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Ein tiefschwarzer Fleck in der deutschen Geschichte

Ausstellung und Gedenkveranstaltung zu den Novemberpogromen 1938

Auf der Gedenkveranstaltung zum 83. Jahrestag der „Novemberpogrome“ plädierte der Bürgermeister der Stadt Gevelsberg Claus Jacobi an historischer Stelle für die Umbenennung des  ehemaligen „Rupprecht“-Kaufhauses in „Fedor und Johanna-Rosenthal-Haus“. Die Begründung lieferte zuvor Gewerkschaftssekretärin Jennifer Schmidt bei der Eröffnung der gemeinsamen Veranstaltung der IG Metall Ennepe-Ruhr-Wupper, der VVN-BdA Ennepe-Ruhr und der Stadt Gevelsberg.

„Fedor Rosenthal der zum Symbol für das Schicksal der heimischen Jüdinnen und Juden für die Stadt Gevelsberg wurde, hatte an diesem historischen Ort, an dem später Merkur und Horten, dann Rupprecht Waren angeboten haben, sein Bekleidungsgeschäft“, führte Jennifer Schmidt aus. Das Haus sei Anfang des 20. Jahrhunderts Dreh- und Angelpunkt der Stadt gewesen. Die sozial engagierten Rosenthals spendierten Kindern, die Kommunion oder Konfirmation feierten, Festkleidung; liehen der Stadt Geld Gevelsberg während der Weltwirtschaftskrise, damit diese ihre Beamten bezahlen konnte. Und dann stand, nach dem die Nazis die Macht übernommen haben, auf ihren Schaufenstern: „Kauft nicht ein, beim Judenschwein“. Die Rosenthals wurden enteignet, Fedor wurde Ende 1938 ins KZ Oranienburg verschleppt und dort ermordet, seine Schwägerin Johanna starb im KZ Theresienstadt. „Eine Geschichte die zeigt, Rassismus, Antisemitismus tötet. Damals wie heute“, sagte die Gewerkschaftssekretärin.

Jennifer Schmidt (Foto: IG Metall Ennepe-Ruhr-Wupper)

Ein tiefschwarzer Fleck in der deutschen Geschichte

In seiner Ansprache ging Bürgermeister Claus Jacobi auf die „perfide Vernichtungsstrategie“ der Nationalsozialisten ein. Ein erster Höhepunkt sei die sogenannte „Reichskristallnacht“ gewesen, in dem ein vermeintlicher „Volkszorn“ jüdische Mitbürger*innen drangsalierte, ihre Geschäfte, Warenhäuser und Synagogen zerstörte und niederbrannte. „Was vor 83 Jahren geschah, ist unmöglich wieder gutzumachen. Es bleibt für immer ein tiefschwarzer Fleck in der deutschen Geschichte“, sagte Claus Jacobi. Spätestens an diesem Tage habe in Deutschland jeder sehen können, wohin Antisemitismus und Rassismus führen: 1.300 jüdische Mitbürger*innen wurden ermordet, 30.000 ins Konzentrationslager verschleppt, 1.400 Synagogen sowie tausende Wohnungen, Geschäfte und jüdische Friedhöfe zerstört. Dass 83 Jahre danach in Deutschland Menschen, die durch Krieg und Verfolgung traumatisiert ihre Heimat verlassen müssen und hierzulande Schutz suchen, „beleidigt, bedroht, gedemütigt, körperlich und seelisch verletzt werden – ist zutiefst beschämend“. „Wir müssen dafür wirken, dass wir nicht gegeneinander  kämpfen, sondern friedlich und respektvoll miteinander leben“, appellierte der Bürgermeister.

Bürgermeister der Stadt Gevelsberg – Claus Jacobi (Foto: IG Metall Ennepe-Ruhr-Wupper)

„Klare Kante zeigen“

Darauf, dass Vertreter*innen der AfD ungestraft das Gedenken an die schrecklichen Verbrechen des Holocaust öffentlich verunglimpfen dürfen, wies Thomas Boelling, Mitglied des Jugendausschusses der IGM Ennepe-Ruhr-Wupper, hin. Rechte Gruppierungen nutzten demokratische Rechte aus, „um sie letztlich wieder abschaffen zu wollen, um Rassismus wieder salonfähig zu machen“. Faschismus, Rassismus und Antisemitismus seien leider immer noch präsent. „Das wird nicht nur durch die Taten des NSU, den Anschlägen von Hanau und Halle deutlich, sondern auch durch eine Vielzahl weiterer rechtsmotivierter Gewalttaten“, betonte Thomas Boelling. Deshalb gelte es dem „ideologischen Schwachsinn der Rechten“, die „klare Kante zu zeigen“. Die Jugend der IG Metall stehe für eine weltoffene Gesellschaft.

Thomas Boelling (Foto: IG Metall Ennepe-Ruhr-Wupper)

„Faschismus ist keine Meinung, sondern ein Verbrechen“

Die Erste Bevollmächtigte der IG Metall Clarissa Bader warnte vor einem Widererstarken von Antisemitismus, Rassismus und Nationalismus. Darauf aufmerksam zu machen, dafür sei die heute eröffnete aktualisierte  VVN-Ausstellung „Neofaschismus in Deutschland“ sehr geeignet. Die Schautafeln belegen die Erkenntnis „Faschismus ist keine Meinung, sondern ein Verbrechen“, sagte die Gewerkschafterin. Diese würden sich wie eine „rote Blutspur“ bis auf den heutigen Tag durch die deutsche Geschichte ziehen. Es sei erbärmlich wie die „völkisch-nationalistische“ AfD als „parlamentarischer Arm“ durch gezielte rassistische Provokationen rechten Terroristen den Boden bereiten würde. Der rechte Sumpf müsse trocken gelegt werden. „Wir müssen als Demokrat*innen und Gewerkschafter*innen unsere Stimme erheben und für Menschenrechte, Toleranz und Solidarität eintreten,“ erklärte Clarissa unter dem Beifall der Versammelten.

Clarissa Bader (Foto: IG Metall Ennepe-Ruhr-Wupper)

Auf große Zustimmung stieß die musikalische Umrahmung der Veranstaltung. Die „Queen of Klezmer“ Irith Gabriely und der Pianist Peter Przystaniak begeisterten mit ihrer musikalischen Intensität und temperamentvollen Darbietung von Klezmer-Stücken. Durch ihre ausdrucksstarke Spielweise auf dem Klarinett schaffte es Irith Gabriely eine emotionale Verbundenheit zu den Zuhörer*innen herzustellen. Rundum eine gelungene Veranstaltung im Rahmen der Gevelsberger Aktionswoche „Für Zivilcourage – Gegen rechte Gewalt“.

Irith Gabriely und Peter Przystaniak (Foto: IG Metall Ennepe-Ruhr-Wupper)
v.l.n.r.: Claus Jacobi, Irith Gabriely, Peter Przystaniak, Jennifer Schmidt, Thomas Boelling und Clarissa Bader (Foto: IG Metall Ennepe-Ruhr-Wupper)

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