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Standort und Arbeitsplätze gerettet

Hattingen. 2014 erlebten die Betriebsratsmitglieder der OHE Mining Technology in Hattingen eine böse Überraschung. Das zuvor eingeleitete „Schutzschirm-Verfahren“ wurde in eine Insolvenz übergeleitet. Betriebsrat und IG Metall verhandelten mit dem Insolvenzverwalter einen Interessenausgleich und Sozialplan. Die Belegschaft wurde drastisch reduziert. Dennoch waren die Betriebsratsmitglieder „zuversichtlich“, dass die Chance besteht, den Betrieb im Gewerbepark Henrichshütte weiterzuführen. Sie sollten Recht behalten.

Ein Jahr später – wir sitzen wieder im Betriebsratsbüro – berichten der Betriebsratsvorsitzende Heinz Adolphs, der auch Mitglied für die Arbeitnehmer im Gläubigerausschuss ist, und sein Stellvertreter Kai Kowalczik, dass sich das „Insolvenzverfahren in der Endabwicklung“ befinde. Der Bergbauzulieferer in der Ruhrstadt, der im kommenden Jahr 70. Jubiläum feiern kann, geriet vor über einem Jahr durch die bewaffneten Auseinandersetzungen in der Ost-Ukraine und die Wirtschaftssanktionen der EU gegen Russland in eine wirtschaftliche Schieflage: Auftragseinbrüche und Zahlungsausfälle waren die Folgen für das exportabhängige Unternehmen.

„Im Frühjahr ist es dem Insolvenzverwalter Thorsten Klepper gelungen, einen Käufer für das insolvente Unternehmen zu finden“, erzählt Heinz Adolphs. Seit dem 1. Mai 2015 gehöre das in „OHE Maschinenbau GmbH“ umfirmierte Unternehmen dem in Peking (China) ansässigen Investor „Huahai Maschinery Co.Ltd“, das sich laut eignen Angaben „als Pionier in der chinesischen Bergbauindustrie“ versteht.

Neuer Eigentümer sprach in der Betriebsversammlung

Auf Deutsch habe der geschäftsführende Huahai-Gesellschafter und neue Eigentümer von OHE, Jianhu Du, den Beschäftigten in einer Betriebsversammlung die „künftige strategische Ausrichtung von OHE“ erläutert, so Kai Kolwalczik. Huahai befinde sich auf dem besten Weg „zum international aufgestellten Marktführer im chinesischen Bergbau mit dem einzigartigen Angebot ganzheitlicher Lösungen für den Strebausbau unter Tage“. Die an der Henrichs-Allee gefertigten hochwertigen Produkte wie Filter und Ventile, hydraulischen und elektronischen Steuerungssysteme würden das „Produktfolio von Huahai“ gut ergänzen. Jetzt könne das um OHE erweiterte Unternehmen den kompletten Schildausbau anbieten.

Die bisherige Anteilseignerin Natalia Ponomarenko übt auch unter dem neuen Eigentümer die Funktion als Geschäftsführerin aus. Alle Beschäftigten wurden nach § 613a Bürgerliches Gesetzbuch (BGB) in die neue GmbH übernommen. Damit sind für 12 Monate ihre erworbenen Rechte gesichert, dazu gehören auch die bestehenden Betriebsvereinbarungen.

Neuwahl des Betriebsrates

„Wir gehen davon aus, dass sich auch nach Ablauf der zwölf Monate nichts verändern wird“, sagen die beiden Ende August neugewählten Betriebsratsmitglieder selbstbewusst. Der Dritte im Gremium, Daniel Fritz, der das Amt des Schriftführers übernahm, konnte an dem Gespräch nicht teilnehmen. Die Neuwahlen des Betriebsrates waren notwendig geworden, da durch den Belegschaftsabbau die Zahl der Wahlberechtigten der letzten Wahl unter 50 Prozent gesunken ist. Heute sind 47 Arbeitnehmerinnen einschließlich Leiharbeitnehmer beschäftigt.

In den beiden nächsten Wochen werde der Betriebsrat gemeinsam mit der Geschäftsführung über die Nachzahlung der gestundeten Geldbeträge aus den letzten beiden Tarifrunden verhandeln. „Wer technisch hochwertige Produkte herstellt, also gute Arbeit leistet, hat auch ein Anrecht auf gute Entlohnung“, betont Heinz Adolphs. Heinz und Kai sind nach der Übernahme durch Huahai „nicht euphorisch“, aber sie sehen „optimistisch in die Zukunft“. So sei auch die Stimmung in der Belegschaft.

Foto: Betriebsratsvorsitzender Heinz Adolphs und sein Stellvertreter Kai Kowalczik im Betriebsratsbüro (v.r.n.l.)

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