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„So wird Fachkräftemangel erzeugt“

Hattingen. Den Firmen gehen die Facharbeiter aus. Je mehr Menschen mit 63 Jahren in Rente gehen, desto größer wird der Fachkräftemangel, jammert die Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA) Der Mangel an Fachkräften bremse den Mittelstand immer stärker aus. Für den Betriebsrat der O&K Antriebstechnik, ein Teil der italienischen Bonfiglioli-Group, stellt sich die Situation jedoch ganz anders dar.

„Für den Fachkräftemangel sind die Unternehmen selbst verantwortlich, da sie die Ausbildung junger Menschen teilweise oder ganz zurückfahren“, empört sich der Betriebsratsvorsitzende Gerd Starosta. Für den Betriebsrat ist die Ausbildung eigner Fachkräfte immer „ein wichtiger Baustein zur innovativen und qualifizierten Weiterentwicklung des Standortes in Hattingen“ gewesen. „Gerade deshalb haben wir darauf bestanden, dass beim Abschluss des Interessenausgleiches im Januar 2010 festgeschrieben wurde, dass je Ausbildungsjahr mindestens zwei Auszubildende eingestellt werden“, sagt das Mitglied des Ortsvorstandes der IG Metall.

Bei der O&K Antriebstechnik in Hattingen hätten sie eine lange Tradition was Berufsausbildung betrifft. Diese wird in Kooperation mit der „Karrierewerkstatt“ Witten durchgeführt. In den letzten Jahren konnten drei Bewerber pro Jahr eingestellt werden. Im vergangenen Jahr 2016 wurde erstmals die Quote auf einen Auszubildenden abgesenkt. „In 2017 lehnte es der Geschäftsführer Giorgio Gucchi kategorisch ab, überhaupt einen Auszubildenden einzustellen“, kritisiert Gerd Starosta die Entscheidung, die mit „Kosten einsparen“ begründet wurde, denn die Ausbildung sei „zu teuer“.

Betriebsrat will sich mit der Entscheidung nicht abfinden

Für Gerd Starosta und seine Betriebsratsmitglieder steht fest: Damit wird jungen Menschen nicht nur die Zukunftsperspektive genommen, sich qualifiziert ausbilden zu lassen, sondern auch eine wichtige Chance zur Ausbildung von künftigem Nachwuchs im Betrieb nicht genutzt. Deshalb werden sie sich mit der Entscheidung des Geschäftsführers nicht abfinden, sondern auch in Zukunft auf Ausbildung im Betrieb drängen. „Zumal wir wissen, dass die BonfiglioliGroup, das Thema Aus- und Weiterbildung sehr ernst nimmt“, fügt der Betriebsratsvorsitzende hinzu.

Die Interessenvertretung würde es überhaupt bedauern, so Starosta, dass sich seit 15 Monaten nach der Übernahme des Carraro-Werkes keiner aus der italienischen Unternehmensleitung mal am Standort in Hattingen sehen gelassen hat. Die Belegschaft und ihr Betriebsrat hätten einen großen Informationsbedarf: Starost: „Wir möchten endlich genauer wissen, wie die künftigen Pläne der Eigentümerin für das Werk aussehen und wohin die Reise gehen soll.“

Foto: IGM G-H

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