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„Gemeinsam für Gerechtigkeit“

Gevelsberg. Die IG Metall kann auf ein erfolgreiches Jahr zurückblicken: Eine stabile Mitgliederentwicklung und erfolgreiche Tarifrunden. Jetzt startet die Gewerkschaft mit einer großen Beschäftigtenbefragung in das Wahljahr 2017. Ein Gespräch mit Clarissa Bader, Erste Bevollmächtigte der IG Metall GS Gevelsberg-Hattingen.

Wenn Du zurückblickst, Clarissa, bist Du zufrieden mit den vergangenen Monaten?

Clarissa Bader: Wir haben eine zufriedenstellende Mitgliederentwicklung. Vor allem weil sich unsere Betriebsräte/innen, Vertrauensleute und Javi’s angestrengt haben, Beschäftigte als neue Mitglieder für uns zu gewinnen. Dafür möchte ich an dieser Stelle nochmals allen ganz herzlich danken. Die Mitgliederentwicklung steht für uns auch im Jahr 2017 ganz oben an.

Und wie sah es in den Betrieben aus?

Wir hatten zahlreiche betriebliche Auseinandersetzungen zu begleiten, leider sind nicht alle immer zu unserer Zufriedenheit ausgegangen. Aber wir können sagen, wir haben immer versucht gemeinsam mit den betrieblichen Kolleginnen und Kollegen, das Beste rauszuholen. Und es gibt natürlich auch einige positive betriebliche Entwicklungen, die wir gerne nutzen wollen um einige wichtige Themen, wie z. B. die Gestaltung der Arbeitszeit nach vorne zu diskutieren.

Dass die IG Metall eine durchsetzungsfähige Kraft ist, haben auch die zurückliegenden Tarifrunden gezeigt.

Richtig: Rund 800 000 Warnstreikende haben in der Tarifrunde für die Metall- und Elektroindustrie im Frühjahr 2016 bundesweit ein gutes Ergebnis erkämpft. Auch in unserer Geschäftsstelle haben sich viele an den Arbeitsniederlegungen und am Aktionstag in Gevelsberg beteiligt. Dass Ergebnis konnte sich sehen lassen: Nach einer Einmalzahlung von 150 Euro gab es im Juli ein Plus von 2,8 Prozent. Ab April 2017 kommen weitere zwei Prozent dazu.

Wie beurteilst Du die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen in diesem Jahr?

Laut Prognosen der Ökonomen bleibt die deutsche Wirtschaft 2017 trotz schwieriger Weltwirtschaft auf Wachstumskurs. Die zweite Stufe unseres Metall-Tarifvertrags kommt im Frühjahr zum richtigen Zeitpunkt. Denn das Plus in den Geldbeuteln der Beschäftigten stärkt die Konjunktur zusätzlich.

Welche Schwerpunkte müssen vor Ort bearbeitet werden?

Gemeinsam mit den Beschäftigen und ihren Betriebsräten entwickeln wir in einer Reihe von Betrieben im Bereich der Geschäftsstelle Konzepte, um Arbeitsplätze zu sichern. Dazu führen wir u.a. bei dormakaba in Ennepetal und Dieckerhoff Guss in Gevelsberg Verhandlungen mit den Geschäftsführungen. Bei AZ Ausrüstung + Zubehör in Hattingen begleiten wir kritisch die Ausarbeitung eines Insolvenzplanes zur Fortführung der Produktion. Wir haben uns aber auch die Wiederherstellung der Tarifbindung in Betrieben zum Ziel gesetzt. Schließlich ist die Tarifbindung eine Frage der Gerechtigkeit. Deshalb unterstützen wir die Beschäftigten bei WKW Automotive in Hasslinghausen  bei ihrer „Rote-Punkt-Aktion“ zur Erreichung der Tarifbindung.

Was hat Tarif mit Gerechtigkeit zu tun?

Die Unterschiede in der Entlohnung für die Beschäftigten in tarifgebundenen bzw. nicht- tarifgebundenen Betrieben sind erheblich. Und es hat auch mit Würde und Anerkennung zu tun, ob man „seinen“ Arbeitgeber bitten muss oder einen tariflichen Anspruch auf anständige Arbeitsbedingungen, gute Bezahlung und verbindliche Arbeitszeiten hat.

Was will die IG Metall mit der Beschäftigtenbefragung erreichen?

Vor einigen Monaten haben wir unsere Arbeitszeitkampagne „Mein Leben – meine Zeit. Arbeit neu denken!“ eingeleitet. Die Arbeitgeber fordern immer mehr Flexibilität von den Beschäftigten. Dreischichtbetriebe, Samstags- und Sonntagsarbeit aber auch Themen wie Mobiles Arbeiten weiten sich aus. Wir wollen wissen, was den Kolleginnen und Kollegen unter den Nägeln brennt. Dazu haben wir Mitte Januar eine große Umfrage unter den Beschäftigten in den Betrieben gestartet. Die Antworten sollen dazu beitragen, betriebliche Themen zu identifizieren, sich möglicherweise bestehende Gesetze vorzunehmen aber auch die Tarifrunde 2018 gründlich vorzubereiten.

Wie wird sich die IG Metall im Wahljahr 2017 positionieren?

Viele Arbeiternehmer/innen fürchten, dass die durch die Globalisierung und Digitalisierung in der Arbeitswelt ausgelösten Veränderungen, sich gegen sie richten. Sie wollen mehr Gerechtigkeit und Sicherheit. Darauf muss die Politik endlich glaubhafte Antworten geben. Für uns als IG Metall sind deshalb sichere Arbeit, Schutz vor Lebensrisiken und eine auskömmliche Rente sehr wichtig. Und wir fordern, dass die Gesellschaft Bildung für alle und gleiche Chancen für Frauen und Männer bieten muss.

Was sind für Dich die wichtigsten Themen im Wahljahr 2017?

Wie gesagt, die zunehmende Ungleichheit bei Vermögen und Einkommen bedroht den sozialen Zusammenhalt in der Gesellschaft. Deshalb brauchen wir mehr Verteilungsgerechtigkeit. Wir brauchen eine Politik, die soziale Gerechtigkeit stärkt, Chancengleichheit und Wohlstand für alle Menschen fördert. Wir müssen auf umfassende Sozialreformen für Beschäftigte und Rentner/innen drängen, die Altersarmut und ein sinkendes Rentenniveau verhindert. Auch dazu befragen wir die Beschäftigten. Mit ihrem Votum werden wir unsere gewerkschaftlichen Forderungen in den Landtagswahlkampf in NRW und in den Bundestagswahlkampf einbringen.

Was tun gegen die arbeitnehmerfeindliche Politik der AfD?

Wenn Menschen Angst haben vor sozialem Abstieg und einer unsicheren Zukunft ihrer Kinder, dann hat das etwas mit der Erfahrung zu tun, dass es in dieser Gesellschaft nicht gerecht zugeht. An diesen Ängsten setzen die Rechtspopulisten an. Doch sie bieten keine Lösungen. Im Gegenteil: Vertreterinnen der AfD haben sich z. B. mehrfach öffentlich dafür ausgesprochen, die Arbeitslosenversicherung abzuschaffen und die Rentenversicherung in eine rein private Vorsorge umzuwandeln. Das wäre eine große Katastrophe für Arbeitnehmer/innen. Wir müssen in den Betrieben darüber aufklären, dass die AfD keine glaubwürdigen Alternativen hat, sondern eine arbeitnehmerfeindliche Politik verfolgt. Die AfD ist auf jeden Fall keine Alternative für mehr soziale Gerechtigkeit, sie trägt massiv zu Spaltung der Gesellschaft bei.

 

Foto: Clarissa Bader, Erste Bevollmächtigte der IG Metall GS Gevelsberg-Hattingen
Foto: Manfred Vollmer

 

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