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Bildungsarbeit: Kompass für die Praxis

Sprockhövel. Nur mit solidarischen und organisierten Belegschaften lassen sich die Bedingungen in den Betrieben zu Gunsten der ArbeitnehmerInnen verändern. „Mit der gewerkschaftlichen Bildungsarbeit werden strategische Fähigkeiten zur Durchsetzung von gemeinsamen Zielen entwickelt“, sagte das geschäftsführende IG Metall-Vorstandsmitglied Irene Schulz im IG Metall Bildungszentrum Sprockhövel. Dies wurde durch die Ausführungen der Ersten Bevollmächtigten Clarissa Bader zu den aktuellen betrieblichen Konflikten bestätigt.

 

Die Einordnung betrieblicher Konflikte in wirtschaftliche und politische Zusammenhänge sowie das Wissen über das notwendige Handwerkszeug für die Arbeit der Betriebsräte, seien wichtige Voraussetzungen, so Clarissa Bader, „um auf Arbeitgeberstrategien reagieren zu können“. Die Berichterstattung und die Diskussion über das Begehren der Arbeitgeber in fünf Betrieben im Nachgang der Metalltarifrunde die „Differenzierungsklausel“ anzuwenden bzw. Konflikte um „betriebliche Restrukturierungsmaßnahmen“ standen im Mittelpunkt der Delegiertenversammlung.

In drei Fällen wurde das Ansinnen der Geschäftsführer von den Mitgliedern der IG Metall „klar zurück gewiesen“. „Die Beteiligung der Betroffenen in Mitgliederversammlungen ist ein wirkungsvolles Instrument“, so die IGM-Bevollmächtige. Bader schätzte ein, dass die „Differenzierungsklausel“, die von den Arbeitgebern in den Tarifverhandlungen durchgesetzt worden sei, kein Hilfsmittel ist, wenn Betriebe tatsächlich in wirtschaftliche Schwierigkeiten geraten. Dafür gebe es sinnvollere Instrumente.

Beschäftigte sollen für Managementfehler haften

Clarissa Bader berichtete über den geplanten Stellenabbau im Zuge der Fusion von Dorma mit dem schweizerischen Konzern Kaba, der überwiegend mit überzogenen Renditezielen begründet sei. Bei Carp & Hones, vormals Schmobi, wurde der Betriebsrat erpresst, um 20 Kündigungen durchzusetzen. Bei der Westfälischen Lokomotivfabrik Reuschling in Hattingen brach der Geschäftsführer einen Konflikt vom Zaun, in dem er den Anerkennungs-Tarifvertrag kündigte, um die abgeschlossene Tariferhöhung nicht zahlen zu müssen.

Auf Sturm stehen die Zeichen auch bei Dieckerhoff Guss. Die Gevelsberger Belegschaft schon seit Jahren gebeutelt durch Arbeitnehmerbeiträge, soll nun erneut für Verluste in der Guss-Gruppe des Georgmarien-Konzerns herangezogen werden. „Wieder mal sollen Beschäftigte für Missmanagement haftbar gemacht werden“, kritisierte die hauptamtliche Gewerkschafterin. „Wie die mit uns umgehen ist unverschämt. Vor allem, dass sie nun die Betriebsräte der einzelnen Standorte untereinander ausspielen wollen“, empörte sich in der Debatte der Betriebsrats-vorsitzende Sadi Demir. Und sein Kollege Herbert Uppendahl ergänzte, „die wollen jetzt nicht nur Beiträge, die später wieder zurückgezahlt werden, sondern sie wollen unsere Tarife dauerhaft absenken“ und fügte entschlossen hinzu: „Nicht mit uns!“

Sinkflug des Rentenniveaus stoppen

Clarissa Bader ging in ihrem Tätigkeitsbericht auf die beschlossene Kampagne „Neuaufbau einer solidarischen Alterssicherung“ ein. Das Ziel der IG Metall bleibe ein „auskömmliches Einkommen im Alter“. Dazu müsse im ersten Schritt der „Sinkflug des Rentenniveaus“ gestoppt werden. Wie dies finanziert werden könne, dazu habe die IG Metall Vorschläge unterbreitet,

Die lebhafte Debatte unterstrich welchen hohen Stellenwert das Thema in der Mitgliedschaft hat. Es müsse verhindert werden, dass „Jung und Alt gegen einander ausgespielt werden“, sagte Wolfgang Lange und Jörg Kannapin brachte es auf den Punkt: „Dieses Thema geht alle an. Deshalb müssen auch alle den Arsch hochkriegen.“

Kollegin Irene Schulz aus Frankfurt referiert über die Bildungsarbeit der IG Metall
Kollegin Irene Schulz aus Frankfurt referiert über die Bildungsarbeit der IG Metall

 

Bildungsarbeit ist Zweckbildung

Die Referentin Irene Schulz erläuterte welche Aufgaben die gewerkschaftliche Bildungsarbeit im Zusammenhang mit den Kampagnen zur „Alterssicherung“, zur „Arbeitszeit“, „Arbeit 4.0“ und dem „demographischen Wandel im ehren- und hautamtlichen Bereich“ übernehmen wird. Gerade bei letzterem gehe es darum das „Erfarhungswissen von ausscheidenden KollegInnen“ sicher zu stellen. Schulz machte Ausführungen zum Stellenwert der regionalen Bildungsarbeit, diese Seminare seien für viele Betriebsratsmitglieder und Vertrauensleute der erste Lernort, an dem sie sich ihr erstes Wissen für ihre Interessenvertreterarbeit aneignen können. Sie wies daraufhin, dass in der zentralen Bildungsarbeit die Seminarplätze für Vertrauensleute aufgestockt werden.

Auf die Arbeitsbedingungen in den Bildungsstätten ging die Betriebsratsvorsitzende Tina Flügge ein. Sie verwies auf den Satzungsauftrag und den Charakter als „Zweckbildung“, um sich Kenntnisse zur Bewältigung betrieblicher Konflikte aneignen zu können. Wolfgang Lange forderte Bildungsmaterialen zu politischen Schwerpunkten, die in der örtlichen Arbeit eingesetzt werden können. Der Leiter des IG Metall-Bildungszentrums, Fritz Janitz, berichtete über die Arbeit, in dem vor fünf Jahren in Sprockhövel neugebauten Hauses und die positive Entwicklung der TeilnehmerInnen-Zahlen.

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