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„Hartnäckigkeit führt zum Erfolg“

Hesterberg: „Rolle rückwärts“ – Stilllegungspläne vom Tisch genommen

Ennepetal. „Durch unsere Hartnäckigkeit, ist es uns gelungen, dass der Vorstand der BPW-Gruppe die Stilllegungspläne vom Tisch genommen hat“, stellt Betriebsratsvorsitzender Damianos Koukoudeas zufrieden fest: „Es ist ein Erfolg, dass die Arbeitgeberseite das Alternativ-Konzept des Betriebsrates ‚Kompetenzzentrum Hestal‘ umsetzen will“. Eine wesentliche Voraussetzung dafür war die gute Zusammenarbeit zwischen Betriebsrat und der arbeitnehmernahen Beratung PCG sowie mit der IG Metall Ennepe-Ruhr-Wupper. Koukoudeas: „Die traditionsreiche Firma Hesterberg & Söhne und die Beschäftigten im Heilenbecker-Tal haben wieder eine Zukunftsperspektive bekommen“

Als der Betriebsrat im Frühsommer mit den Kahlschlagplänenfür das Werk in Ennepetal konfrontiert wurde, schaltete das Gremium mit Unterstützung der IG Metall sofort die arbeitnehmernahe Beratung Project Consult (PCG) in Essen ein. Die von der Geschäftsführung favorisierten Stilllegungspläne waren „von Anfang an mit hohen Risiken behaftet“, erläutert Julian Giersch von der PCG. „Für den Betriebsrat war dies ein weiterer Beleg dafür, dass diese Pläne sowohl für die Betroffenen als auch betriebswirtschaftlich unverantwortlich waren“, sagt der Betriebsratsvorsitzende. „Das konnten und wollten wir nicht akzeptieren“.

Vorschlag Betriebsrat: „Kompetenzzentrum HESTAL“

Die Interessenvertreter erarbeiteten mit Unterstützung von Julian Giersch einen Vorschlag zur Umstrukturierung des Werkes zu einem „Kompetenzzentrum der Marke HESTAL“. Der Kerngedanke:  Bereinigung einiger Produktbereiche, Verlagerung der Produktion von Serien-Produkten zu BPW Otomotiv, jedoch die Fertigung von individuellen Kundenlösungen sowie die für Kunden und die BPW-Gruppe wesentlichen Funktionen für die Marke HESTAL, am Standort Ennepetal zu halten. „Der Vorschlag der Arbeitnehmerseite war finanziell solide begründet“, unterstreicht Gewerkschaftssekretär Sven Berg die Professionalität der Ausarbeitung.

Nach dem Grundsatz „man kann uns unseren Job nehmen, aber nicht unsere Kompetenz und das damit verbundene Wissen über Produktentwicklung, Produktion und Kundenbeziehungen“, ließ sich der Betriebsrat nicht mit der zunächst erteilten Absage zu seinem alternativen Konzept abspeisen. In einer Betriebsratsklausur wurde die weitere Vorgehensweise festgezurrt: Die bekannt gewordenen günstigen Nutzungsbedingungen für das Gelände durch FHS nach dem Verkauf an die Stadt Ennepetal, veranlassten die Betriebsratsmitglieder, Julian Giersch von der PCG erneut zu beauftragen, das Arbeitnehmer-Konzept nach zu schärfen.

Die Ende Oktober vorgelegten Ergänzungen zum Arbeitnehmerkonzept belegten erneut, dass es sich beim Vorschlag der Arbeitnehmerseite um „ein erheblich risikoärmeres Szenario handelt und somit die wirtschaftliche Situation grundsätzlich kalkulierbar und abschätzbar ist“. Der ergänzte Vorschlag der Arbeitnehmerseite zeigte entsprechend durchgehend positive Jahresergebnisse in nicht unbeträchtlicher Höhe auf. „Bedenkt man darüber hinaus, dass die Risiken des Arbeitgebervorhabens abgemildert werden, so sind die geplanten Jahresergebnisse nochmals erheblich wertiger zu interpretieren“, konstatiert Julian Giersch.

Arbeitgeberseite:  „Rolle rückwärts“ vollzogen

Sowohl das konkretisierte Konzept als auch die Übernahme der Verhandlungen durch die beiden persönlich haftenden Gesellschafter der BPW-Unternehmensgruppe Achim Kotz und Markus Schell schufen letztlich die Basis dafür, dass am Stammsitz in Wiehl erneut Gespräche über das „Kompetenzzentrum-Konzept“ mit dem Betriebsrates aufgenommen wurden. Mit dem „unglaublichen“ Ergebnis, dass der BPW-Vorstand und die Hesterberg-Geschäftsführung, bildlich gesprochen „eine Rolle rückwärts“ vollzogen haben. Ihre Pläne zur Stilllegung sind damit vom Tisch. Die Verantwortlichen erklärten ihre Bereitschaft, in ernsthafte Gespräche mit dem Betriebsrat über die weitere Detaillierung des Konzeptes „Kompetenzzentrum“ einschließlich Zeitplanung, Finanzierung und Umsetzung im Ennepetaler Betrieb einzutreten. Ja, die Betriebsratsmitglieder sind zu Recht stolz auf ihren Erfolg, wohlwissend, dass noch eine Menge Arbeit vor ihnen liegt. „Da sind zum einen unsere wöchentlichen Gespräche mit den Verantwortlichen vor Ort über die Umsetzungsschritte“, hebt Damianos Koukoudeas hervor. Zum anderen stehe Anfang des neuen Jahres die schwierige Bewältigung der sozialen Probleme im Mittelpunkt. Natürlich wisse der Betriebsrat, dass nicht alle bisher rund 80 Beschäftigten einen Arbeitsplatz im neuen Kompetenzzentrum erhalten werden. „Für die vom Verlust des Arbeitsplatzes Betroffenen wollen wir in Verhandlungen über einen Sozialplan gemeinsam mit der IG Metall Abfindungsregelungen und die Installierung einer Transfergesellschaft durchsetzen“, so der Betriebsratsvorsitzende, dem bei unserem Gespräch eine große Erleichterung anzumerken war.

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