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„Die Stärksten, kämpfen ihr Leben lang“

Die IG Metall Gevelsberg-Hattingen betrauert den Tod von Herbert Wils, ehemaliges Mitglied des Betriebsrates der Firma Bauknecht in Gevelsberg, Mitglied der IG Metall-Vertreterversammlung und Stadtverordneter in Gevelsberg. „Wir verlieren einen unermüdlichen Streiter gegen Ausbeutung und für soziale Gerechtigkeit“, so Clarissa Bader, Erste Metall-Bevollmächtigte der IG Metall Gevelsberg-Hattingen. „Man darf Unrecht nicht hinnehmen, sondern muss gemeinsam für eine gerechte Welt kämpfen“, war die Richtschnur für sein gewerkschaftliches und politisches Engagement. 

Der langjährige Gewerkschafter Herbert Wils wurde 1931 in Hagen geboren. Als Jugendlicher erlebte er den Terror der Faschisten und die alliierten Bombenangriffe auf seine Heimatstadt Hagen. Das war der Auslöser für seine Beteiligung am Kampf „Nie wieder Krieg, der sich gegen die von Bundeskanzler Konrad Adenauer (CDU) betriebene Remilitarisierung West-Deutschlands richtete.

Ein Jahr nach Kriegsende begann der jugendliche Wils beim Elektromeister Gössler in Hagen die Lehre als Elektroinstallateur. Später wechselte er zu den Stahlwerken Südwestfalen. Der IG Metall-Bevollmächtigte und langjährige Betriebsratsvorsitzende der Hasper Hütte, Paul Harig, nahm ihn in die IG Metall auf. Der Gewerkschafter wurde Jugendvertreter und Mitte der 1950er-Jahre baute er beim Hagener Gussstahlwerk Wittmann einen gewerkschaftlichen Vertrauenskörper mit auf und übernahm dessen Leitung.

Mitte der 1960er-Jahre begann der IG Metaller im Versand bei Bauknecht in Gevelsberg zu arbeiten. Sein couragiertes Auftreten im Betrieb trug dazu bei, dass ihn die Kollegen 1968 in den Betriebsrat wählten. Der schwäbische Konzern, der sich 1965 die Krefft AG an der Ennepe einverleibt hatte, fuhr in den 1970er-Jahren systematisch die Produktion und die Belegschaft herunter. Es ist ein „Tod auf Raten“ brachte es Herbert auf den Punkt und half mit, Protestaktionen der Belegschaft zu organisieren. Als am 22. Juli 1983 die Fließbänder im Werk 9 für immer stoppten wurde er wie seine KollegInnen in die Arbeitslosigkeit entlassen und war danach bis 1990 im Haus des Düsseldorfer Brücken-Verlag tätig.

Für Herbert Wils hieß gewerkschaftlich aktiv zu sein, sich auch politisch zu betätigen. Schon als 20-Jähriger organisierte er sich in der Freien Deutschen Jugend (FDJ) und wurde 1952 Mitglied in der Kommunistischen Partei Deutschland (KPD), die vier Jahre später vom Bundesverfassungsgericht verboten wurde. Wegen diesem Engagement wurde er wegen „Staatsgefährdung, Geheimbündelei, Rädelsführerschaft“ zu 64 Monaten Gefängnis verurteilt. Herbert und seine Frau Ingrid, die selbst zu neun Monaten Haft verurteilt wurde, waren wie zehntausende aufrechte Linke Opfer des Antikommunismus in Westdeutschland.

Während Herbert Wils im Betrieb mit seinen Kollegen Aktionen gegen den Abbau der „sogenannten freiwilligen Sozialleistungen“, die „Kürzung von Vorgabezeiten“ und die geplante „Stilllegung des Betriebes“ organsierte, stritt er als Stadtverordneter der neugegründeten Deutschen Kommunistischen Partei (DKP) mit seinen FraktionskollegInnen im Gevelsberger Stadtrat u.a. für die „regionale Wirtschaftsförderung“. Sie verbanden darüber hinaus die parlamentarische Arbeit mit außerparlamentarischen Aktionen wie „Stoppt die Fahrpreise“ oder „Kein Bau eines Munitionsdepots an der Ennepetaler Talsperre“. Als Mitglied der IG Metall-Vertreterversammlung beteiligte er sich am gewerkschaftlichen Protest „Gegen die Notstandsgesetze“ der Großen Koalition in Bonn. Als er aus dem Rat ausschied wurde er als „Stadtältester“ geehrt.

 „Die Schwachen kämpfen nicht. Die Stärkeren kämpfen vielleicht eine Stunde lang. Die noch stärker sind, kämpfen viele Jahre. Aber die Stärksten, kämpfen ihr Leben lang“, schrieb der Schriftsteller Bertolt Brecht.

Der Gewerkschafter und Kommunist Herbert Wils, der im 86. Lebensjahr verstarb, gehörte zu jenen die ein Leben lang kämpften.

Herbert Wils (2.v.r.) während einer Aktion in Gevelsberg – Foto: IGM GH- Archiv

 

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