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„Gemeinsam für eine bessere Zukunft kämpfen“

Erste Digitale Delegiertenzusammenkunft der IG Metall Ennepe-Ruhr-Wupper

Sprockhövel. Zur ersten digitalen Delegiertenzusammenkunft begrüßte der 2. Bevollmächtigte und Kassierer Mathias Hillbrandt die insgesamt 130 Delegierten die sich per „Zoom“ zugeschaltet hatten.

„Die Zukunftsängste haben sich signifikant vergrößert“, sagte die Erste Bevollmächtigte Clarissa Bader im Bildungszentrum Sprockhövel, deren Technik genutzt wurde um dieses digitale Format durchzuführen. Viele Metaller*innen halten ihre Arbeitsplätze aufgrund des industriellen Strukturwandels und der Corona-Krise für gefährdet. Die Ergebnisse der Beschäftigten-Befragung der IG Metall – mehr als 250.000 Arbeitnehmer*innen in gut 6700 Betrieben haben sich beteiligt – zeigten, sowohl bundesweit als auch im Bereich Ennepe-Ruhr-Wupper wie tief die Auslöser und Verstärker der Krise in die Industriebetriebe eingedrungen sind. Angekündigter Arbeitsplatzabbau auch in der Region und eine miserable Informationspolitik der Arbeitgeber verstärken die Unsicherheit in den Firmen, so Clarissa Bader zu den Delegierten vor den Bildschirmen.

Corona-Krise greift tief in Arbeits- und Lebensbereiche ein

Die Corona-Krise greife tief in die Arbeits- und Lebensbereiche der Beschäftigten ein, betonte die Gewerkschafterin in ihrem Bericht. In der Umfrage sei deutlich geworden: 60 Prozent der Beschäftigten haben Angst um ihre Gesundheit, jeder dritte hatte finanzielle Einbußen. Drei Viertel der Familien mussten im ersten Lockdown im Frühjahr ihren Alltag völlig neu organisieren, weil Kitas und Schulen dicht waren. Ebenso viele finden, dass Eltern, die ihre Kinder zu Hause betreuen, für ausgefallenen Lohn mehr Ersatz benötigen. Zum Thema „Arbeiten im Home-Office“ sagten zum einen eine große Mehrheit, die dies praktizierten, dass sie „gute Arbeitsbedingungen“ hatten, zum anderen wurden die Grenzen des Arbeitens zu Hause deutlich: Fast die Hälfte der Befragten hatte angegeben, ihre Arbeit lasse sich nicht im Home-Office machen. „Und für die IG Metall ist die Erreichbarkeit der Betroffenen eine große organisationspolitische Hausforderung“, erklärte Clarissa Bader. „Lebt doch ein großer Teil unserer Arbeit vom persönlichen Gespräch“. Außerdem gilt es die Rahmenbedingungen für die Arbeit im Homeoffice so zu regeln, dass die Beschäftigten ordentliche Bedingungen haben, daher hat sich die IG Metall Ennepe-Ruhr-Wupper das Thema als einen Schwerpunkt für die nächsten Wochen und Monate gesetzt.

Kurzarbeit: Wichtigste sozialpolitische Maßnahme

94 Prozent der Beschäftigten schätzten es als positiv ein, dass durch Kurzarbeit ihr Arbeitsplatz in der Krise erhalten werden konnte. „Unsere Erfahrungen auch in den Betrieben in unserer Region unterstreichen, dass das Instrument Kurzarbeit die wichtigste sozialpolitische Maßnahme, während der Covid-19-Pandemie ist“, sagte Clarissa Bader. Umso wichtiger sei es gewesen, dass sowohl der Bundestag als auch der Bundesrat der Verlängerung der KUG-Regelungen bis Ende 2021 zugestimmt haben. Eine breite Mehrheit der Befragten antwortete, dass die Zeit der Kurzarbeit dazu genutzt werden sollte, die Beschäftigten für die Zukunft zu qualifizieren. „Dabei geht es nicht nur darum, diejenigen Kompetenzen zu verbessern, die für die unmittelbar ausgeübte Tätigkeit benötigt werden, sondern auch diejenigen Kompetenzen zu stärken, die im Hinblick auf die industrielle Transformation besonders gefragt sind“, erklärte der Zweite Bevollmächtigte Mathias Hillbrandt. Phasen der Kurzarbeit für Weiterbildung zu nutzen sei gerade im Strukturwandel ein wichtiger arbeitsmarktpolitischer Ansatz, den die IG Metall weiterverfolgen werde.

Befragungsergebnisse untermauern Tarifforderung

In ihrem Tätigkeitsbericht ging Clarissa Bader auf die anstehenden Tarifbewegungen in der Metall- und Elektroindustrie sowie in der Textil- und Bekleidungsindustrie ein. In beiden Branchen werde eine Einkommenserhöhung von vier Prozent gefordert, während in der Metallindustrie auch eine Vier-Tage-Woche gefordert werde, stehe im Textil-Sektor die Verlängerung der Altersteilzeit im Mittelpunkt. Die Befragung der Gewerkschaft habe ergeben, dass eine breite Mehrheit der Beschäftigten die Forderung nach einer Vier-Tage-Woche, um durch kürzeres Arbeiten Entlassungen zu verhindern, für gut befinde.

Nicht auszuschließen sei, dass die Metall-Tarifrunde konfliktreich verlaufen werde, schätzten die beiden IG Metall-Bevollmächtigten ein. Es gebe Falken im Arbeitgeberlager, „die die Krise nutzen wollen, um uns alles Mögliche abzuringen, was wir in den vergangenen Jahren erkämpft haben“, so die IG Metall-Bevollmächtigte und fügte hinzu: „Wir müssen in der Lage sein, durch starke Mobilisierung Druck ausüben zu können – auch in Corona-Zeiten.“

Der zweite Bevollmächtigte ergänzte das noch um die auch anstehende Stahltarifrunde in der die Vorzeichen ähnlich seien. Des Weiteren stellte er beim Bericht über die Mitglieder- und Finanzentwicklung heraus, wie wichtig gerade vor und während der Tarifbewegung die Mitgliederwerbung in den Betrieben ist. Natürlich sei dies während der Corona-Pandemie schwierig, dennoch gehe kein Weg daran vorbei. „Nicht allein mit guten Argumenten, sondern durch unsere Organisationsmacht sind wir in der Lage akzeptable Ergebnisse durchzusetzen“, so Mathias Hillbrandt.

JAV- und Vertrauensleutewahlen in 2020

Zu den weiteren Schwerpunkten in der Berichterstattung gehörten die Ergebnisse der Jugend- und Auszubildenenvertreter-Wahl und der Vertrauensleutewahlen in der Region Ennepe-Ruhr-Wupper. Es konnte berichtet werden, dass bislang in 29 Betrieben JAV-Gremien gewählt werden konnten. Der Schwerpunkt liegt aufgrund der Struktur der Betriebe bei „1er-Gremien“, in 8 Betrieben gibt es „3er-Gremien“ und in zwei „5er-Gremien“. Außerdem ist sehr erfreulich, dass in der Region Ennepe-Ruhr-Wupper in 16 Betrieben insgesamt 438 Vertrauensleute – davon 86 zum ersten Mal – gewählt oder durch den Ortsvorstand benannt worden sind.

Beide Bevollmächtigte dankten abschließend den Delegierten für ihre kollegiale und konstruktive Zusammenarbeit sowie ihr aktives Engagement „in einem ungewöhnlichen Jahr“. Auch im neuen Jahr komme es darauf an, „gemeinsam für eine bessere Zukunft zu kämpfen“. Und beide sprachen auch die Hoffnung aus, dass die nächste Delegiertenversammlung im März dann vielleicht auch wieder in Präsenz stattfinden kann, der persönliche Kontakt sei doch durch nichts zu ersetzen.

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