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Harte Tarifverhandlungen zeichnen sich ab

Auftakt der Tarifrunde in der Metall- und Elektroindustrie in NRW

Neuss. Während der neue schwere Lockdown das öffentliche Leben in den Städten bundesweit lahm legte, nahmen die IG Metall und die Arbeitgeber in der Metall- und Elektroindustrie in den Bezirken die Tarifverhandlungen 2021 auf. In Neuss fand die erste Tarifverhandlung für die rund 700.000 Beschäftigten der Metall- und Elektroindustrie in NRW statt. „In der ersten Runde ging es um die Forderung der Gewerkschaft nach vier Prozent mehr Geld für zwölf Monate, das zur Sicherung von Beschäftigung und Einkommen eingesetzt werden soll“, so die IG Metall Bevollmächtigte und Mitglied der Verhandlungskommission Clarissa Bader.

Bei der Eröffnung der Verhandlung verwies der nordrhein-westfälische Bezirksleiter und Verhandlungsführer der IG Metall, Knut Giesler, auf die positiven Erfahrungen in der Finanzkrise und sagte: „Ein wichtiger Grund für die gute Bewältigung der letzten großen Wirtschaftskrise 2010 war, dass es gelungen ist, die Beschäftigten in den Betrieben an Bord zu halten. Dadurch konnte nach der Krise schnell durchgestartet werden. Darum schlagen wir die optionale 4-Tage-Woche mit Teilentgeltausgleich als beschäftigungssicherndes Element vor“.

Die schwache Binnennachfrage sei ein Klotz am Bein der Konjunktur. Da müsse gegengesteuert werden. Darum fordere die Gewerkschaft ein Volumen von 4 Prozent, das zur Einkommenssteigerung oder zum Teilentgeltausgleich verwendet werden könne. Die IG Metall habe mit ihren Forderungen aber nicht nur die kurzfristige Krisenbewältigung im Blick, sondern sorge sich auch um die mittelfristige Perspektiven in der Branche. Die industrielle Transformation stelle die Metall- und Elektroindustrie vor große Herausforderungen, für die es auch tarifpolitische Antworten geben müsse. Allein in Nordrhein-Westfalen seien akut 50.000 Arbeitsplätze bedroht. „Wir brauchen einen tariflichen Rahmen für betriebliche Zukunftstarifverträge, in denen Investitions-, Innovations-, Qualifizierungs- und beschäftigungssichernde Maßnahmen festgeschrieben werden können“, so Knut Giesler

Metallarbeitgeber wollen die Taschen zuhalten

Schon im ersten Gespräch wurde deutlich, dass die Arbeitgeber nicht nur die Taschen zu halten, sondern die Corona-Krise als Vorwand nutzen wollen, nicht nur eine „Null-Runde, sondern auch Kostenentlastungen zu Lasten der Beschäftigten durchzusetzen. Schrille Töne kamen vor allem von den Metallarbeitgeberverbänden in Baden- Württemberg und Bayern. Moderater waren die Stellungnahmen der Arbeitgeber in NRW. Doch auch hier zeichnen sich schon harte Verhandlungen ab. So lehnte Metall NRW in Neuss die Forderungen der Gewerkschaft rigoros ab. Diese gingen „an der Wirklichkeit der Unternehmen vorbei“, warnte der Präsident der NRW-Metallarbeitgeber, Arndt Kirchhoff. Die Tarifpolitik dürfe „den Unternehmen jetzt keine zusätzlichen Kosten aufbürden, es gehe in der Krise um den Erhalt von Wettbewerbsfähigkeit und Arbeitsplätzen“.

Die IG Metall-Verhandlungskommissions-Mitglieder machten deutlich, dass sie einer Nullrunde ein klare Absage erteilen. „Die Beschäftigten in den Betrieben erwarten gerade in Krisenzeiten von den Tarifparteien, dass sie Lösungen finden, die ihnen Sicherheit und Perspektive geben“, so Clarissa Bader.

Die zweite Tarif-Verhandlung findet am 18. Januar 2021 in Düsseldorf statt. Die Friedenspflicht für die Metallindustrie endet am 01. März. Um ihren Forderungen trotz Corona-Pandemie mit Warnstreiks und Kundgebungen den nötigen Druck verleihen zu können, erarbeitet die IG Metall bereits „kreative Formen“ des Arbeitskampfes aus – unter Einhaltung der strengen Hygienevorschriften. Metall-Arbeitgeberchef Arndt Kirchhoff warnte dagegen vor „überflüssigen Muskelspielen oder gar Arbeitsniederlegungen“.

metallnachrichten Dezember 2020

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