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Sicherheit am Arbeitsplatz wichtiges Thema

Gevelsberg: Jedes Jahr erleiden hunderttausende Beschäftigte einen Arbeitsunfall. Fast 956 000 gemeldete Arbeitsunfälle gab es 2014 in Deutschland – so ein Bericht der Bundesregierung. Bei rund 40 Millionen Erwerbstätigen bedeutet das: Statistisch gesehen hat es jeden 40. erwischt. Auch wenn die Zahlen seit Jahrzehnten zurück gehen, bleibt die Sicherheit am Arbeitsplatz ein Dauerthema. Die Web-Redaktion erläutert: Was tun, wenn es zu einem Unfall kommt? Welche Rechte haben Arbeitnehmer, welche Pflichten die Arbeitgeber?

Was gilt als Arbeitsunfall?
Arbeitsunfälle sind in erster Linie Unfälle, die Beschäftigte während ihrer Arbeitstätigkeit erleiden. Juristisch korrekt ausgedrückt sind es „Unfälle, die versicherte Personen infolge der versicherten Tätigkeit erleiden.“

Abgedeckt sind auch Betriebsfeiern, Betriebssport oder Betriebsausflüge und der Weg von und zur Arbeitsstelle sowie Dienstgänge, beim Arbeitsweg sind unter Umständen auch Umwege versichert: Beispielsweise bei Fahrgemeinschaften, Verkehrsumleitungen, um Kinder in einer Betreuungseinrichtung unterzubringen, oder wenn die Arbeitsstelle über einen längeren Weg schneller erreicht wird.

Wogegen sind Beschäftigte während der Arbeit nicht versichert?
Herzinfarkt am Schreibtisch, plötzliches Nasenbluten: Wenn ein gesundheitliches Problem zufällig auftritt und nicht ursächlich mit der Arbeitstätigkeit zusammenhängt, dann besteht kein Versicherungsschutz durch die Unfallversicherung. Die gesetzliche Unfallversicherung zahlt auch nicht für Sachschäden. Ausnahme: Kleidung, die bei Erster Hilfe zerrissen wird oder durch den Unfall zerborstene Brillen.

Wo sind die Beschäftigten versichert?
Träger der gesetzlichen Unfallversicherung sind die Berufsgenossenschaften. Für die Branchen der IG Metall sind das die Berufsgenossenschaft Holz und Metall BGHM und die Berufsgenossenschaft Energie, Textil, Elektro, Medienerzeugnisse ETEM.

Beschäftigte sind dort versichert, egal ob sie dauerhaft oder nur zeitweise beschäftigt sind. Der Versicherungsschutz besteht sogar dann, wenn ein Betrieb noch nicht bei der Berufsgenossenschaft angemeldet ist oder keine Beiträge für die gesetzliche Unfallversicherung gezahlt wurden.

Müssen Arbeitsunfälle gemeldet werden?
Arbeitsunfälle müssen per „Unfallanzeige“ gemeldet werden, wenn sie eine Arbeitsunfähigkeit von mehr als drei Tagen oder den Tod zur Folge haben. Generell sollten aber alle Unfälle in einem Betrieb erfasst werden. Meldepflichtig ist der Arbeitgeber. Ein Arbeitsunfall muss binnen drei Tagen nach dem Ereignis gemeldet werden.

Betroffene Beschäftigte haben das Recht auf eine Kopie der Unfallanzeige. Auch Betriebsräte erhalten ein Exemplar. Diese Dokumentation kann bei Spätfolgen wichtig sein. Schwere Unfälle, Unfälle mit Todesfolge oder Massenunfälle müssen sofort an die Unfallversicherungsträger gemeldet werden.

Muss ein Arzt aufgesucht werden?
Wenn ein Unfall über den Unfalltag hinaus zur Arbeitsunfähigkeit führt, muss die/der Verletzte einen sogenannten Durchgangsarzt aufsuchen. Darauf müssen Arbeitgeber hinweisen.
Durchgangsärzte haben einen Vertrag mit den Berufsgenossenschaften und kennen sich mit Unfallfolgen besonders gut aus. Eine Liste der Durchgangsärzte muss im Betrieb für alle zugänglich vorhanden sein.

Nach der Untersuchung entscheiden sie, ob sie selbst weiter behandeln oder an einen anderen Arzt überweisen. Beschränkt sich die Verletzung auf Hals, Nase, Ohren oder Augen, können Beschäftige direkt zu einem entsprechenden Facharzt gehen.

Was ist nach einem Arbeitsunfall im Betrieb zu tun?
Unfallverhütung ist das oberste Gebot. Dabei kommt dem Betriebsrat eine besondere Rolle zu: Er muss sich dafür einsetzen, dass Vorschriften zu Arbeitsschutz und Unfallverhütung eingehalten werden (Paragraf 89 BetrVG).

Bei allen Besichtigungen oder Erörterungen, die im Zusammenhang mit dem Arbeitsschutz oder der Unfallverhütung stehen sowie bei Unfalluntersuchungen muss der Betriebsrat hinzugezogen werden. Bei Regelungen zu Unfallverhütung, Berufskrankheiten und Gesundheitsschutz hat der Betriebsrat gemäß §.87 Abs. 1 Nr. 7 BetrVG ein Mitbestimmungsrecht.

Welche Leistungen stehen den Betroffenen zu?
Alle Behandlungen und Zuzahlungen im Zusammenhang mit einem Arbeitsunfall gehen zu Lasten der Berufsgenossenschaften. Bei längerfristigen Folgen gibt es vier Möglichkeiten:

1. Vorübergehende Arbeitsunfähigkeit
Sobald die Arbeitsunfähigkeit ärztlich festgestellt ist, greift aber die Entgeltfortzahlung (maximal sechs Wochen). Ab der der 7. Woche der Arbeitsunfähigkeit zahlt die Berufsgenossenschaft Verletztengeld. Die Zahlung endet mit dem letzten Tag der Arbeitsunfähigkeit, spätestens aber
nach 78 Wochen. Ausnahme: eine länger als 78 Wochen andauernde stationäre Behandlung.

Das Verletztengeld beträgt 80 Prozent des regulären Entgelts. Davon abgezogen werden die Beiträge zur Renten- und Arbeitslosenversicherung. Das Verletztengeld wird über die Krankenkasse ausgezahlt. Wer an einer Maßnahme zur beruflichen Rehabilitation teilnimmt, erhält Übergangsgeld.

2. Vollständige Erwerbsunfähigkeit
Ist eine Beschäftigte oder ein Beschäftigter nach einem Arbeitsunfall erwerbsunfähig, steht ihm eine Verletztenrente zu. Sie beträgt zwei Drittel des vor dem Unfall erzielten Jahresarbeitsverdienstes (JAV). Als JAV gelten alle Einnahmen, die Beschäftigte innerhalb der letzten 12 Monate vor dem Unfall mit ihrer Arbeit erzielt haben.

3. Teilweise Erwerbsunfähigkeit
Ist ein/e Beschäftigte/r nach einem Arbeitsunfall teilweise erwerbsunfähig, erhält sie/er einen bestimmten Prozentsatz der Verletztenrente. Ein Anspruch besteht ab einer Minderung der Erwerbsfähigkeit (MdE) von mindestens 20 Prozent. Die Höhe der Rente richtet sich nach dem Grad der Erwerbsminderung.

4. Tod
Nach tödlichen Arbeitsunfällen steht den Hinterbliebenen (Witwe/Witwer, Kinder) eine Hinterbliebenenrente zu.

Wichtig: Mitglieder der IG Metall erhalten bei Arbeitsunfällen kostenlos Rat und Hilfestellung bei ihrer
IG Metall Geschäftsstelle Gevelsberg-Hattingen.

Foto: fotalia

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