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„Habe meine Entscheidung nie bereut“

Wir gedenken: Udo Kuhlmann

Die IG Metall betrauert den Tod des Betriebsratsvorsitzenden Udo Kuhlmann. 40 Jahre war der 57jährige IG Metaller im Schmiedebetrieb Bharat Forge CDP in Ennepetal beschäftigt. „Seine Familie verliert einen wunderbaren Menschen und wir einen liebenswerten Kollegen, der sich unermüdlich für soziale Gerechtigkeit und die Interessen seiner Kolleg*innen im Betrieb eingesetzt hat“, sagt Clarissa Bader, 1. Bevollmächtigte der IG Metall Ennepe-Ruhr- Wupper.

In Gevelsberg geboren, in Altenvoerde aufgewachsen – ist Udo bis zu seinem Tod seiner Heimatstadt Ennepetal treu geblieben. Fußball war eine seiner Leidenschaften. In jungen Jahren spielte er selbst aktiv in den Jugendmannschaften des RSV Altenvoerde und von Blau-Weiß Voerde. In späteren Jahren teilte er seine Sympathien zwischen den Bundesligisten Borussia Mönchengladbach und FC Bayern auf.

Es war im Jahr 1980 als Udo Kuhlmann im Altenvoerder Traditionsbetrieb C.D.Peddinghaus seine Ausbildung als Industriekaufmann angetreten hat. Nach Abschluss der Ausbildung nahm er eine Tätigkeit in der Betriebsbuchhaltung/Kostenrechnung auf. Sein familiäres Umfeld sei ausschlaggebend gewesen, sagte er einmal, dass er 1988 das Betriebsratsbüro des Schmiedebetriebs aufgesucht und dem damaligen Vorsitzenden erklärt habe: „Ich will in die Gewerkschaft eintreten!“ So wurde er Mitglied der IG Metall. Udo beließ es jedoch nicht nur bei der Mitgliedschaft, sondern engagierte sich im Betrieb als Vertrauensmann und Betriebsratsmitglied. Im Oktober 2011 übernahm er den Vorsitz des Betriebsratsgremiums.

Die IG Metall Mitglieder wählten ihn in die Delegiertenversammlung zunächst der IG Metall Gevelsberg-Hattingen und im letzten Jahr für die neu gebildete Geschäftsstelle Ennepe-Ruhr-Wupper. Udo gehörte den jeweiligen Ortsvorständen an und als Mitglied der Tarifkommission Metallindustrie hatte er Anteil am Abschluss der Tarifverträge für die Mitglieder der Gewerkschaft in Nordrhein-Westfalen. Die Kontakte, die sich über die Gremien und Seminare der Gewerkschaft zu anderen Betriebsratsmitgliedern ergeben würden, seien sehr wichtig für seine Arbeit, fasste Udo einmal seine Erfahrungen in der gewerkschaftlichen Arbeit vor Ort zusammen. Es waren vor allem die offenen Debatten in den Zusammenkünften, aber auch die gegenseitigen Hilfestellungen bei der Bewältigung von betrieblichen Problemen, die er schätzte.

„Gemeinsam sind wir stark“ keine inhaltsleere Floskel

Dass die Feststellung „Gemeinsam sind wir stark“ keine inhaltsleere Floskel ist, sondern eine wichtige Bedeutung für die Arbeitnehmer*innen hat, konnte Udo während der Insolvenz 2002 erfahren. Mit harten Bandagen habe die gewerkschaftliche Interessenvertretung gemeinsam mit den Beschäftigten um den Fortbestand des Unternehmens gefochten.  Dass dies gelang und die indische Kalyani-Gruppe als neue Eigentümerin eingestiegen sei, führte Udo auf die „gute, abteilungs- und hierarchienübergreifende Zusammenarbeit“ im Schmiedebetrieb und die Unterstützung der zurück.

Vier Jahre später habe der Betriebsrat erneut die Initiative ergreifen und einer wiederum geplanten Kahlschlagsanierung die „Erarbeitung eines Zukunftsprojektes“ entgegensetzen müssen. Udo gehörte damals zu jenen 15 Beschäftigten – bestehend aus dem Fertigungsleiter, der Personalchefin, Betriebsratsmitgliedern, Kollegen aus dem Rechnungswesen, der Konstruktion und Disposition, dem Meister aus dem Werkzeugbau und Facharbeitern aus unterschiedlichen Fertigungsbereichen – die im Workshop „Fabrik der Zukunft“ Stärken und Schwächen des Betriebes analysierten. Gemeinsam entwickelten sie unter Moderation der arbeitnehmernahen Berater PCG Essen Vorschläge zur Veränderung der Organisation und der technischen Prozesse aber auch zur Hebung von Potenzialen zur Kostensenkung sowie zur Außendarstellung des Unternehmens.

Es seien diese positiven Erfahrungen gewesen, die seine Entscheidung beeinflussten, 2010 zum Betriebsrat zu kandidieren. Ein Jahr später musste er den Vorsitz des Gremiums übernehmen. Hatte er sich in seiner bisherigen Tätigkeit im Controlling vor allem mit Zahlen, mit Kosten und betriebswirtschaftlichen Berechnungen auseinandergesetzt, hatte er es nun als freigestellter Vorsitzender mit Menschen und ihren unterschiedlichen Naturellen zu tun. Er habe seine Entscheidung nie bereut, sagte Udo einmal im Gespräch mit der Redaktion, die Arbeit sei interessant und mache Spaß, auch wenn sie manchmal schwierig sei, wenn beispielsweise die Geschäftsführung Tarifabweichungen zu Lasten der Beschäftigten durchsetzen wolle.

Abwechslung vom betrieblichen Stress fand Udo darin, wenn er mit Kumpels sich ein gutes Fußballspiel ansehen, gemeinsam kegeln und gute Gespräche führen konnte. Auf Reisen in mediterrane Länder wie Griechenland und Portugal waren für ihn die kulturellen Eindrücke interessant, die man in diesen Regionen gewinnen kann. Der engagierte Gewerkschafter hatte noch so viel geplant in seinem Leben. Doch der für alle unfassbar frühe Tod von Udo hat diese Planungen abrupt beendet. Die Beisetzung musste Corona bedingt leider im kleinen Kreis stattfinden.

Autor: Otto König

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