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Bonfiglioli-Gruppe neue Eigentümerin

Hattingen. Die Kartellbehörden haben zu gestimmt. Die Übernahme ist perfekt: Für einen Kaufpreis von 25,7 Mio. Euro erwirbt der italienische Antriebstechnikspezialist Bonfiglioli 55 Prozent der O&K Antriebstechnik GmbH. Die bisherige Eigentümerin, die Carraro-Gruppe, bleibt mit 45 % weiter am Unternehmen beteiligt. „Firmenübernahmen bergen immer Chancen und Risiken in sich“, so die IG Metall-Bevollmächtigte Clarissa Bader in der Betriebsversammlung. Deshalb sei es notwendig, dass die Beschäftigten und ihre Interessenvertretung den Prozess „kritisch und aufmerksam“ begleiten.

Der Vertrag zwischen den beiden ältesten italienischen Industriellen-Familien sieht vor, dass die inhabergeführte italienische Bonfiglioli-Gruppe mit Sitz in Bologna, bis zum 30. September 2020 bevorrechtigt die verbleibenden 45 % der Anteile auf der Grundlage fest vereinbarter Mechanismen zur Preisermittlung erwerben kann, heißt es aus Arbeitgeberkreisen.

Mit diesem Deal ergänzt die Bonfiglioli-Gruppe, die derzeit weltweit rund 3.600 Mitarbeiter beschäftigt und 2015 einen Umsatz von mehr als 700 Millionen Euro erzielt hat, ihr Produktfolio durch ein umfassendes Sortiment an Achsantrieben, Schwenkantrieben und Messerantrieben für mobile Hochleistungsmaschinen der O&K AT. Die Carraro-Gruppe mit Sitz in Campodarsego bei Padua, die in 2014 mit rund 3.500 weltweit Beschäftigten einen Konzernumsatz von 728 Mio. Euro erzielte, wird sich künftig stärker auf die Entwicklung von Getrieben für Maschinen der Land- und Bauwirtschaft konzentrieren.

Den Kauf durch die Bonfiglioli-Gruppe bewertet der Betriebsratsvorsitzende Gerd Starosta mit „gebotener Vorsicht“ als „die beste der angedachten Varianten zur Stabilisierung des Carraro-Konzerns“ und damit auch für den Hattinger Standort. Der bisherige Geschäftsführer der O&K AT, Giorgio Gucchi, werde künftig als Bonfiglioli-Vertreter weiterhin die Geschäfte in Hattingen leiten. Der Betriebsrat gehe davon aus, dass wie bisher die 155-köpfige Belegschaft – davon 12 Auszubildende – am Standort im südlichen Ruhrgebiet weiter Getriebe produzieren werden.

Mehr als Stirnrunzeln löst bei ihm und seinen KollegInnen allerdings die Information aus, dass in den beiden deutschen Bonfiglioli-Standorten in Krefeld (Frequenzumrichter, Photovoltaik-Wechselrichter, Dynamische Antriebssysteme) und Neuss (Getriebe, Getriebemotoren, Azimut- und Pitchantriebe, Antriebe für mobile Arbeitsmaschinen) es weder „einen Betriebsrat gibt, noch eine Tarifbindung existiert“.

Für die kampferprobten O&K’ ler ist beides überhaupt nicht vorstellbar. „Ohne Betriebsrat, Vertrauensleute und die IG Metall hätten wir in der Auseinandersetzung 2009 unseren Standort nicht gegen die Konzernentscheidung in Padua verteidigen können“, ist Starosta überzeugt.
Dazu gehöre auch, dass die Betriebsratsspitze gemeinsam mit der IG Metall-Bevollmächtigten Clarissa Bader – nachdem klar war, dass ein neues Werksgelände gesucht werden muss – „im Wirtschaftsausschuss immer wieder darauf gepocht hat, dass die Suche in Hattingen stattfinden muss.“

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Umzug der O&K AT in den Hüttenpark

Während in Italien die strategische Partnerschaft als „eine große Geschichte in der Branche“ gefeiert wird, läuft beim Umzug des Betriebes von der Nierenhofer Straße in den „Hüttenpark“ alles nach Plan. Seit fast einem Jahr wurde der ehemalige Standort der Firma 3M (Quante) für den Antriebsproduzenten um- und ausgebaut.

Die offizielle Schlüsselübergabe fand inzwischen statt und die O&K Antriebstechnik ist jetzt offiziell „Hausherrin“ im neuen Gebäude an der Ruhrallee. In die neu entstandene ca. 11.000 Quadratmeter große Halle wurde bereits die Hälfte der bisherigen Produktionsmaschinen verlagert und ein neues Bearbeitungszentrum MB 800 aufgebaut. Ende Januar soll der Standortwechsel, der rund 15 Millionen Euro gekostet hat, komplett abgeschlossen sein. Gerd Starosta: „Dann wird auch der Betriebsrat in seinen neuen Räumen tagen können.“

Die IG Metaller der O&K AT stellten am Ende ihres Kampfes, Ende 2009, fest: Unser Motto „Wir kämpfen ohne Illusionen, aber mit Hoffnungen“ hat sich als richtig erwiesen. Sechs Jahre später kann festgestellt werden – es stimmt: Der Standort blieb erhalten. Die Beschäftigtenzahl konnte gesichert werden und ab 2016 wird auf einem neuen Werksgelände produziert. Das ist eine gute Nachricht zum Ende des Jahres 2015.

Foto 1: Neues Werksgelände der O&K AT im Hüttenpark in Hattingen
Foto 2: Betriebsrat berät über die Arbeitsbedingungen im neuen Werk

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