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„Solidarität und Geschlossenheit notwendig“

Ennepetal. Hoch über Voerde auf dem Dach des Verwaltungsgebäudes, dem Sitz der dorma + kaba Holding GmbH + Co. KG aA, leuchtet nach wie vor sichtbar die „rote Dorma-Krone“. Doch in den Etagen darunter grummelt es, herrscht Unsicherheit. Wurde doch bei der Ankündigung der Fusion vor allem auf Synergieeffekte in den Verwaltungen der beiden Konzerne hingewiesen. Die Rede war von 60 bis 70 Mio. Franken pro Jahr, die im vierten Jahr nach dem Zusammenschluss voll wirksam werden sollen

Nach dem die zuständigen Wettbewerbsbehörden der Zusammenführung der beiden Unternehmen Dorma und Kaba unter dem umfirmierten Dach in „dorma+ kaba Holding AG“ mit Sitz im schweizerischen Rümlang zugestimmt hatten, wurde „die Transaktion.am 1. September 2015 mit der Eintragung im zuständigen Handelsregister vollzogen“, so der Konzernbetriebsratsvorsitzende Jörg Kannapin. Damit sei ein globales Unternehmen für Sicherheits- und Zutrittslösungen mit einem Umsatz von über EUR 1.9 Milliarden Euro und rund 16.000 Beschäftigten in mehr als 50 Ländern entstanden.
Während die Anteilseigner den „Verwaltungsrat“ in der Schweiz neu besetzt haben und die elfköpfige Konzernleitung, an deren Spitze u.a. CEO Riet Cadonau und der CFO Bernd Brinker stehen, ihre Arbeit aufnahm, hat die Interessenvertretung im ersten Schritt in Deutschland nachgezogen und alle Dorma und Kaba-Standortbetriebsräte unter dem Dach eines Konzernbetriebsrates vereint.
„Informationen über die konkreten Unternehmensplanungen und die geplante Integration stehen noch aus“, sagte Jörg Kannapin, der auch Mitglied im Aufsichtsrat der „dorma + kaba Holding GmbH + Co. KG aA Ennepetal“ ist. Alle operativen Einheiten sollen vorerst unverändert weiter arbeiten. Bis zum 1. Juli 2016 sollen die bestehenden Organisationsstrukturen in die vorgesehenen Zielstrukturen überführt werden.

Kannapin: „Die Betriebsräte und Aufsichtsratsmitglieder auf der Arbeitnehmerseite werden nun umfassende Informationen einfordern, um diesen Prozess im Interesse der Beschäftigten begleiten zu können.“
Den betrieblichen und gewerkschaftlichen Interessenvertretungen sei bewusst, dass die geplanten „Strukturveränderungen“ im neugebildeten Konzern, der börsennotiert ist und in den nächsten vier Jahren eine Gewinnmarge von 18 Prozent anpeile, „nicht spurlos an den ArbeitnehmerInnen vorbei gehen werden“, schätzen Jörg Kannapin und sein Stellvertreter Markus Reiniger am Standort Ennepetal ein.

Beschäftigungssicherung steht im Vordergrund

Deshalb stehe nicht nur für den Ennepetaler Betriebsrat, sondern für alle Standort-Betriebsräte die „Beschäftigungssicherung“ im Vordergrund. Reiniger: „Wir fordern, den für alle Dorma- Standorte bis 2016 geltenden Beschäftigungssicherungsvertrag auch auf die Kaba-Standorte auszuweiten und zu verlängern.“ Das werde auch ein Punkt sein, der in den für Mitte November angesetzten Sprechstunden im Hochhaus eine Rolle spielen werde. „Wir möchten die KollegInnen im Angestellten-Bereich soweit wir können informieren und mit ihnen über unsere weiteren Schritte diskutieren“, betonte Markus Reiniger, .stellv. Betriebsratsvorsitzender am Standort Ennepetal.

Sein Kollege Kannapin schließt nicht aus, dass es bei der Durchsetzung der Forderungen der Beschäftigten „an der einen oder anderen Stelle im Unternehmensgefüge auch mal knirschen wird“, schließlich habe man es mit „zwei unterschiedlichen Unternehmenskulturen“ zu tun. Was die Kenntnisse über die „deutschen Mitbestimmungsinstrumente wie Betriebsverfassungsgesetz und Mitbestimmungsgesetz“ betreffe, gebe es bei den schweizerischen Führungskräften doch „erheblichen Lernbedarf“, formulierte der Vorsitzende des Konzernbetriebsrates diplomatisch. Auch die Zusammenarbeit mit der Gewerkschaft wäre da ein Fremdwort gewesen.

Künftige Arbeitsschwerpunkte

Schon jetzt zeichnet sich ab: Über zu wenig Arbeit werden sich die Interessenvertretungen in den kommenden Wochen und Monaten nicht beklagen können. Da sind die gemeinsam mit den KollegInnen vor Ort zu lösenden täglichen Probleme in der Produktion und in der Verwaltung beispielsweise bei der Leistungsabforderung, der Arbeitszeitgestaltung, der Gestaltung der Arbeitsbedingungen und beim Arbeitsschutz.

Die Zusammenführung der dorma + kaba-Standorte setzt zusätzlich neue Schwerpunkte auf die Tagesordnung. „Es kann nicht akzeptiert werden, dass unter einem Dach Beschäftigte nach Tarif und ohne Tarif bezahlt werden“, steht für den IG Metaller Jörg Kannapin fest. Der Konzernbetriebsrat müsse bei den Arbeitsschwerpunkten „Aushandlung von Interessenausgleichen und Sozialplänen“, der „Harmonisierung von Betriebsvereinbarungen“, soweit notwendig, der „Bildung von Betriebsräten an allen Standorten beispielsweise auch in Thüringen“ sowie der „Herstellung der Tarifbindung“ künftig eine „stärkere Rolle“ übernehmen.

Ergänzt durch eine gute Abstimmung zwischen den Betriebsräten vor Ort, dem Konzernbetriebsrat und den Arbeitnehmervertretern im Aufsichtsrat, gestützt auf die kompetente Arbeit der zuständigen Gewerkschaft IG Metall, werde es gelingen die Interessen der Beschäftigten durchzusetzen. Für Jörg Kannapin und Markus Reiniger steht fest: „Unsere Kraft schöpfen wir aus der Solidarität unserer Kolleginnen und Kollegen.“

Foto: Betriebsratsvorsitzender Jörg Kannapin und sein Stellvertreter Markus Reiniger am Standort Ennepetal (v.l.n.r.) Foto: IGM- GH

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