AktuellesArtikelBetriebliches

„Planinsolvenz“ soll Neuausrichtung ermöglichen

Hattingen. Der im Hüttenpark ansässige Automobilzulieferer AZ Ausrüstung und Zubehör beantragte beim Amtsgericht Essen das Insolvenzverfahren. Die rund 140 Beschäftigten bangen um ihre Arbeitsplätze, denn Michael Salzig, Geschäftsführer von ABC, kündigte in einem Gespräch mit der WAZ Hattingen „personelle Einschnitte“ für Anfang 2017 an.

AZ gehört zur Unternehmensgruppe Altenloh, Brinck & Co. (ABC) mit Sitz in Ennepetal. 1996 zog AZ aus Heiligenhaus nach Hattingen um. Im Hüttenpark werden unter anderem Sicherheitsteile für Lkw-Scheibenbremsen sowie Zubehörteile für Daimler, Opel und VW produziert. Vor vier Jahren wählten sich die Beschäftigten mit Unterstützung der IG Metall erstmals einen Betriebsrat.

Zum vorläufigen Insolvenzverwalter ernannte das Essener Amtsgericht Rechtsanwalt Dr. Frank Kebekus, Teilhaber der Kanzlei „Kebekus et Zimmermann“ in Düsseldorf, ein Fachmann für Insolvenzen und Restrukturierungen. Das Insolvenzverfahren soll am 1. Februar 2017 eröffnet werden.

Im Rahmen der vorläufigen Planinsolvenz arbeitet die Geschäftsführung des Unternehmens im in vorläufiger Eigenverantwortung weiter. „Ziel ist es, ein zukunftsfähiges Geschäftsmodell zu entwickeln und den Betrieb und möglichst viele Arbeitsplätze zu retten“, so Sven Berg, Gewerkschaftssekretär der IG Metall Gevelsberg-Hattingen. Dafür sieht Dr. Kekebus gute Chancen, „Betrieb und Produktion laufen wie gewohnt weiter.“ Jetzt komme es darauf an, „wie sich die Gläubiger verhalten“.

Zahlen wurden manipuliert

Die Aufdeckung, dass „seit einigen Jahren der Ergebnisausweis der AZ manipuliert wurde, um die wirkliche Geschäftsentwicklung nach innen und außen zu verschleiern“, führte zu einer Untersuchung der Vorgänge, heißt es in einer Mitteilung des Mutter-Unternehmens. Offenkundig wurde die „wirtschaftliche Schieflage“ nach dem Freitod des ehemaligen Geschäftsführers im Frühsommer dieses Jahres.

Bei der Prüfung kam heraus: Anlagen und Vorräte seien zu hoch bewertet worden. „Der größte Teil der Schieflage ist kein Liquiditätsproblem, sondern ein Abschreibungsproblem. Da ist allerdings ein Minus in Höhe eines zweistelligen Millionenbetrages entstanden“, erklärte Salzig gegenüber der WAZ. Hinzu komme das Wegbrechen von Umsatz durch den Verlust eines großen Kunden. Deshalb solle nun mit dem „Mittel der Planinsolvenz“ versucht werden, den Automobilzulieferer neu auszurichten. Dazu soll ein neuer Geschäftsführer, der aus der Automobilindustrie komme, entscheidende Impulse setzen.

Kritische Begleitung durch die Interessenvertretung

„IG Metall und Betriebsrat werden gemeinsam das Planinsolvenzverfahren und die damit verbundene Neuausrichtung des Unternehmens kritisch begleiten“, so Gewerkschafter Sven Berg. Um den Standort und möglichst viele Arbeitsplätze zu sichern, komme es jetzt auf eine „enge und faire Zusammenarbeit zwischen vorläufigen Insolvenzverwalter, Geschäftsführer und der Interessenvertretung an.“

Foto: Die Firma AZ im Hüttenpark Hattingen – Foto: IGM GH

 

Weitere Artikel

Back to top button
Close