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Arbeitsplatzabbau treibt Aktienkurs nach oben

Gevelsberg. „Stellenabbau sorgt für Kursgewinne: Titel der dorma+kaba Holding AG zogen um 3,1 Prozent an. Das Unternehmen baut 440 Jobs in Deutschland ab“, schreibt die schweizerische Handelszeitung (17.06.2016). Gut neun Monate nach der Fusion setzt der dorma+kaba-Konzern den Rotstift an. Die Arbeitsplätze werden dem Ziel einer operativen Gewinnmarge von 18 Prozent in 2018/19 geopfert. Das lässt einen Börsenanalyst jubeln: „Die Integration nimmt langsam Formen an.“

In kurzfristig anberaumten Zusammenkünften wurden Ende vergangener Woche die Betriebsräte der bundesweiten dorma+kaba-Standorte kurzfristig in „groben Umrissen“ über den sogenannten „Zukunftsplan Deutschland“ informiert. Die Hiobsbotschaft lautet: Im  Rahmen der geplanten Restrukturierung sollen von rund 3600 Arbeitsplätzen an elf bundesweiten Standorten 440 abgebaut werden. Weltweit sollen 800 Arbeitsplätze abgeschafft werden.

„Die Streichung der Arbeitsplätze ist eine Folge der verbesserten Kostenstruktur, der Straffung der Organisation und der Nutzung von Synergien“, heißt es in einer Mitteilung aus der Konzernzentrale im schweizerischen Rümlang. Ziel ist es, die sozialverträgliche Umsetzung aller Maßnahmen im Laufe des Jahres 2018 abzuschließen.

Produktverlagerung nach Asien

Als Beruhigungspille für die Beschäftigten in Ennepetal soll wohl der Hinweis dienen, dass der Standort im Ennepe-Ruhr-Kreis als Kompetenzzentrum für mechanische und elektronische Türtechnik ausgebaut und weiterentwickelt werden soll. Doch gleichzeitig soll die Produktion der Türschließer TS 93 und BTS 80 von Ennepetal nach Singapur verlagert werden, „was die Arbeitsplätze vor Ort gefährdet“, sagte der Betriebsratsvorsitzende Jörg Kannapin. Während dessen wird die Fertigung, um die erhöhten Produktionsanforderungen abdecken zu können, von Singapur nach Suzhou (China) verlagert. An beiden asiatischen Standorten entstehen 160 neue Arbeitsplätze.

Vom Arbeitsplatzabbau wird auch der Verwaltungsbereich betroffen sein. Doch es geht nicht nur um Ennepetal so Kannapin, der als Konzernbetriebsratsvorsitzender für ein gemeinsames Vorgehen aller Standort-Betriebsräte plädiert. In Ocholt soll die Fertigung „Mobiler Trennwände“ durch Automatisierung „zukunftsträchtig“ ausgerichtet werden und bei der Dorma Beschlagtechnik in Velbert soll die „unbefriedigende Ergebnislage“ durch Einsparung von Kosten verbessert werden. Das sind verklausulierte Hinweise auf einen drohenden Arbeitsplatzverlust.

Geplant ist auch, die Aktivitäten der kaba Mauer in Heiligenhaus an die bestehenden Standorte Bad Berka und Velbert zu verlagern. Für das defizitäre Sanitärgeschäft am Standort Rietberg wird über ein Sanierungskonzept nachgedacht, bzw. alternativ werde auch ein Verkauf oder eine Schließung geprüft. Darüber hinaus steht am Standort Bad Salzuflen ebenfalls eine Anpassung der Produktionskapazitäten auf dem Plan.

„Wir werden uns nicht unter Zeitdruck setzen lassen!“

„In dieser Woche werden die Konzernbetriebsratsmitglieder gemeinsam mit der IG Metall über das weitere Vorgehen der Interessenvertretung beraten“, erklärte Jörg Kannapin in einer Betriebsversammlung in Ennepetal: „Erstens brauchen wir mehr und detaillierte Informationen, sowie die notwendigen schriftlichen Unterlagen. Zweitens werden wir mit den von uns beauftragten arbeitnehmernahen Beratern von PCG Consult in Essen alternative Vorschläge ausarbeiten und erst dann geht es drittens in konkrete Verhandlungen.“

Auch die IG Metall-Bevollmächtigte Clarissa Bader machte unmissverständlich deutlich: „Wir werden uns auf keinen Fall unter Zeitdruck setzen lassen.“ Das Betriebsverfassungsgesetz schreibe zu Recht eine „rechtzeitige und umfassende Unterrichtung“ über eine geplante Betriebsänderung vor und „über diesen Fall sprechen wir hier“, so die stellv. Aufsichtsratsvorsitzende der dorma+kaba Holding KGaA.  Bader: “Um in ernsthafte Verhandlungen über einen Interessenausgleich und Sozialplan einsteigen zu können, müssen jetzt endlich alle relevanten Unterlagen auf den Tisch.“

Während der Konzernvorstand im Kanton Zürich in erster Linie die „Stärkung der globalen Wettbewerbsfähigkeit“ und damit das „Wohl“ der Aktionäre im Blick hat, „steht für uns die Sicherung der Arbeitsplätze und damit die Existenz der betroffenen ArbeitnehmerInnen im Mittepunkt unserer gewerkschaftlichen Arbeit“, betonen Jörg Kannapin und Clarissa Bader übereinstimmend.

Foto: Sitzung des Konzernbetriebsrates dorma-kaba in Ennepetal – Foto: IGM GH-Archiv

 

 

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