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„Plattmacher“ senkt den Daumen

Sprockhövel. Der Daumen nach unten bedeutete im antiken Rom den Tod des Gladiators in der Arena. Jetzt haben die sogenannten Entscheider „mit dem weltweiten Blick“ im kalifornischen Pasadena den Daumen nach unten gesenkt – mit der Folge: Der Avery Dennison Standort in Sprockhövel wird endgültig stillgelegt. „Fast alle der 115 Beschäftigten verlieren ihren Arbeitsplatz und stehen vor einer ungewissen Zukunft“, sagt der stellv. Betriebsratsvorsitzende Dirk Kolwe und fügt verbittert hinzu: „Unsere Alternativen zum Standorterhalt wurden abgelehnt.“

Jetzt dürfen die „Vollstrecker“ der US-amerikanischen Konzernspitze ran: Geschäftsführer Jeremy Bauer und Personalchef Helmut Bendig, unterstützt von Rechtsanwalt Frank Achilles. Auf der Website der Münchner Kanzlei ist dessen Aufgabe treffend beschrieben, „mit effektiven, kreativen und wirtschaftlichen Lösungen setzen wir Ihre Zielvorgaben“ zur Abwicklung der Kündigungen „mit Engagement um“. Mehr Zynismus geht nicht.

Mitte der Woche saßen sie sich zum ersten Mal gegenüber: Die Arbeitgeberseite und die Verhandlungskommission der Arbeitnehmerseite – Betriebsratsmitglieder, Gewerkschaftssekretär Sven Berg und Rechtsanwalt Lutz Ellinghaus. Dass sich die Verhandlungen über einen Interessenausgleich und Sozialplan „recht schwierig gestalten werden“, so Sven Berg, zeige schon der erste Austausch über die „inhaltliche und materielle Ausgestaltung der Vereinbarungen“. Kolwe: „Wir haben noch eine große Kluft zu überbrücken.“

Während die gewerkschaftliche Interessenvertretung auf „vernünftige und sozialverträgliche Ideen“ im Interesse der Betroffenen setzt und sich deshalb auch nicht unter „Zeitdruck“ setzen lässt, drängen die Verantwortlichen des Unternehmens auf eine „schnelle und billige Abwicklung“. Einen ersten Schlagabtausch gab es zur Forderung des Betriebsrates „eine Transfergesellschaft“ einzurichten, um die Betroffenen bei der Suche nach neuen Arbeitsplätzen zu unterstützen.

Wie wichtig das ist, machte der Anwalt des Betriebsrates, Lutz Ellinghaus, in einem flammenden Plädoyer der Gegenseite klar. Jetzt werden Angebote für die Einrichtung einer Transfergesellschaft eingeholt.
IG Metall-Sekretär Sven Berg betont: „Der endgültige Schließungstermin der Betriebsstätte an der Kleinbeckstrasse steht erst mit Unterschrift unter dem Interessenausgleich fest.“ Zumal es auch von Seiten des Vermieters der Rinke Verwaltungs GmbH keinen zeitlichen Druck gebe: Der Mietvertrag in Sprockhövel läuft noch bis Ende 2016.

Foto: Avery Dennison – Betriebsratsmitglied Sabine Henkler, stellv. Betriebsratsvorsitzender Dirk Kolwe und IG Metall-Sekretär Sven Berg (v.l.n.r.) – Foto: IGM-GH

 

 

 

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