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„Betriebsrat und Beschäftigte wurden getäuscht“

Hattingen. „Unser Name ist Programm: Quality in Time“, so wirbt der Hattinger Lohnfertiger auf der Website bei Kunden für die Bearbeitung von Komponenten und Baugruppen. Dazu bedarf es gut ausgebildeter Fertigungsspezialisten. „Seit dem 01. September sind diese qualifizierten Menschen auf dem ehemaligen Hüttengelände nicht mehr gefragt“, empört sich die IG Metall-Bevollmächtigte Clarissa Bader. Im Handstreich sollen ihre Arbeitsplätze weggefegt werden.

Die QINT-Beschäftigten an der Werksstrasse wurden kurzfristig darüber informiert, dass der Anteilseigner – die Neuenhauser Gruppe – ansässig in der gleichnamigen niedersächsischen Gemeinde – die Schließung des Hattinger Standortes plant. „Die Nachricht schlug wie eine Bombe im Betrieb ein“, so Gewerkschaftssekretärin Jennifer Schmidt: „Die KollegInnen waren geschockt, dass sie ihren Job verlieren, ja abgewickelt und zum Arbeitsamt geschickt werden sollen.“

Das Charakteristikum „qualifiziert“ treffe auf keinen Fall auf die Geschäftsführung zu, sind die beiden hauptamtlichen Gewerkschafterinnen zutiefst überzeugt. „Missmanagement einer unfähigen Geschäftsführung hat diese Situation herbeigeführt“, steht für Jennifer Schmidt fest. Jetzt sollen mal wieder die Beschäftigen für die Fehler des Managements mit dem Arbeitsplatzverlust büßen.

Die 135 Beschäftigten – davon 20 Leiharbeiter – wurden wie ihr Betriebsrat und die zuständige Gewerkschaft IG Metall von der „Nacht- und Nebel-Aktion des Anteileigners total überrascht. Es habe zwar betriebliche Probleme gegeben und die Auftragslage ist nicht so gut, wie sie sein sollte, doch mit diesem radikalen Schritt konnte niemand rechnen.

„Noch vor wenigen Wochen haben wir mit der Geschäftsführung und dem örtlichen Arbeitgeberverband Verhandlungen über die Wiederherstellung der Tarifbindung geführt“, schildert Clarissa Bader. Der Vertrag sei fast unterschriftsreif gewesen. Bader: „Plötzlich wurden die Verhandlungen abgebrochen und nun haben wir diese Hiobsbotschaft erhalten.“ „Es drängt sich der Eindruck auf, dass der Arbeitgeber über Monate lang nicht mit offenen Karten gespielt hat“, ergänzt Jennifer Schmidt.

Die QINT GmbH ging 2014 aus den früheren Unternehmen MSH GmbH, Wilhelm Bunse GmbH und Jarmetall GmbH hervor. Der Lohnbearbeiter, der u.a Planetenträgerstäbe für Bosch bearbeitet griff am Standort im Gewerbe-und Landschaftspark Henrichshütte auf die Fertigungsmöglichkeiten und das Know-how der Vorgängerunternehmen zurück.

Anstatt sich ernsthaft mit Alternativen zur Schließung zu beschäftigen, hat die Neuenhauser Gruppe einen Unternehmensberater als Verhandlungsbevollmächtigten eingesetzt, dessen Aufgabe ausschließlich das Abwickeln des Standorts sein soll.

„Ich bin überzeugt, dass Belegschaft und Betriebsrat nicht sang- und klanglos die geplante Abwicklung begleiten werden“, erläutert Clarissa Bader. Anfang kommender Woche werde man im Kreis Betriebsrat, IG Metall und unter Hinzuziehung eines Rechtsanwaltes über die weitere Vorgehensweise beraten. Schon jetzt sei die Parole im Betrieb ausgegeben worden, alle nicht normalen betrieblichen Abläufe sofort zu registrieren.

Klar ist, dass die geplante Betriebsstilllegung von Qint im Mittelpunkt des „Demokratiefestes“ stehen wird, das die IG Metall am Mittwoch, 09. September von 12.00 Uhr bis 15.00 Uhr auf dem Busparkplatz vor dem LWL Museum Henrichshütte veranstaltet. An diesem Tag soll ein Zeichen gesetzt werden für mehr Demokratie im Betrieb und für Solidarität mit den QINT-Beschäftigten.

 

Foto: Gebäude der Firma QINT in Hattingen – Foto: IGM.GH

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