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Tariffreie Zone adé

Sprockhövel. Plötzlich war er da der große rote Punkt. Unübersehbar klebte er neben der Stempeluhr. „Sicher? Wenige Tage später konnten die Beschäftigten der WKW-Automotive an gleicher Stelle lesen: „Wirklich sicher?“ Während der eine oder andere noch immer überlegte, was wohl dahinter stecken könnte, kam plötzlich die Auflösung: „Sicher nur mit Tarifvertrag der IG Metall!“

Die Mitglieder der IG Metall, die bei der WKW-Automotive im Gewerbegebiet Stefansbecke  beschäftigt sind, wollen mit Unterstützung ihrer Gewerkschaft die Tarifbindung im Betrieb durchzusetzen. „Diese Rote-Punkt-Aktion hat viel Aufmerksamkeit erweckt und ist auf große Zustimmung unserer Kolleginnen und Kollegen gestoßen“, so der IG Metaller und Betriebsratsvorsitzende Ekrem Serifoglu.

Seit Jahresbeginn 2016 wird in der neuaufgebauten hochmodernen Eloxalanlage in Hasslinghausen wieder produziert. Ein Jahr zuvor war bei einem Großbrand die Fabrikationshalle des Aluminium verarbeitenden Betriebes am Eichenhofer Weg vollständig zerstört worden. Inzwischen gehört der Betrieb der Walter Klein GmbH & Co.KG – WKW Automotive in Wuppertal. Rund 100 Beschäftigte, davon 40 festangestellt und 60 LeiharbeiterInnen, sind derzeit u.a. mit der Fertigung von Automotive-Teilen wie z.B. Dachrelingstangen beschäftigt. Angesichts der guten Auftragslage plant die Geschäftsführung die Zahl der Beschäftigten erheblich auszuweiten.

Eine gute Ausgangsbasis, sich nun der „Gerechtigkeitsfrage Nummer eins im Betrieb anzunehmen“, sagt Gewerkschaftssekretär Sven Berg. Das ist und bleibe die Tarifbindung. Fakt sei, meint der Gewerkschafter, wer in einem Betrieb mit Tarifvertrag arbeite, verdiene meist deutlich mehr als tariflose Beschäftigte. Die positiven Auswirkungen der Tarifbindung sind jedoch nicht nur auf die Entgelte beschränkt, sondern auch bei der Arbeitszeit, Urlaub und Urlaubsgeld sowie Weihnachtsgeld stehen Beschäftigte mit Tarifvertrag weit besser da als ihre tariflosen Kollegen.

Tariflose Zone darf kein Dauerzustand bleiben

Der „tariflose Zustand bei WKW-Automotive darf kein Dauerzustand bleiben“, so der Tenor der Diskussionen in den Mitgliederversammlungen der IG Metall nach der Sommerpause. Gemeinsam wurde beraten: „Wie kann die ungerechte Situation geändert werden?“ Schnell war klar, alle Beschäftigten mussten für das Thema interessiert und eine positive Stimmung  im Betrieb geschaffen werden. Gewerkschafter Berg regte die „Rote-Punkt-Aktion“ an, um auf das Thema aufmerksam zu machen und die Gespräche in Gang zu setzen.

foto-2_wkw_sicher-nur-mit-tarifvertragFoto: Nicht an der Wand, sondern am Besenstil wurde die Botschaft befestigt.

Gesagt, getan. Erst als der 3. Punkt „Sicher nur mit Tarifvertrag der IG Metall!“ neben der Stempeluhr klebte, reagierte die Arbeitgeberseite, und forderte seine Entfernung von der Fabrikwand. Die Kollegen reagierten cool, befestigten ihn an einem Besenstiel und stellten ihn wieder auf, was dann toleriert wurde. Eine weitere Aktion soll noch im Dezember folgen, da es eine Überraschung sein soll, schreiben wir nicht darüber.

„Im neuen Jahr werden die IG Metall-Mitglieder bei WKW eine betriebliche Tarifkommission wählen sowie eine Verhandlungskommission bilden“, sagte Sven Berg, der mit dem Betriebsrat und seinem Vorsitzenden Ekrem Serifoglu darauf setzt, im Frühjahr in konkrete Verhandlungen mit der Geschäftsführung zur Erreichung der Tarifbindung einsteigen zu können. Das Ziel der MetallerInnen ist klar: Tariffreie Zone in der Stefansbecke adé!

Foto 1: Betriebsratsvorsitzender Ekrem Serifoglu (l.) mit einem BR-Kollegen
Foto 2: Nicht an der Wand, sondern am Besenstil wurde die Botschaft befestigt. – Fotos: privat

 

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