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BBiG: „Wir werden dran bleiben!“

Hagen. Für die IG Metall Jugend in Hagen und Gevelsberg-Hattingen ist es eine klare Sache: Die „Revolution Bildung“ geht weiter. Modern. bilden heißt es jetzt: Nicht mit Gesetzen aus der „Mottenkiste“ von gestern, sondern mit einem überarbeiteten Berufsbildungsgesetz für die Ausbildung von morgen. Um welche Inhalte es geht, darüber diskutierten über 300 Auszubildende und Dual-Studierende in der Hagener Stadthalle.

Auf Druck der Gewerkschaften und ihrer Jugend wurde 1969 das Berufsbildungsgesetz (BBiG), das die duale Ausbildung in Deutschland regelt, verabschiedet. Ein Kompromiss – viele Forderungen der Jugend blieben unerfüllt. Die Große Koalition aus CDU/CSU und SPD verabredeten 2013 im Koalitionsvertrag, „Anpassungen (zu) prüfen“. Das zuständige Ministerium stellte in ihrem inzwischen vorgelegten Evaluierungsbericht fest: „Kein Änderungsbedarf!“

Das sieht die IG Metall-Jugend in der Region ganz anders. Jennifer Schmidt und Kevin Schmitz, die Jugendsekretäre der beiden Geschäftsstellen, informierten unterstützt von Jugendausschussmitgliedern die 300 Azubis in Workshops über die aktuellen Forderungen der Gewerkschaftsjugend und stellten ihr vor Ort erarbeitetes „Berufsbildungsgesetz“ zur Debatte. Aber auch „wie politisch Einfluss“ genommen werden kann, beispielsweise auf die 34 Bundestagsabgeordneten, die im Ausschuss für Bildung, Forschung und Technologiefolgenabschätzung sitzen, kam zu Sprache. Aus dem Wahlkreis Hagen – Ennepe-Ruhr-Kreis 1 gehören die Abgeordneten René Röspel (SPD) und Cemile Giousouf (CDU) diesem Gremium an.

Am Nachmittag wurde dies gleich in die Praxis umgesetzt. Mit Rene Röspel und dem CDU-Politiker Christian Brandt – in Vertretung für Giousouf –diskutierten die jungen MetallerInnen und der Ausbildungsleiter der Ennepetaler Firma ABC, Hans-Jürgen Barth, im Podiums und aus dem Plenum. Alona Zelewitsch (Hoesch-Profil) und Robin Grunenberg (Terex) präsentierten die fünf Hauptforderungen: Jeder junge Mensch muss einen Ausbildungsplatz bekommen (Ausbildungsgarantie), eine existenzsichernde statt eine „angemessene“ Ausbildungsvergütung, Erstattung der Fahrt- und Lernmittelkosten, Übernahme der Ausgebildeten im erlernten Beruf und Aufnahme des Dualen Studiums ins BBiG.

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Politiker bekommen BBiG überreicht – Hans-Jürgen Barth (ABC-Ausbildungsleiter) Christian Brandt (CDU), Alona Zelewitsch (JAV Hoesch-Profil), Robin Grunenberg (JAV Terex) und Rene Röspel (SPD) (v.l.n.r.)

Der Forderung nach Lernmittelfreiheit stimmten sowohl der SPD-Politiker Röspel als auch CDU-Vertreter Brandt zu. Mit der Forderung nach einer existenzsichernden Ausbildungsvergütung konnten sich beide Politiker nicht anfreunden und verwiesen auf die Tarifvertragsparteien. Röspel schmeichelte den Jugendlichen „von wegen ihre starke IG Metall sei doch in der Lage diese Frage tariflich zu lösen“. Was ist jedoch mit den Auszubildenden in den Berufen Friseure, Floristen und Pfegeberufen, die keine starke Vertretung hätten, wurde aus dem Plenum gefragt? Darauf gab es nur die lapidare Antwort, „man solle nicht alles gesetzlich regeln“.

Auch die Forderung nach einer Ausbildungsgarantie stieß auf ein verhaltenes Echo: „Lässt sich nicht realisieren“, erklärte Röspel und Brandt schob hinterher, es gebe diese Garantie bereits. Er meinte jedoch den Ausbildungspakt von Bundesregierung, DGB und Arbeitgeberverbänden, der jedem Jugendlichen ein Ausbildungsangebot verspricht, aber nichts mit einer Garantie auf einen Ausbildungsplatz zu tun hat.

Damit sie die Forderungen der IG Metall-Jugend nicht vergessen, bekamen die Politiker das vor Ort erarbeitete „Berufsbildungsgesetz“ von den Moderatoren Jamila Schwerdtfeger und Florian Budnik zum Abschluss in die Hand gedrückt. Der Beifall der 300 im Saal signalisierte eindeutig:
„Wir werden dranbleiben. Und weiter Druck machen!“ Eine rundum gelungene Veranstaltung, die Mut macht, die zeigt, dass es lohnt – sich einzumischen.

Foto 1: 300 Azubis diskutierten in der Hagener Stadthalle über das BBiG
Foto 2: Politiker bekommen BBiG überreicht – Hans-Jürgen Barth (ABC-Ausbildungsleiter), Christian Brandt (CDU), Alona Zelewitsch (JAV Hoesch-Profil), Robin Grunenberg (JAV Terex) und Rene Röspel (SPD) (v.l.n.r.) Fotos: IGM-GH

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