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Betriebsrat fordert „Standortsicherung unterm ABC-Dach“

Hattingen. Immer wieder hatte der Betriebsrat von der Geschäftsführung der Firma AZ Ausrüstung und Zubehör in Hattingen wirtschaftliche Daten zur Geschäftsentwicklung eingefordert. Die Anfragen blieben zumeist unbeantwortet. Jetzt steht fest warum: Seit einigen Jahren waren die Zahlen geschönt worden. Nachdem die Insolvenz vor der Tür stand, wurden der siebenköpfige Interessenvertretung unter Leitung ihres Betriebsratsvorsitzenden Bernd Rosien plötzlich Zahlen auf den Tisch gelegt.

Eine Untersuchung, nach dem Suizid des ehemaligen Geschäftsführers Lampe Mitte des Jahres 2016 ergab, dass „die wirkliche Geschäftsentwicklung nach innen und außen“ verschleiert wurde. Tatsächlich sei ein „Minus in Höhe eines nicht unerheblichen Millionenbetrages entstanden“. Für die gewerkschaftliche Interessenvertretung steht fest: Das Kontrollsystem der Muttergesellschaft Altenloh, Brinck & Co (ABC) hat versagt.

Leidtragende sind die rund 140 Beschäftigten an der Ruhrallee, die nun aufgrund der Managementfehler um ihre Arbeitsplätze und ihre Zukunft bangen müssen. Die Stimmung im Betrieb schwanke zwischen „Wut und Resignation“, so der Betriebsratsvorsitzende Bernd Rosien. Der IG Metaller vertritt die Interessen der ArbeitnehmerInnen nun auch im vorläufigen Gläubigerausschuss.

Die ABC-Holding beauftragte in Abstimmung mit dem vorläufigen Insolvenzverwalter Dr. Frank Kebekus die Wuppertaler sy.con „Restrukturierungs und Turnaround-Experten“ mit der Ausarbeitung eines Insolvenzplans. Zwischenzeitlich hat Thomas Ostkamp, der zuvor beim Autozulieferer Cleff in Wuppertal tätig war, als Geschäftsführer seine Arbeit in Hattingen aufgenommen

Arbeitgeber und Betriebsrat schalten Berater ein

Der Betriebsrat schaltete die arbeitnehmernahe Beratung Project Consult (PCG) in Essen ein, was „wieder einmal zu Debatten mit den Verantwortlichen führte, ob dies denn notwendig sei“. Doch die Interessenvertretung blieb hart, wies Bernd Rosien daraufhin: Die PCG-Berater machen nun die Plausibilitätsprüfung und erarbeiten gemeinsam mit den Betriebsratsmitgliedern und der IG Metall alternative Vorschläge zur Fortführung des Standortes.

„Betriebsrat und IG Metall favorisieren die Fortführung des neu ausgerichteten Betriebes unter dem Dach der ABC-Holding“, sagte Gewerkschaftssekretär Sven Berg. Dafür spreche auch, dass der Großkunde Daimler zum Unternehmen stehe. Derweil scheint allerdings die Arbeitgeberseite in Ennepetal daraufhin zu arbeiten, die Tochter abzustoßen. So wabert durch die Gebäude im Gewerbepark das Gerücht, dass eine in Gevelsberg ansässige Firma, die ebenfalls die Automobilindustrie beliefert, AZ aus der Insolvenz heraus kaufen möchte.

Noch vor Jahresende werden die sy.con-Berater dem Betriebsrat, der PCG und der IG Metall ihre Vorschläge für einen Insolvenzplan darstellen. Anfang Januar wird das Betriebsratsgremium mit den PCG-Kollegen und der Gewerkschaft in einer Klausurtagung über die weitere Vorgehensweise beraten, auch im Hinblick darauf, dass „möglicherweise Ende Januar/Anfang Februar 2017 die Verhandlungen über einen Interessenausgleich und Sozialplan beginnen werden“, erklärte Sven Berg.

Foto: IGM G-H

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