostkamp an der Ruhrallee in Hattingen seine Tätigkeit aufgenommen.

In einer Klausurtagung Ende der vergangenen Woche berieten die Betriebsratsmitglieder gemeinsam mit ihrer IG Metall und den beiden arbeitnehmernahen Beratern Julian Giersch (PCG Essen) und Rolf Plake (Wert.Arbeit GmbH Duisburg) über die zurückliegende und aktuelle wirtschaftliche Lage sowie über erste Projektskizzen für einen „Insolvenzplan“ zur Rettung der Firma. Es herrschte Übereinstimmung, dass die notwendige Sanierung aufgrund der massiven Managementfehler nicht „auf dem Rücken der Beschäftigten ausgetragen werden darf“.

„Betriebsrat und IG Metall werden nicht akzeptieren, dass die „schwarze Null“ nur durch einen Personalabbau herbei geführt wird“, so Gewerkschaftssekretär Sven Berg. Betriebsratsvorsitzender Bernd Rosien ist überzeugt, dass es eine Reihe Stellschrauben im Sach- und Betriebskostenbereich gibt, um erhebliche Kosten einsparen zu können. Um dies entsprechend zu untermauern haben sich die Betriebsratsmitglieder verabredet, in Arbeitsgruppen gemeinsam mit ihren Beratern Einsparpotentiale zu identifizieren.

Es geht aber auch um die Erweiterung der „Kernkompetenzen“ der Firma, die auf die Produktion und Montage von Spritzgussteilen spezialisiert ist. Darüber hinaus müsse der Vertrieb qualifiziert ausgebaut werden, um Neu-Kunden zu gewinnen. Bernd Rosien und seine Kollegen plädieren dafür, in diesen Fragen mehr auf das vorhandene Wissen qualifizierter „betrieblicher Experten“ zurückzugreifen. Diese inhaltlichen Fragen und die weitere Vorgehensweise der Interessenvertretung sollen in der geplanten Betriebsversammlung im Mittelpunkt stehen. Dies ist angesichts der „herrschenden Unsicherheit“ bei den Beschäftigten dringend notwendig.

Ein weiteres wichtiges Datum ist der 25. Januar 2017, an diesem Tag kommt der vorläufige Gläubiger-Ausschuss zusammen, dem auch der Betriebsratsvorsitzende angehört. Möglicherweise gibt es in dieser Zusammenkunft weitere Informationen über Interessenten, die AZ übernehmen wollen. Denn eines scheint inzwischen sicher zu sein, die „Mutter ABC“ in Ennepetal will ihre „Tochter AZ“ so schnell wie möglich loswerden.

Foto: Betriebsratsmitglieder von AZ Ausrüstung und Zubehör mit den Beratern Julian Giersch und Rolf Plake (1. Reihe – v.l.n.r.) im Gevelsberger IG Metall-Haus – Foto: IGM GH

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