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„BILDnotwelcome“

Der deutsche Profifußball wollte am Wochenende aus den Stadien ein starkes und einheitliches Signal aussenden: Flüchtlinge sind willkommen! Refugees welcome! Der Auftritt der Profis sollte für eine gute Sache eingesetzt werden. Das ging schief, nicht zuletzt deshalb, weil die Boulevardzeitung BILD mit der Not der Flüchtlinge eine profitable PR-Aktion zur Auflagensteigerung angestoßen hatte.

Alle Vereine der 1. und 2. Fußball-Bundesliga würden mit dem Logo der von BILD gestarteten Aktion „Wir helfen – #refugeeswelcome“ auflaufen, tönten die Blattmacher, die in der Vergangenheit nicht gerade durch eine asylfreundliche Berichterstattung aufgefallen sind. Im Gegenteil: Ausgerechnet das Boulevard-Blatt, das ständig gegen Ausländer und Hartz-IV-EmpfängerInnen hetzte und gegeneinander aufstachelte, nutzte nun das schlimme Schicksal von Flüchtlingen aus, um sich selbst in einem besseren Licht zu präsentieren.

 

Foto_BILD gegen Ausländer

 

Doch der Werbe-Coup platzte. Nein, danke! Wir lassen uns nicht instrumentalisieren, sagten vor allem Vereine der Zweiten Bundesliga. Der Kiezclub FC St. Pauli war der erste der 36 Erst- und Zweitligisten, der bei diesem „BILD-Hermes-DFL-Theater“ kein Statist sein wollte. Aus mehreren Vereinszentralen war zu hören: Solidarität mit Flüchtlingen ja, aber wir lassen uns nicht vor den Karren der Bild-Zeitung spannen.

Diese Stimmen nahmen nach dem Ausraster von BILD-Chef Kai Diekmann zu. Über den Internetdienst Twitter pöbelte er: »Darüber wird sich die AfD freuen: Beim FC St. Pauli sind Refugees not welcome« und »Kein Herz für Flüchtlinge: Schade eigentlich, FC St. Pauli! « Auf den Punkt gebracht lautete seine Botschaft: Wer gegen die BILD-Aktion ist, gehört in die gleiche Schmuddelecke wie die gewaltbereiten, rechten Hetzer gegen Flüchtlinge und Migranten.

Wie haltlos diese Anwürfe von Diekmann sind, zeigt ein Blick in seine eigene Zeitung. Vor kurzem berichtete die Hamburg-Ausgabe über St. Paulis Freundschaftsspiel gegen den BVB, das der Klub unter das Motto „Refugees welcome“ gestellt hatte. Der FC St. Pauli nimmt mit seinem Engagement für Flüchtlinge eine Vorreiterrolle unter den Fußballvereinen ein. Erst vor wenigen Tagen gehörte der Kiezklub zu den Aufrufern für Blockadeaktionen gegen einen geplanten Naziaufmarsch in der Hansestadt.

Der diffamierende Tweet des BILD-Chefredakteurs der Bild-Zeitung empörte nicht nur die Fans, sondern brachte auch mehr Klubs auf. Dem Beispiel von FC St. Pauli folgten Union Berlin, SC Freiburg, MSV Duisburg, 1.FC Kaiserslautern, FC Nürnberg und der VfL Bochum, deren Spieler auf das Trikot-Logo »Wir helfen« für Flüchtlinge verzichteten. Kurzum: ein Drittel der Vereine der Zweiten Liga leisteten sich eine eigene Position.

Der 1. FC Nürnberg hält den Umgang mit den Vereinen, die an der freiwilligen Aktion nicht teilnehmen wollen, für „unangebracht“. Noch deutlichere Wort fand der VfL Bochum: „Es darf unserer Ansicht nach nicht sein, dass jemand einem Verein die Solidarität mit Flüchtlingen abspricht, nur weil dieser nicht bereit ist, eine u.a. von der Bild initiierte Aktion zu unterstützen.“

Dass sich nicht mehr Bundeliga-Vereine nach Diekmanns übler Unterstellung mit St. Pauli solidarisierten, verwundert nicht. Der Konformitätsdruck auf die Vereine gerade in der 1. Bundesliga, die fest in einen Marketing- und PR-Zirkus eingebunden sind, der von BILD mit orchestriert wird, ist offenbar sehr groß: BILD – stellt Öffentlichkeit her, produziert Stars, feuert Trainer, BILD sagt, wer gut spielt und wer auf dem Platz versagt. Das Blatt ist untrennbar mit den Spitzenklubs und deren Machern verbandelt.

Derweil sehen sich diese Vereine einem massiven Protest ihrer Fans ausgesetzt. Auf Spruchbändern, Choreos und Plakaten nehmen die Fans unmissverständlich gegen die „Bild“-Aktion Stellung. So hielten schon in der vergangenen Woche BVB-Sympathisanten beim Europa-League-Spiel ein Transparent mit dem Hashtag „#BILDnotwelcome“ hoch. Die Erklärung wurde mitgeliefert: „Die Flüchtlingskatastrophe fürs eigene Image zu instrumentalisieren – das bringt nur Bild“.

Die eigentliche Schande ist jedoch, dass der millionenschwere Fußball-Ligaverband (DFL) sich von einem Springer-Blatt diese Kampagne aufschwatzen ließ. Natürlich ist es wichtig, dass der Profifußball seine gesellschaftliche Rolle dafür nutzt, um Fremdenfeindlichkeit die rote Karte zu zeigen. Für den DFL wäre es doch ein Leichtes gewesen, eine eigenständige, nicht von Sponsoren vermarktete Kampagne auf die Beine zu stellen, die alle 36 Top-Vereine mitgetragen hätten.

„Warum kann man nicht einfach ein Labelloses »Refugees welcome« auf dem Ärmel tragen? Oder »Love football, hate racism«? Botschaften, die geradeaus und direkt sind“, so Robert Pohl, Sprecher der Interessengemeinschaft »Unsere Kurve«. Dass dies möglich ist, zeigte der DFB in der Saison 1992/93: Sämtliche Klubs traten am letzten Vorrundenspieltag als Reaktion auf die Ausschreitungen in Rostock-Lichtenhagen in einem Trikot mit dem Slogan „Mein Freund ist Ausländer“ an.

Foto 1: BVB-Fans gegen Ausnutzung der Flüchtlingskatastrophe durch BILD – Foto: dpa
Foto 2: BILD-Hetze gegen Ausländer und Hartz-IV-Empfänger

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