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Benner: „Ein besseres Morgen ist möglich!“

Sprockhövel. Im Juni 1891 trafen sich Vertrauensleute der Metallgewerkschaften aus ganz Deutschland im Meriansaal in Frankfurt am Main. Gemeinsam gründeten sie den Deutschen Metallarbeiter-Verband und legten damit den Grundstein für die 125-jährige Geschichte der IG Metall. Mit einem Empfang im IG Metall Bildungszentrum Sprockhövel feierte die IG Metall Geschäftsstelle Gevelsberg-Hattingen den 125. Geburtstag.

Der Deutsche Metallarbeiterverband wurde auch im Ennepe-Ruhr-Kreis in einem Zeitalter gegründet, als Kinderarbeit und eine sechzigstündige Arbeitszeit an der Tagesordnung waren. Mit dieser Feststellung eröffnete die Erste Bevollmächtigte Clarissa Bader die Feier und begrüßte rund 200 Gäste: VertreterInnen der Kommunen Sprockhövel, Schwelm und Wetter an ihrer Spitze der Gevelsberger Bürgermeister Claus Jacobi, des Arbeitgeberverbandes und befreundeter Organisationen sowie SeminarteilnehmerInnen. Junge und alte IG MetallerInnen, aktive und aus dem Arbeitsleben ausgeschiedene KämpferInnen, die über Jahrzehnte das Bild der IG Metall in dieser Region südlich der Ruhr geprägt haben und noch prägen.

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„Freiheit, Gerechtigkeit, Solidarität, Respekt und Anerkennung, seit 125 Jahren sind diese Werte das Fundament unseres gewerkschaftlichen Handelns“, erklärte die Zweite Vorsitzende der IG Metall, Christiane Benner aus Frankfurt, in ihrer Ansprache. Ob es um höhere Entgelte, mehr Mitbestimmung, Lohnfortzahlung im Krankheitsfall oder kürzere Arbeitszeit ging – immer stand das Ziel im Vordergrund: Für mehr Gerechtigkeit im Betrieb und der Gesellschaft sowie ein besseres und selbstbestimmteres Leben einzutreten.

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Christiane Benner schlug einen Bogen von der Zeit der „ersten industriellen Revolution“, in der GewerkschafterInnen anfingen sich zu organisieren, um gemeinsam gegen „unmenschliche Arbeitsbedingungen und ökonomische Ausbeutung“ zu kämpfen, zum Beginn der heutigen „vierten industriellen Revolution“ – der Digitalisierung, „die die Spielregeln vor allem in der Arbeitswelt in einem atemraubenden Tempo verändert.“ Heute stehe die IG Metall mit den Betriebsräten und Vertrauensleuten vor der Frage wie es gelingen kann, „dass auch in der digitalen Arbeitswelt, sichere Arbeitsplätze, humane Arbeitsbedingungen Priorität haben“.

„Soziale Frage – wieder im Brennpunkt“

Die Zweite IGM-Vorsitzende warf nicht nur einen Blick zurück, sondern skizzierte vor den Gästen auch die künftigen Herausforderungen der Gewerkschaftsbewegung. Dazu zähle die „Soziale Frage“, die im Zusammenhang mit der „Flüchtlingsfrage“ wieder stärker in den politischen Focus gerückt sei. Benner stellte fest: „An zu wenig bezahlbarem Wohnraum und schlechten Arbeitsmarktchancen sind nicht die Flüchtlinge schuld“. Es sei unerträglich wie „AFD und Konsorten das gesellschaftliche Klima vergiften“. Jetzt sei es notwendig, „klare Kante zu zeigen: Rechtsextremismus, Sexismus, Hetze und Gewalt haben in den Betrieben und in unserem Land keinen Platz.“

Die IG Metall nehme die Sorgen der arbeitenden Menschen ernst, deshalb rücke sie das Thema Arbeitszeit und Rente in den Mittelpunkt ihrer Aktivitäten. Arbeitszeit müsse für die ArbeitnehmerInnen planbar sein und Flexibilität dürfe nicht heißen: „Paradies für den Arbeitgeber und Hamsterrad für die Beschäftigten.“ Die IG Metall wolle eine Arbeitszeitpolitik, die mehr Gerechtigkeit, mehr Sicherheit, mehr Gesundheit und mehr Vereinbarkeit von Familie und Beruf biete.

Heute machten sich die Menschen Sorgen wie sie im Alter über die Runden kommen. „Der Ausstieg aus der Arbeit darf nicht den Abstieg in die Armut bedeuten“, führte Christiane Benner unter lebhaften Beifall aus. Notwendig sei ein gerecht finanziertes gesetzliches Rentensystem, das vor Altersarmut schütze. Voraussetzung dazu sei u.a. die Stabilisierung der gesetzlichen Rentenniveaus.

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Wir. Feiern. Feste.

„Gemeinsam. Feste. Feiern.“ lautete anschließend das Motto. Immerhin gab es drei gute Gründe zum Feiern: das 125-jährige Jubiläum der IG Metall, 45 Jahre IGM Bildungszentrum in Sprockhövel und davon fünf Jahre im „Neuen Haus“.  Die „Zucchini Sistaz“ aus Münster eröffnete die Fete mit saftigem Swing aus alten Zeiten. Thomas Birg eröffnete die sehenswerte Ausstellung „B.Traven – Kennen sie diesen Mann?“

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Doch an diesem Abend gab es in der Bildungsstätte nicht nur „geistige Nahrung“, sondern das Küchenteam versorgte die Gäste auch mit „kulinarischen Genüssen“. Gelegenheit zum Austausch von Erinnerungen und Erfahrungen aus vielen Kämpfen in der Region. Schließlich war das abschließende weithin sichtbare Feuerwerk nicht der Schlusspunkt, sondern der Startschuss für die Fortsetzung der erfolgreichen Geschichte der IG Metall  – und dies nicht nur im Ennepe-Ruhr-Kreis.

Fotos: Thomas Range

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