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„Hartnäckigkeit zahlte sich aus“

Ennepetal. „Wir konnten dem ‚12-Punkte-Horror-Katalog‘ der Geschäftsführung die Giftzähne ziehen“, so Gewerkschaftssekretär Sven Berg im IG Metall-Haus in Gevelsberg. In der gutbesuchten Mitgliederversammlung berichtete er über das Ergebnis der Verhandlung mit der Geschäftsführung. Einstimmig stimmten die IG Metall-Mitglieder bei der GHV-Gesenkschmiede in Ennepetal dem „abweichenden“ Tarifvertrag zu.

Sechs Monate ist es her, dass die GHV’ler und ihr Betriebsrat mit der Forderung nach einem „Belegschaftsbeitrag zur Stabilisierung des Standortes“ – im Tal unterhalb der Hasper Talsperre – konfrontiert wurden. Fehlende Aufträge und die damit verbundene negative wirtschaftliche Entwicklung sollten mit dem „Griff in den Geldbeutel“ der Beschäftigten gelöst werden, so die Vorstellungen der Eigentümerin, der indischen Amtec-Group mit Sitz in Mumbai.

„Wir haben ja schon einige Turbulenzen erlebt“, sagte der Betriebsratsvorsitzende Klaus Gertzen und fügt hinzu „das 12-Punkte-Papier war schon eine neue Qualität“. Die wöchentliche Arbeitszeit sollte auf 40 Stunden ohne Lohnausgleich erhöht, das Urlaubs- und Weihnachtsgeld ersatzlos gestrichen und als Krönung der Werkzeugbau geschlossen werden.

Gemeinsam mit der IG Metall schaltete der Betriebsrat, Berater des arbeitsnehmernahen Info-Institut in Köln ein, die nach Überprüfung der wirtschaftlichen Zahlen die Einschätzung des Geschäftsführers Günter Keppler, dass man im Jahr 2016 das „Tal der Tränen“ durchqueren werde, bestätigten. In den nachfolgenden Gesprächen legten die gewerkschaftlichen Interessenvertreter eigene Vorschläge auf den Tisch.

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Standort bis 2017 gesichert

Der Verhandlungskommisson des Betriebsrates und der IG Metall gelang es, den „Standort Ennepetal bis Ende 2017 im bisherigen Umfang zu sichern“. Es wurde ein „Investitionsplan mit einem Volumen eines sechsstelligen Betrages“ schriftlich vereinbart. An der Finanzierung müssen sich die Beschäftigten durch „Deckelung der Auszahlung ihres Urlaubs- und Weihnachtsgeld auf 400 Euro“ in 2016 und 2017 beteiligen. Beim einem jährlichen EBIT größer als Null gibt es eine 20%-tige Erfolgsbeteiligung für alle Beschäftigten. „Damit konnten wir die komplette Streichung der Jahressonderzahlung verhindern“, so der Betriebs-ratsvorsitzende.  Es gibt keine unbezahlte Arbeitszeitverlängerung: Die Arbeitszeit bleibt bei 35 Wochen-Stunden. Darüber hinaus wurde eine „Qualifizierungsplanung für ungelernte Beschäftigte“ vereinbart, mit dem Ziel, sie auf höherwertige Tätigkeiten umsetzen zu können, zur Bewältigung des technischen Wandels im Schmiedebereich. „Wichtig war uns aber auch“ so Sven Berg, dass „durch Leiharbeit keine Stammarbeitsplätze abgebaut“ werden und wenn überhaupt nur Leiharbeitskräfte aus Entleihbetrieben eingestellt werden, die den „tarifgebundenen Verbänden IGZ oder BAP angehören“.

„Dieses Ergebnis war nur möglich, weil die Geschäftsführung einsehen musste, dass die Kollegen geschlossen hinter uns standen“, ist Klaus Gertzen überzeugt. Mit Sven Berg von der IG Metall Geschäftsstelle Gevelsberg-Hattingen teilt er die Einschätzung, dass sich die „Hartnäckigkeit ausgezahlt hat“.

Foto 1: GHV-Schmiedewerker während der Tarifrunde 2015 vor dem Betrieb
Foto 2: Betriebsratsvorsitzender Klaus Gertzen im Gespräch mit Michael Skasa, Betriebsratsvorsitzender von Burg F.W. Lüling (v.l.n.r.) – Beide Fotos: IGM GH-Archiv

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