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Kräftige Erhöhung

Rentenanpassung: Renten steigen zum 1. Juli 2022 deutlich

Die rund 21 Millionen Rentner*innen in Deutschland und damit auch viele Senor*innen der IG Metall können sich auf eine kräftige Erhöhung ihrer Bezüge zum 1. Juli einstellen. Die Renten sollen in Westdeutschland um 5,35 Prozent und in Ostdeutschland um 6,12 Prozent steigen. Die turnusgemäße Rentenanpassung fällt damit deutlich höher aus als zunächst angenommen. Die nun angekündigte Erhöhung ergibt sich aus Daten des Statistischen Bundesamtes und der Deutschen Rentenversicherung, wie das Bundesarbeitsministerium mitteilte. Damit ergibt sich eine Anhebung des bei der Berechnung zentralen Rentenwerts im Westen von gegenwärtig 34,19 Euro auf 36,02 Euro und des Rentenwerts (Ost) von gegenwärtig 33,47 Euro auf 35,52 Euro.

Nachholfaktor wird wiedereingesetzt

Im Rahmen der Anpassung wird eine wichtige Vereinbarung des Koalitionsvertrages umgesetzt: Das Wiedereinsetzen des Nachholfaktors sorgt dafür, dass die nicht vorgenommene Rentenminderung des vergangenen Jahres mit der Rentenerhöhung verrechnet wird und damit die Rentenanpassung der tatsächlichen Lohnentwicklung folgt.

In diesem Zusammenhang wird auch ein statistischer Revisionseffekt bereinigt, durch den im vergangenen Jahr die rentenanpassungsrelevante Lohnentwicklung um etwa zwei Prozentpunkte zu gering ausgefallen war, was sich aufgrund der Rentengarantie aber nicht auf die Höhe der Renten ausgewirkt hatte. Damit passt auch das Sicherungsniveau vor Steuern (sogenanntes Rentenniveau) wieder zur Haltelinie von 48 Prozent. Im Ergebnis ergibt sich so ein Ausgleichsbedarf in Höhe von -1,17 Prozent, der mit der diesjährigen Rentenanpassung abgebaut wird.

Kritik der Arbeitgeber

Kritik kam prompt von den Arbeitgebern: Die Rentengarantie habe die Rentner vergangenes Jahr vor Kürzungen bewahrt, „umso unverständlicher ist es, wenn die Renten dennoch in diesem Jahr sehr viel stärker steigen sollen als die Löhne“, kritisierte Steffen Kampeter, Hauptgeschäftsführer des Arbeitgeberverbands BDA. Rentensteigerungen über der tatsächlichen Lohnentwicklung müssten jetzt unterbleiben; die Sozialversicherungsausgaben dürften nicht steigen. Die geheuchelte Sorge der Arbeitgeber lautet: Die Älteren profitieren zulasten der jungen Generation. 

Gerechtigkeit verläuft zwischen Klassen

Lassen wir uns nicht in die Irre führen: Gerechtigkeit verläuft nicht zwischen den Generationen, sondern zwischen den Klassen. Wer Gerechtigkeit anstrebt, muss sich um die Unterschiede zwischen Arm und Reich kümmern. Nicht um Generationen. Bei diesem Streit geht es auch nicht darum, ob sich in der Krise die Renten besser entwickeln als die Löhne. Am Ende geht es darum, welches Rentenniveau man anpeilt. Während die Arbeitgeber und FDP auf eine weitere Absenkung des Niveaus und den Ausbau privater Vorsorge bestehen, plädieren die SPD und Die Linke für eine Stärkung der gesetzlichen Rente. Zu letzteren gehört auch die IG Metall. Sie setzt sich dafür ein, dass das Rentenniveau wieder angehoben wird und Renten und Löhne sich auf dieser Basis im Gleichklang bewegen.

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