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„Selbstbewusste“ IG Metaller und „schwarzmalende“ Metall-Arbeitgeber

Krefeld. In den Tarifverhandlungen der Metall- und Elektroindustrie NRW zeichnet sich keine schnelle Lösung ab. Die erste Tarifverhandlung in Krefeld endete ohne greifbare Ergebnisse. IG Metall-Verhandlungsführer Knut Giesler begründete die Forderung nach fünf Prozent mehr Einkommen mit der guten wirtschaftlichen Situation. Sein Gegenpart Arndt Kirchhoff, Präsident von Metall NRW, jammerte mit seinem „Tunnel“- Blick über die Konjunkturlage, man könne „aus einer lahmenden Ente keinen starken Adler machen“.

Für diese „konjunkturelle Schwarzmalerei“ der Arbeitgeber hatten die IG Metaller am Verhandlungstisch kein Verständnis. Die tatsächliche Situation in der Metallbranche sei alles andere als „eine lahme Ente“. Die Ertragssituation in den Betrieben sei auf einem ebenso hohen Niveau wie die Beschäftigung. „Diese positiven wirtschaftlichen Kennzahlen haben mit der Lohnpolitik der vergangenen Jahre zu tun. Denn das Wachstum wurde wesentlich von einer starken Binnennachfrage getragen. Daher gibt es für die IG Metall keinen Grund, vom verlässlichen Tarifkurs abzuweichen“, sagte Knut Giesler selbstbewusst.

„Lahmende Ente“

Die nordrhein-westfälischen Metallarbeitgeber gingen zwar nicht in „Sack und Asche“ stimmten jedoch das Klagelied an, eine Erhöhung der Gehälter um fünf Prozent würde die Unternehmen der Branche im internationalen Wettbewerb zurückwerfen. Sie forderten die IG Metall-VertreterInnen auf, bei ihren Mitgliedern „keine unerfüllbare Erwartungshaltung zu wecken und die Tarifpolitik an den ökonomischen Fakten auszurichten“.

Doch genau das macht die IG Metall. So kommt auch die Bundesregierung in ihrem jüngsten Konjunkturausblick zu optimistischen Schlussfolgerungen „Die deutsche Wirtschaft ist gut in das Jahr 2016 gestartet und bleibt trotz eines unsichereren globalen Umfelds auf Wachstumskurs“, heißt es im aktuellen Monatsbericht des Bundeswirtschaftsministeriums. Also nichts von wegen „lahmender Ente“.

Tarifbindung wiederherstellen

Knut Giesler erläuterte darüber hinaus, dass die IG Metall ihre erfolgreiche Tarifpolitik auch auf Betriebe ausweiten will, die sich bisher einer Tarifbindung verweigern. „Wir wollen die Tarifautonomie stärken und Entgeltgerechtigkeit herstellen. Darum werden wir gezielt Betriebe ohne Tarifbindung in diese Tarifrunde einbeziehen.“ Einkommensnachteile und schlechtere Arbeitsbedingungen für etwa 100.000 Beschäftigte in NRW seien ein „Makel für die gesamte Branche“. Deshalb forderte er alle Arbeitgeber ohne derzeitige Tarifbindung auf, sich dem Wettbewerb durch bessere Innovationen statt über schlechter bezahlte Arbeitskräfte zu stellen.

Die zweite Verhandlung für die Beschäftigten der Metall- und Elektroindustrie in Nordrhein-Westfalen ist am 11. April in Düsseldorf. In der Nacht zum 29. April endet die Friedenspflicht, ab dann sind Warnstreiks möglich.

Foto: Kollegen von Dieckerhoff-Guss in der Tarifbewegung 2013 – Foto: IGM GH-Archiv

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