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Tarifflucht verhindern – Tarifbindung herstellen

Gevelsberg: Metall-Arbeitgeber haben sich in den zurückliegenden Jahren durch Tarifflucht der Tarifbindung entzogen. Sie haben sich dadurch einen unredlichen Wettbewerbsvorteil gegenüber ihren Konkurrenten verschafft. „Diese Praxis will die IG Metall in der beginnenden Metall-Tarifrunde öffentlich machen und skandalisieren“, so die IG Metall-Bevollmächtigte Clarissa Bader.

Neben einer angemessenen Entgelterhöhung strebt die Gewerkschaft deshalb auch eine Verbesserung der Tarifbindung an. Ein Industriefacharbeiter verdiente mit Tarifvertrag im Jahr 2010 in der Stunde 20,65 Euro, ohne waren es 17,12 Euro. Das sind 18 Prozent weniger. Der Angelernte kam mit Tarif auf 15,57 Euro in der Stunde, ohne Tarif aber nur auf 11,20 Euro. Das sind 28 Prozent weniger, wie das Statistische Bundesamt in seiner jüngsten Verdiensterhebung ermittelte.

Damit will sich die IG Metall nicht abfinden. Dieser Abstand darf sich nicht weiter erhöhen. Fehlende Tarifbindung darf kein attraktives Mittel zur „Schmutzkonkurrenz“ durch Lohn- und Sozialdumping sein. Es soll deutlich gemacht werden: Mit Tarifvertrag sind Beschäftigte besser dran. Für die IG Metall-Bevollmächtigte Clarissa Bader ist die Tarifbindung eine „Gerechtigkeitsfrage“. Nur sie garantiert
„gleichen Lohn für gleiche Arbeit“.

Wer ist tarifgebunden und wer hat einen Rechtsanspruch?
„Tarifgebunden“ ist ein Arbeitgeber, der Mitglied in einem Arbeitgeberverband ist und ein/e Arbeitnehmer/in, der/die einer Gewerkschaft – also der IG Metall – angehört. Sind beide tarifgebunden, sind sie auch an die gültigen Tarifverträge „gebunden“, die der Arbeitgeberverband Metall NRW und die IG Metall aushandeln.
Der Arbeitgeber muss den vereinbarten Tariflohn zahlen, sowie Urlaubs-, Weihnachtsgeld und andere tarifliche Leistungen gewähren. Die Beschäftigten müssen im Gegenzug in der vereinbarten Arbeitszeit die Tätigkeit und Leistung erbringen, für die sie bezahlt werden. Vom Tarifvertrag kann der tarifgebundene Arbeitgeber nur dann abweichen, wenn zum Beispiel die Vergütung besser geregelt ist als das Tarifentgelt oder wenn mit der IG Metall eine „abweichende Regelung“ vereinbart wurde. (siehe Bericht zu GHV auf dieser Seite)

Auch wenn der Arbeitgeber allen Beschäftigten die tariflichen Leistungen freiwillig gewährt – einen rechtlichen Anspruch darauf haben grundsätzlich nur die Beschäftigten, die Mitglied der vertragsabschließenden Gewerkschaft – also der IG Metall – sind.

In einem Betrieb ohne Tarifvertrag können Chefs nach Gutdünken entscheiden, wer wie viel verdient. Dass führt oft zu Ungerechtigkeit: Zwei Beschäftigte in der gleichen Position, die gleich viel leisten, werden trotzdem unterschiedlich bezahlt. Mit Tarifvertrag sind die Entgelte klar geregelt und transparent.

Mehr Betriebe in Tarifbindung holen
Die positiven Auswirkungen der Tarifbindung sind nicht aufs Finanzielle beschränkt. Auch in vielen anderen Punkten stehen Beschäftigte mit Tarifvertrag weit besser da, als ihre tariflosen Kollegen. Das gilt für die Arbeitszeit, die Dauer des Urlaubs und das Urlaubsgeld, das Weihnachtsgeld, die Übernahme nach der Ausbildung in ein Arbeitsverhältnis, die betriebliche Weiterbildung und die Altersteilzeit.

In der anstehenden Tarifrunde für die Metall- und Elektroindustrie geht es deshalb auch darum „mehr Betriebe als bisher in die tarifliche Bindung holen. Deshalb ist geplant Belegschaften aus Betrieben ohne Tarifbindung in die Tarifrunde 2016 einbeziehen, ebenso Werkvertragsunternehmen.

Bader: „Den Arbeitgebern müssen wir klarmachen: Trittbrettfahren durch Tarifflucht zahlt sich nicht aus.“ Dazu müssen aber auch die betroffenen Beschäftigten in den Betrieben beitragen. Der erste wichtige Schritt dazu ist, sich in der IG Metall zu organisieren, um gemeinsam den nötigen Druck aufbauen zu können. Denn: Aktive und organisierte Belegschaften können sich einen Tarifvertrag erkämpfen.

Bild: IG Metall G-H

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