AktuellesArtikelBetriebliches

AZ – Produktion an der Ruhrallee wird fortgesetzt

Hattingen. Der insolvente Automobil-Zulieferer AZ Ausrüstung und Zubehör kann die Produktion an der Ruhrallee fortsetzen. In diesen Tagen wurden dazu zwei wichtige Weichen gestellt: Zum einen die Unterzeichnung eines verbindlichen Vorvertrages mit einem „strategischen Investor“ zur Übernahme des Unternehmens und zum anderen der Abschluss eines Interessenausgleichs und Sozialplans zwischen Geschäftsführung und Betriebsrat.

Das Unternehmen, das im Hüttenpark u.a. für Daimler, Opel und VW Zubehörteile produziert, musste im November 2016 Insolvenz anmelden, da finanzielle Unregelmäßigkeiten zur Schieflage geführt hatten. Nach Maßgabe des Ennepetaler Mutterunternehmens ABC soll das Tochter-Unternehmen nach der „Restrukturierung und Entwicklung eines zukunftsfähigen Geschäftsmodells“ am 1. August an einen neuen Eigentümer übergehen. Laut ABC sieht der Vorvertrag mit dem Investor folgende Bedingungen vor: Wiederherstellung der Wettbewerbsfähigkeit, Erhalt der Umsatzbasis und Erhaltung des Standortes mit dem „überwiegenden“ Teil der Arbeitsplätze in Hattingen.

Leidtragende sind wieder einmal die ArbeitnehmerInnen: Von den rund 130 Beschäftigten sollen 82 an Bord bleiben und 44, darunter alle die einen befristeten Arbeitsvertrag haben, müssen gehen. „Die gewerkschaftliche Interessenvertretung begrüßt, dass aus der Insolvenz heraus das Unternehmen fortgeführt wird, doch wir stellen erneut fest, dass Kolleginnen und Kollegen mit dem Verlust ihres Arbeitsplatzes für gravierende Managementfehler bezahlen müssen“, sagt Gewerkschaftssekretär Sven Berg.

 

Foto: Gewerkschaftssekretär Sven Berg und AZ Betriebsratsvorsitzender Bernd Rosien (IGM-GH)

„Um jeden Arbeitsplatz gerungen“

Im Verlauf der vielen schwierigen Verhandlungen gelang es dem Betriebsratsvorsitzenden Bernd Rosien und seiner Mannschaft, der Geschäftsführung Regelungen zur Abmilderung der Auswirkungen des Arbeitsplatzverlustes abzuringen. „Das war kein leichtes Unterfangen, denn im Falle einer Insolvenz sind die Handlungsmöglichkeiten des Betriebsrates durch den Gesetzgeber stark eingeschränkt“, betont Bernd Rosien.

Die Interessenvertretung habe mit Unterstützung der IG Metall, des Rechtsanwaltes Lutz Ellinghaus und der Berater Rolf Plake und Julian Giersch von der PCG Essen, um den Erhalt möglichst vieler Arbeitsplätze gekämpft. Für die KollegInnnen, die nicht weiterbeschäftigt werden, gelang es, eine „Transfergesellschaft“ zu vereinbaren.

Für die sechsmonatige Zeit, in der die Betroffenen von Beratern der GeBeWe auf eine neue Beschäftigung für den Arbeitsmarkt vorbereitet werden, erhalten sie eine Aufzahlung zum Arbeitslosengeld – nach Familienstand entweder 80 bzw. 87 Prozent ihrer bisherigen Nettobezüge. Gleichzeitig konnten Qualifizierungsmittel, sowie eine Prämie für diejenigen vereinbart werden, die aufgrund der Arbeitsaufnahme vorzeitig aus der Transfergesellschaft ausscheiden.

Für Bernd Rosien ist die Insolvenz für die Beschäftigten und ihre Interessenvertretung eine „schlimme Phase“. Das Engagement in den letzten Wochen habe „viel Kraft und Nerven gekostet“, die Betroffenen seien ja keine „anonymen Zahlen“ in Excel-Tabellen, „du kennst jede einzelne Kollegin und jeden Kollegen und weißt um ihre Lage“, stellt er nachdenklich fest. Wichtig sei es, in einem solchen Fall auf die Unterstützung der Gewerkschaft zu bauen, aber auch Berater mit juristischem sowie mit arbeitsorganisatorischen und betriebswirtschaftlichen Sachverstand hinzuziehen. In den nächsten Wochen komme es nun darauf an, die weiteren Schritte des Übergangs auf den neuen Eigentümer offen, aber auch zugleich kritisch zu begleiten.

Foto: Automobil-Zulieferer AZ Ausrüstung und Zubehör im Henrichshüttenpark Hattingen – Foto: IGM-GH

 

 

Weitere Artikel

Back to top button
Close