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Schaeffler-Beschäftigte kämpfen um ihre Arbeitsplätze

Wuppertal darf nicht sterben!

Wuppertal (OK): Die Hiobsbotschaft aus der Schaeffler-Konzern-Zentrale im fränkischen Herzogenaurach, im Rahmen des Maßnahmenpakets SPACE, sechs Standorte bzw. Betriebsstätten schließen und 4.400 Arbeitsplatze vernichten zu wollen, lösten nicht nur Empörung und Wut bei den Betroffenen, sondern auch Widerstand aus. In Wuppertal will der Konzern die Corona-Krise nutzen, um das traditionsreiche Werk zu schließen, in dem seit 150 Jahren Industrieproduktion stattfindet.

Ein erstes starkes Zeihen setzten rund 700 Beschäftigte mit einer Demonstration und Kundgebung am 16. Oktober vor den Werkstoren „Wir geben nicht auf, kämpfen um jeden Job“, steht für den Betriebsratsvorsitzenden Özgür Sönmezcicek fest. Die IG Metall-Bevollmächtigte Clarissa Bader klagte die Profitgier der Konzern-Verantwortlichen an und bekräftigte die Unterstützung der Gewerkschaft.

„Eure Solidarität stärkt uns!“

Wenige Tage später, am 26.09. in der UNI-Halle Wuppertal, erklärten sich die 134 Delegierten der neugebildeten IG Metall Geschäftsstelle Ennepe-Ruhr-Wupper, die rund 26.000 IG Metall-Mitglieder vertreten, solidarisch mit den kämpfenden Kolleginnen und Kollegen. In einer einstimmig verabschiedeten Resolution unterstützten sie die Forderungen der Belegschaft und ihres Betriebsrates für den Standort- und Arbeitsplatzerhalt in Wuppertal. Unter anderem wurden die örtlichen Landtagsabgeordneten und die Landesregierung in NRW aufgefordert, politischen Einfluss auf die Entscheidung des Unternehmens zu nehmen. Zuvor hatte der Betriebsratsvorsitzende Özgür Sönmezcicek in seinem Grußwort an die Delegierten deutlich gemacht, dass es Unternehmen nicht nur um die Bewältigung des Strukturwandels gehe, sondern um möglichst schnelle Profite.

Mathias Hillbrandt (IG Metall), Özgür Sönmezcicek, Uwe Ruberg (Betriebsrat), Arbeitsminister Karl-Josef Laumann und Josef Neumann (MdL) (v.l.n.r) Foto:privat

Betriebsrat fordert in Düsseldorf Unterstützung ein

Im Kampf um die Standort- und Arbeitsplatzerhalt suchen Betriebsrat und IG Metall

gemeinsam im politischen Raum Verbündete. In Gesprächen mit der kommunalen Wirtschaftsförderung, Landtags- und Bundestagsabgeordneten werben sie um Unterstützung der Standorterhaltungs-Konzepte der gewerkschaftlichen Interessenvertretung.

Am 8. Oktober informierten der Betriebsratsvorsitzende Özgür Sönmezcicek und sein Stellvertreter Uwe Ruberg im Düsseldorfer Landtag den nordrhein-westfälischen Arbeitsminister, Karl-Josef Laumann (CDU), über die aktuelle Situation am Standort Wuppertal und die Alternativen des Betriebsrates zur Kahlschlagpoltik des Konzerns. Kollege Sönmezcicek wies erneut darauf hin, dass es bei der geplanten Schließung des Werkes Wuppertal um eine reine Frage der Gewinnmaximierung gehe.

Die Mitglieder der Delegation, dazu gehörten auch der Zweite IG Metall-Bevollmächtigte Mathias Hillbrandt sowie die Landtagsabgeordneten Josef Neumann, Dietmar Bell und Andreas Bialas (alle SPD), erläuterten dem Minister eindringlich, welche Auswirkungen eine Schließung des Werkes für die Stadt Wuppertal sowie für die Bergische Region hätte, schließlich sind nicht nur die Beschäftigten und ihre Familien betroffen, sondern auch Arbeitnehmer*innen in Zulieferbetrieben bzw. bei Dienstleistern. In dem Gespräch wurde auch über den möglichen Einfluss der Politik diskutiert. „Arbeitsminister Laumann sagte die Unterstützung des Landes NRW zu“, so Mathias Hillbrandt. Es wurde vereinbart, engen Kontakt zu halten und sich weiterhin auszutauschen.

Unterstützung durch Gesamt- und Konzernbetriebsrat

Rückhalt bekommt der Wuppertaler Betriebsrat auch von den Mitgliedern des Gesamt- und Konzernbetriebsrates. „Maßnahmenpakete will der Arbeitgeber oft schnell durchziehen. Dies ist aber nicht im Arbeitnehmerinteresse. Denn erst nach sorgfältiger Prüfung der Absichten des Unternehmens können wir belastbare Gegenkonzepte entwickeln, um Beschäftigung zu erhalten“, schreiben  der Gesamtbetriebsratsvorsitzende Salvatore Vicari und die Konzernbetriebsratsvorsitzende Susanne Lau, im Info-Blatt Nummer 6. Zur Beratung von rechtlichen Fragen sei die arbeitnehmernahe Kanzlei Schwegler Rechtsanwälte in Düsseldorf und in wirtschaftlichen Fragen das arbeitnehmernahe INFO-Institut eingeschaltet worden. Beide ergänzen mit ihren Fachkenntnissen die enge Zusammenarbeit des Betriebsrates und der IG Metall, um Schließungen und Kündigungen zu verhindern.

Schaeffler-Beschäftigte wehren sich – Foto: IGM EN-R-W

Chronik: Aushöhlung des Wuppertaler Standortes (aus: Info-Blatt Nr.6)

2008 (rd. 1.500 Beschäftigte) Ergänzungstarifvertrag (ErgTV) mit Laufzeit bis Ende 2016
• 40-h-Woche Arbeit für 35-h-Woche Entgelt
• Sicherung von Standort und Arbeitsplätzen
• Ausschluss betriebsbedingter Kündigungen

2012 Freiwilligenprogramm zum Personalabbau ohne betriebsbedingte Kündigungen

2013 (April 2013: 1.456 Beschäftigte) Kündigung des ErgTV durch den Arbeitgeber, Rückführung auf 35-h-Woche 

2014 (Ende 2014: 1.227 Beschäftigte) Über 200 betriebsbedingte Kündigungen, Produktverlagerungen nach Braşov (Rumänien)

2015/2016 (Ende 2016: rd. 950 Beschäftigte) Neustrukturierung mit Personalabbau und enorme Zugeständnisse der Belegschaft; weitere Verlagerungen nach Braşov; hohe Fixkosten durch freiwerdende Hallen 

2017 Ankündigung des Aufbaus der „Bahnlinie“ in Braşov 

2018 Programm BCT/CITO und SSC mit Personalabbau (Freiwilligenprogramm)

2019 Drei Szenarien: Right-Sizing / Grüne Wiese / Schließung; Betriebsrat schlägt mit INFO-Institut drei Alternativkonzepte vor, die der Arbeitgeber nicht verfolgt 

2020 (rd. 850 Beschäftigte) Personalabbau durch Freiwilligenprogramm Jupiter; weitere Verlagerungen nach Braşov; Ankündigung der Werksschließung durch den Konzern-Vorstand 

 

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