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Mit „Zukunftstarifverträgen“ Perspektiven eröffnen

Virtuelle Funktionär*innen-Konferenz der IG Metall zur Metall-Tarifrunde 2021

Gevelsberg. Die schwierige Ausgangslage in der laufenden Tarifrunde der Metall- und Elektroindustrie stand vergangene Woche im Mittelpunkt einer Funktionärskonferenz der IG Metall Ennepe-Ruhr-Wupper. Sie musste wegen der Corona-Maßnahmen virtuell stattfinden. „In die Tarifverhandlungen kommt Bewegung. Die Arbeitgeber haben sich bereit erklärt, mit der IG Metall über einen Rahmen für betriebliche Zukunftstarifverträge zu reden“, berichtete Clarissa Bader den zugeschalteten Funktionär*innen.

„In konstruktiver Atmosphäre hätten die Tarifparteien ihre Positionen ausgetauscht“. so die 1. Bevollmächtigte und Mitglied der Verhandlungskommission. Die IG Metall habe den
Metallarbeitgebern vorgeschlagen, eine neue Art von Tarifverträgen zu vereinbaren – „Zukunftstarifverträge“, mit denen auf betrieblicher Ebene die großen Probleme angepackt werden sollen. „Es geht um den Umbau der Industrie, um E-Mobilität, digitalen Wandel, den klimafreundlichen Umbau der Produktion“, sagte Clarissa Bader. Welche neuen Produkte muss ein Unternehmen entwickeln? Welche Qualifikationen brauchen die Beschäftigten? Wie kann Beschäftigung auch langfristig gesichert werden? „In einem Zukunftstarifvertrag können wir das alles verbindlich und klar regeln.“ So könnten die Beschäftigten Sicherheit und die Betriebe eine Perspektive bekommen.

Es geht um Innovationen, Qualifikation und Beschäftigung

In den Zukunftstarifverträgen soll geregelt werden, wie Betriebsräte und IG Metall beteiligt werden. Am Anfang müsse eine Analyse stehen: Wo im Unternehmen muss gehandelt werden? Die Unternehmen sollen sich mit IG Metall und Betriebsrat auf ein gemeinsames Vorgehen einigen. Kommt es zu keiner Einigung, könnte eine Moderation helfen, wurde in der Verhandlung ausgeführt. Clarissa Bader: „Die Betriebsparteien sollen sich außerdem Beratung von außen holen können beispielsweise bei einer Transformationsagentur“. Die IG Metall NRW habe mit einer solchen Vorgehensweise gute Erfahrungen gemacht, stellte der IG Metall-Verhandlungsführer Knut Giesler dar. So sei es in dem Projekt „Arbeit 2020“ gelungen, eine große Zahl von Unternehmen aus Nordrhein-Westfalen qualifiziert zu beraten und sie fit zu machen für Zukunftsthemen.

Ein wichtiger Diskussionspunkt in der Tarifverhandlung war auch das Thema, wie jungen Menschen Sicherheit gegeben werden kann. Bader: „Deshalb fordert die IG Metall im Tarifvertrag die unbefristete Übernahme aller Ausgebildeten“. Für dual Studierende strebe die IG Metall vergleichbare Regelungen wie für Azubis an.

Tarifrunde ist noch längst nicht gelaufen

Die Tarifrunde sei längst noch nicht gelaufen, erklärte Clarissa Bader gegenüber den Funktionär*innen. Über die weiteren Forderungen der IG Metall sei in der zweiten Verhandlungsrunde noch nicht gesprochen worden. Wie bekannt, fordere die IG Metall vier Prozent mehr Entgelt. In kriselnden Betrieben soll eine Arbeitszeitverkürzung zum Beispiel auf eine Vier-Tage-Woche ermöglicht werden. Das Entgelt-Plus soll in solchen Fällen dafür verwendet werden können, um einen Teilentgeltausgleich zu finanzieren.

Eine Umfrage unter den Teilnehmer*innen zu Beginn der digitalen Funktionärskonferenz zeigte, dass die wirtschaftliche Lage in den Betrieben in der Region kräftig durchwachsen ist: So wird einerseits nach wie vor Kurzarbeit verfahren und die Beschäftigten müssen finanzielle Einbußen verkraften, während andererseits die Produktion schon wieder brummt oder nie eingebrochen war. Nicht gerade die besten Ausgangsbedingungen für die weiteren Verlauf der Tarifrunde. Dennoch sei es notwendig, betrieblichen Druck aufzubauen. Über mögliche Maßnahmen und Aktionsformen unter Corona-Bedingungen soll in einer weiteren Video-Schalte in der 1. Februar-Woche beraten werden, kündigte die IG Metall-Bevollmächtigte an. Die tariflich vereinbarte Friedenspflicht gelte bis Ende Februar, ab 01. März sind Aktionen möglich.

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