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IG Metall-Rentenkonzept – Für mehr Gerechtigkeit!

Gevelsberg. Kaum mahnt die IG Metall einen „Strategiewechsel in der Rentenpolitik“ an und fordert den „Stopp des Sinkflugs des Rentenniveaus“, reagieren die Arbeitgeber reflexartig: Das arbeitgebernahe Institut der deutschen Wirtschaft (IW) plädiert für eine Heraufsetzung des Eintrittsalters in die Rente auf 73 Jahren. „Dabei führt die Anhebung der Regelaltersgrenze bekanntlich nicht zu einem längeren Verbleib in den Betrieben, sondern zu drastischen Rentenkürzungen“, weist die IGM-Bevollmächtigte Clarissa Bader diesen „rentenpolitischen Irrweg“ entschieden zurück.

Wer lange gearbeitet und Rentenbeiträge gezahlt hat, muss darauf vertrauen können, dass die Rente zum Leben reicht, betont die Erste Bevollmächtigte der IG Metall Gevelsberg-Hattingen. Dass dieses Vertrauen schwinde, zeige eine repräsentative Umfrage von TNS-Infratest. Dies hat viele Ursachen: schlecht bezahlte Arbeit, Phasen von Arbeitslosigkeit, Arbeitsunterbrechungen und Teilzeit bei Frauen. Zusätzlich sorgt die Absenkung des Rentenniveaus auf derzeit 47,5 Prozent dafür, dass Beschäftigte, trotz lückenloser Erwerbsbiographie, kaum mehr auskömmliche Altersbezüge erreichen können. Bis 2030 soll das Verhältnis von Standardrente zum Durchschnittseinkommen sogar nur noch bei 43 Prozent liegen.

IG Metall stellt Rentenkonzept vor

Mit Blick auf Bundestagswahl 2017 stellte die IG Metall ihre „Reformvorschläge zur Stärkung der gesetzlichen Altersvorsorge“ vor. „Unser Ziel bleibt ein auskömmliches Einkommen im Alter. Mit unseren Vorschlägen zeigen wir auf, wie dies gelingen kann“, sagte der IG Metall-Vorsitzende Jörg Hofmann in Berlin. Die IG Metall wolle das Rentenniveau wieder anheben. Das soll in drei Schritten geschehen. „Um das Ziel einer auskömmlichen Absicherung im Alter zur erreichen, muss im ersten Schritt der Sinkflug des Rentenniveaus gestoppt werden“, erklärte Hans-Jürgen Urban, geschäftsführendes Vorstandsmitglied der IG Metall.

Im nächsten Schritt solle die Rentenentwicklung wieder an die Lohn- und Gehaltsentwicklung angekoppelt werden. Im dritten Schritt soll das Leistungsniveau insgesamt steigen. Durch diese Maßnahmen könne die Alterssicherung eines Durchschnittsverdieners nach jetzigem Stand auf etwa 1.450 Euro angehoben werden. Dies entspricht dem Wert, der heute von der Bundesregierung als Versorgungsziel durch gesetzliche und Riester-Rente gemeinsam ausgewiesen ist und würde ein Rentenniveau von 50,5 Prozent abbilden.

Für Beschäftigte mit Brüchen in der Erwerbsbiografie seien außerdem solidarische Maßnahmen, die Altersarmut verhindern, sowie die Aufwertung niedriger Einkommen, Beiträge bei Langzeitarbeitslosigkeit und Freibeträge in der Grundsicherung notwendig.

Wie soll die Anhebung des Rentenniveaus finanziert werden?

Wenn immer mehr Menschen ins Rentenalter kommen, glücklicherweise länger leben und ein menschenwürdiges Leben führen wollen, entstehen der Gesellschaft natürlich Kosten. Diese lassen sich nicht „wegreformieren“. Deshalb schlägt die IG Metall in ihrem Konzept folgende Maßnahmen zur Finanzierung vor:

  • Die Rentenversicherung soll in Zeiten, in denen die Beitragseinnahmen höher sind als die Ausgaben, nicht die Beiträge senken, sondern eine „Demografiereserve“ bilden.
  • Gesamtgesellschaftlich begründete Leistungen der Rentenversicherung, wie die Mütterrente sollen durch höhere Steuerzuschüsse finanziert werden.
  • Die Rentenversicherung soll zu einer Erwerbstätigenversicherung ausgebaut werden, in die auch Solo- und andere Selbstständige, Freiberufler und Beamte einzahlen. Das würde Selbstständige vor Altersarmut schützen, die oft nicht ausreichend fürs Alter vorsorgen. Und es würde die Rentenkassen in den Jahren entlasten, in denen die geburtenstarken Jahrgänge im Rentenalter sind.

Wenn das nicht ausreicht, könnte auch der Rentenbeitrag moderat steigen, den Arbeitgeber und Arbeitnehmer je zur Hälfte finanzieren. Die IG Metall schätzt, dass der Beitrag dann jeweils auf 11 bis maximal 12,5 Prozent angehoben werden müsste. Urban: „Der finanzielle Mehraufwand für die gesetzliche Rente läge für einen Durchschnittsverdiener in heutigen Werten bei maximal 45 Euro, und dies nur dann, wenn keine zusätzlichen Einnahmen realisiert würden.“ Gleichzeitig würde die Standardrente um etwa 280 Euro steigen. Die Anhebung des Beitragssatzes würde dazu führen, dass die Mehrkosten paritätisch aufgeteilt werden, während sie bei privaten Versicherungen ausschließlich von den Beschäftigten getragen werden müssen.

Auf Kosten der Jüngeren?

Statt offen zu formulieren, dass sie die Befürchtung haben zur Hälfte an den Kosten der Alterssicherung beteiligt zu werden, erhebt die Bundesvereinigung der Arbeitgeberverbände (BDA) den Vorwurf, das Rentenkonzept der IG Metall gehe zu Lasten der jüngeren Generation. Tatsächlich sind es jedoch  gerade die Jungen, die unter den Folgen der Rentenreformen in der Vergangenheit zu leiden haben und Armutsrenten fürchten müssen.

Das Gegenteil ist also der Fall: Gerade die Jüngeren würden vom Rentenkonzept der IG Metall profitieren. Sie ständen erheblich besser da, als wenn sie die Lücke, die ihnen durch die Rentenkürzungen entsteht, komplett durch eigene private Vorsorge ausgleichen müssten. Dann nämlich müssten sie etwa sechs bis neun Prozent von ihrem Einkommens zusätzlich zahlen. Im Übrigen: Die Infratest-Umfrage hat gezeigt, dass 72 Prozent der jungen Beschäftigten unter 35 Jahren es in Ordnung fänden, höhere Beiträge zu zahlen, wenn sie dafür später einmal eine bessere Rente bekommen. Und das will die IG Metall.

Foto: Senioren der IG Metall diskutieren im Gevelsberger Gewerkschaftshaus –IGM GH-Archiv Materialien: Broschüre „Neuaufbau einer solidarischen Alterssicherung“ – Vorschläge IG Metall, IG Metall Frankfurt, Juli 2016

 

 

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