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Solidarität hat ihn geprägt

Wir gedenken: Walter Muskatewitz, ehemaliger IG Metall-Vertrauenskörperleiter bei der O&K Antriebstechnik

Die IG Metall Ennepe-Ruhr-Wupper betrauert den Tod von Walter Muskatewitz, ehemaliger Vertrauenskörperleiter der IG Metall bei der O&K Antriebstechnik in Hattingen. „Wir haben einen engagierten Gewerkschafter verloren“, so die Erste Bevollmächtigte Clarissa Bader. Für den langjährigen Gewerkschafter galt: Ungerechtigkeit in der Arbeitswelt darf man nicht hinnehmen, sie muss bekämpft werden. „Wer sich nicht wehrt, lebt verkehrt“, war Walters Motto für seine gewerkschaftliche und politische Arbeit.

Der IG Metaller Walter Muskatewitz ist 1947 südlich der Ruhr in der ehemaligen Stahlstadt Hattingen geboren. Hier ist er aufgewachsen und zur Schule gegangen. Im Jahr 1961 begann er eine Ausbildung zum Elektriker im Stahlwerk Henrichshütte. Im gleichen Jahr wurde er auch Mitglied der IG Metall, für die er sich sein Leben lang engagierte. Auf dem Umweg über die Firmen Heinrich Hill in Hattingen und die Kupferwerke Messing in Langenberg nahm er schließlich1977 bei Orenstein & Koppel die Arbeit auf. Rund 1.200 Beschäftigte bauten damals Achsen und Getriebe für Baumaschinen und Rolltreppen.

Walter sowie seine Kolleginnen und Kollegen erlebten in den 1980/1990er-Jahren ein Restrukturierungsprogramm nach dem anderen und damit die scheibchenweise Zerschlagung des Betriebes an der Nierenhofer Straße: „Jeder Geschäftsführer, der kam, und davon gab es reichlich, wollte mit seinem Plan den Standort sichern. Doch stattdessen blieben immer wieder Arbeitsplätze auf der Strecke“, resümierte Walter bei seiner Verabschiedung im Frühjahr 2010. Es folgte die Teilung des Betriebes in die O&K Antriebstechnik und die O&K Rolltreppen GmbH, an der sich die finnische Aufzugsfirma KONE OY zunächst beteiligte und schließlich ganz übernahm. Später folgte der Verkauf der Antriebstechnik an die Carraro-Group in Padua/Italien.

Die IG Metall-Mitglieder der Instandhaltung wählten Walter 1993 zu ihrem Vertrauensmann. Später übernahm er die Leitung des IG Metall-Vertrauenskörpers der O&K Antriebstechnik. Schließlich wurde er in den Betriebsrat gewählt. Sich für seine Kollegen im Betrieb einzusetzen, war für ihn selbstverständlich. „Wir müssen unsere gewerkschaftliche Vorstellungen zur Verbesserung der Arbeits- und Lebensbedingungen lautstark in die Öffentlichkeit tragen“, forderte Walter Muskatewitz immer wieder von seiner IG Metall in der Delegiertenversammlung. Doch der Gewerkschafter beließ es nicht nur beim Fordern, gemeinsam mit seinen Kolleginnen und Kollegen demonstrierte er gegen den Sozialabbau unter Kanzler Helmut Kohl (CDU), gegen die Aushöhlung der Lohnfortzahlung und die Hartz-IV-Gesetze der rotgrünen Bundesregierung unter Kanzler Gerhard Schröder (SPD).

War solidarisch mit den kämpfenden Kolleg*innen bei Mönninghoff, der Hütte und der VSG. „Wir mussten in den 33 Jahren, in denen ich in dem Betrieb arbeitete, immer wieder um unsere Arbeitsplätze kämpfen“, sagte er einmal. 2005 unterstützte er mit seinen Kolleginnen und Kollegen den Kampf der KONE-Beschäftigten gegen die Schließung ihres Werkes auf dem gleichen Gelände.

In Tarifbewegungen war es für Walter selbstverständlich, mit den Vertrauensleuten die O&K- Beschäftigten zu Warnstreiks zu mobilisieren. Dabei gab es immer einen klaren Ablauf: Treffen am Werkstor, Demo zur IG Metall-Kundgebung in die Innenstadt – nach 200 Meter erste Pause, mitten auf der Kreuzung Nierenhofer-/Martin-Luther-Straße. Der Verkehr staute sich. „Wir wollten ja gehört und gesehen werden“, brummte Walter bedächtig als er gefragt wurde: Warum dieses Ritual?

Und dann 2009: Wieder mussten sie für den Erhalt ihres Standortes kämpfen, nun gegen den Vorstand des italienischen Konzerns Carraro, der ein Großteil der Getriebeproduktion nach China verlagern wollte. Mit vielfältigen Aktionen, Demonstrationen und Kundgebungen – auch gemeinsam mit den Beschäftigten von Avery Denisson – vor allem mit einer 26-stündigen Arbeitsniederlegung verschafften sich die O&K‘ler in Italien Respekt. Der Konzernvorstand lenkte ein, die Produktion wurde nicht verlagert und die geplanten Entlassungen wurden verhindert. Für Walter stand fest: Die Solidarität führte zu diesem Erfolg,

Die Personalanpassungsmaßnahmen erfolgten, sozialverträglich: Den Jungen wurden die Arbeitsplatz erhalten, die Älteren konnten über Altersteilzeit- bzw. über Regelungen für ältere Beschäftigte ausscheiden. Einer von ihnen war Walter, der gesundheitlich angeschlagen, sich auf die gemeinsamen Stunden mit seiner Frau Linde auf dem Campingplatz freute. Leider ist Linde zu früh verstorben, nun ist Walter ihr gefolgt. Seine Familie hat einen wunderbaren Menschen und die IG Metall Ennepe-Ruhr-Wupper einen engagierten Streiter für die Verbesserung der Arbeits- und Lebensbedingungen der Arbeitnehmer*innen verloren.

Die Trauerfeier und Beerdigung unseres Kollegen Walter Muskatewitz findet am Freitag, 3. Dezember 2021 um 11:00 Uhr auf dem Friedhof Holthausen, Holthauser Str., in Hattingen statt.

Autor: Otto König

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