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„Heißer Stahl – heiße Herzen“

Mehr als 15 000 Stahlarbeiter aus zehn europäischen Ländern demonstrierten in Brüssel für den Erhalt ihrer Standorte sowie Arbeitsplätze und gegen den Import von Billigstahl und faire Wettbewerbsbedingungen. Sie waren dem Aufruf des Industriegewerkschaftsbundes IndustriAll Europe gefolgt. Wenn die Politik die Weichen nicht richtig stelle, dann sei sie dafür verantwortlich, dass die Hochöfen in Europa abgeschaltet würden, sagte IG-Metall-Vorsitzender Jörg Hofmann auf der Kundgebung.

Der Himmel ist Grau in Grau. Es nieselt, windet und ist kalt, als die StahlarbeiterInnen in die belgische Hauptstadt kommen. Rund um den Jubelpark – den Kundgebungsplatz – parken die Busse, allein aus Deutschland rollen 225 Fahrzeuge mit 12000 Kolleginnen und Kollegen an. Die Demonstranten füllen die Straßen, Plakate verkünden. »Hart und ehrlich. Stahl ist Leben«. »Wir brauchen fairen Wettbewerb«, oder auch: »Heißer Stahl – Heiße Herzen – Heiße Kämpfe«.

„No Europe without Steel“ – kein Europa ohne Stahl ist auf der Bühne weithin sichtbar zu lesen. Die StahalrbeiterInnen kommen aus Deutschland, Österreich, Belgien, Großbritannien, Finnland, Bulgarien, Tchechien, Frankreich, Italien und Ungarn. Unter ihnen KollegInnen der Deutschen Edelstahlwerke aus dem Ennepe-Ruhr-Kreis  „Wir wollen ein eindeutiges Zeichen setzen“ ruft Heiko Reese, der Leiter des IG Metall-Stahlbüros in Düsseldorf. „Stahl ist …“ sagt er, „Zukunft!“ rufen die deutschen TeilnehmerInnen.

Luc Triangle, Generalsekretär von IndustriAll Europe, begrüßt sie auf Deutsch, Englisch und Französisch und sagt, es sei inakzeptabel, dass Stahl aus China und Russland weit unter den Herstellungskosten angeboten werde: „Europa muss uns vor unfairem Wettbewerb schützen“, fordert er. Seine Ansprache endet mit den Worten: »Weckt die EU-Kommission auf! Seid laut, macht Lärm! «

Nur Stahl ist härter als wir!

„Europa muss sich klar und eindeutig zur Stahlindustrie bekennen und dafür sorgen, dass die Rahmenbedingungen stimmen. Geht die europäische Stahlindustrie den Bach runter, dann sind hunderttausende Arbeitsplätze nicht nur in der Stahlindustrie in Europa in Gefahr“, sagte Jörg Hofmann, Erster Vorsitzender der IG Metall, vor den Demonstranten. Die Gewerkschaften seien für umweltfreundlich produzierten, sauberen Stahl. Sollte die Stahlproduktion aus Europa verdrängt werden und anderswo stattfinden, sei dort der Ausstoß von Treibhausgasen „um ein Vielfaches höher“.

Tino Schönemann und Carlotta Gerlach von den Hennigsdorfer Elektrostahlwerken rappen: „Nur Stahl ist härter als wir.“ „Wir brennen, wir kämpfen, wir halten zusammen – Hitze, Feuer, Schlacke und Flammen – Wir schmieden die Zukunft heute und hier – Nur Stahl ist härter als wir“ ertönt es  in vier Sprachen von der Bühne.

Gegen Mittag ziehen die Demonstranten weiter zur Europäischen Kommission oder dem „Team Juncker“, wie es auf einem haushohen Transparent heißt. Ein IGM-Vertrauensmann von Salzgitter schlägt die Trommel und ruft: „Noch drei Kilometer, Jungs!“ Portugiesische Stahlarbeiter tragen ein Transparent, das so lang ist wie die Straße breit: „An Europe without steel will melt like stale butter“  – „Ein Europa ohne Stahl schmilzt wie abgestandene Butter“. Und das wollen die GewerkschafterInnen gemeinsam verhindern.

Die StahlarbeiterInnen kämpfen für ihre Standorte und ihre Arbeitsplätze. Sie forderten in Brüssel: Es ist höchste Zeit, dass die EU zu handelt und ihre Versprechen einlöst um die Zukunft des Stahlsektors zu sichern, damit es nie zu einem Europa ohne Stahl kommen wird.

(Unter Verwendung eines Textes von Norbert Hüsson auf der IGM –Website).

Foto: EPA Stephanie Lecocq

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