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„Lassen uns nicht mit Almosen abspeisen!“

Gevelsberg. Die aktuelle Lage in der Metallindustrie zeichnet sich durch eine stabile konjunkturelle Lage, volle Auftragsbücher und eine gute Ertragssituation aus. Viele Betriebe arbeiten mit optimaler Auslastung. „Dennoch wollen die Metallarbeitgeber die Beschäftigten mit Almosen abspeisen“, rief Clarissa Bader, IG Metall-Bevollmächtigte, den 200 Werkern aus vier Betrieben zu, die sich vor Dieckerhoff Guss versammelt hatten. Die MetallerInnen seien zu Recht empört.

Bader: „Das ‚alternative‘ Angebot der Metallarbeitgeber, ist eine Schande für die Branche“. Hätten sie vorher 0,9 Prozent plus 0,3 Prozent Einmalzahlung für 12 Monate angeboten, verdoppelten sie danach einfach die Laufzeit auf zwei Jahre – eine „Augenwischerei“ und alles andere als ein ernsthafter Beitrag zu konstruktiven Verhandlungen. Dabei sei doch gerade „mehr Geld in den Taschen der Arbeitnehmer“ notwendig, um die Kaufkraft zu stärken und damit die Konjunktur zu stabilisieren.

„Da die Arbeitgeber anscheinend schwerhörig seien, bekämen sie nun Taten zu spüren“.

Auch in Gevelsberg, wo die Gewerkschafterin, Kolleginnen und Kollegen von Dieckerhoff Guss, Titan Intertractor, Nelson und Burg F. W. Lüling bei strahlendem Sonnenschein begrüßen konnte. Schon in den vergangenen Tagen hätten zehntausende in NRW und annähernd 200.000 bundesweit aus Prostest die Arbeit niedergelegt. „Wir erwarten von den Arbeitgebern jetzt ein Signal, dass es sich lohnt, wieder an den Verhandlungstisch zurückzukehren“, sagte Clarissa Bader, sonst „müssen wir noch eine Schüppe drauflegen“. Der Beifall der Zuhörenden unterstrich den Ernst der Lage.

 

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Foto: Herbert Uppendahl prangert das Arbeitgeberverhalten damals und heute an

Darauf, wie sich das Arbeitgeberverhalten – in der Gegenwart und in der Vergangenheit – gleicht, wies Herbert Uppendahl, stellv. Betriebsratsvorsitzender von Dieckerhoff Guss, hin.

1910, vor über hundert Jahren, verzeichneten die Betriebe der Metallindustrie ebenfalls gefüllte Auftragsbücher und steigende Gewinne. Damals Anlass für 24 Former der Gießerei Dieckerhoff die Arbeit niederzulegen und bis zu sechs Prozent mehr Lohn zu fordern. Daraus entwickelte sich ein langer Arbeitskampf in der Region.

Uppendahl: „Auch heute haben wir den berechtigten Anspruch, dass unsere Arbeitsleistung vernünftig bezahlt wird.“ Deshalb heiße es: Wir für mehr! Fünf Prozent mehr Entgelt und Ausbildungsvergütungen. „Denn wir leisten gute Arbeit und wollen deshalb auch gut bezahlt werden“, stellte Herbert Uppendahl unter Begleitung heftiger Trommelschläge fest.

Die IG Metall sei gut beraten gewesen, flächentarifvertraglich nicht gebundene Betriebe in die aktuelle Tarif-auseinandersetzung mit einzubeziehen, betonte Gewerkschaftssekretärin Jennifer Schmidt. Das sei die richtige Antwort auf die „Tarifflucht“ von Arbeitgebern, die mit Lohndumping Schmutzkonkurrenz betreiben und Extra-Profite machen wollen. Es sei deshalb ein großer Erfolg der Lüling-Belegschaft gewesen, dass sie sich mit Unterstützung ihrer Gewerkschaft wieder die Tarifbindung erkämpft hätten. Das zeige: Gemeinsam und organisiert geht’s besser!

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Foto: „Da geht noch was!“ – so die Stimmung der Kollegen beim Warnstreik

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