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„Tarifvertrag gemeinsam erkämpft!“

Gevelsberg: Die Haltung der Arbeitgeberverbände und ihre ersten Angebote waren eine Provokation. Entsprechend war die Reaktion: Über eine dreiviertel Million KollegInnen haben sich bundesweit an Warnstreiks beteiligt. Solidarität und Stärke erzeugten Druck, der die Arbeitgeber bewegt hat, ökonomische Vernunft walten zu lassen. „Wir haben gemeinsam einen guten Kompromiss erzielt: Eine deutliche Erhöhung der Einkommen und damit Stärkung der Kaufkraft“, sagte die IG Metall-Bevollmächtigte Clarissa Bader und fügte hinzu: Unser Dank gilt allen, die sich an den Warnstreiks beteiligt haben.“

Die Höhe der Lohnprozente, Laufzeit und „Differenzierung“ waren die entscheidenden Stellschrauben bei der Aushandlung des Tarifpaketes, das beide Tarifpartner als „vernünftigen Kompromiss“ bezeichnen, der die „Nachfrage des privaten Konsums“ stärke und zugleich die „Innovationskraft der Unternehmen“ erhalte, so der IG Metall-Vorsitzende Jörg Hofmann. Angesichts der aktuell minimalen Preisentwicklung sind den ArbeitnehmerInnen in der M+E-Industrie durch diesen Tarifabschluss auch in diesem Jahr deutliche Reallohnsteigerungen sicher. Damit wird die Inlandsnachfrage in einer Phase schwächelnder Weltkonjunktur gestärkt.

Das haben wir gemeinsam erreicht!

  • Ein Pauschalbetrag für die Monate April, Mai und Juni von 150,- Euro (Auszubildende 65 Euro), zahlbar im Juni 2016
  • Erhöhung der Entgelte und Ausbildungsvergütungen ab 1. Juli 2016 um 2,8 Prozent und eine weitere Erhöhung um 2,0 Prozent ab 1. April 2017
  • Laufzeit des Tarifvertrages bis 31. Dezember 2017
  • Am Ende der Laufzeit ist die Tariftabelle um 4,8 Prozent erhöht.

 

Foto_Grafik_abschlussFoto: Grafik Tarifabschluss

 Was bedeutet „Differenzierungsklausel“?

Im Verhandlungsergebnis gibt es aufgrund der unterschiedlichen wirtschaftlichen Situation in einzelnen Betrieben zwei sogenannte „Differenzierungsmöglichkeiten“:

  • Der Pauschalbetrag von 150,- Euro kann bei „unterdurchschnittlicher, schlechter Ertragslage eines Betriebes“ auf einen späteren Zeitpunkt verschoben oder bis auf Null reduziert werden.
  • Die zweite Stufe der Tariferhöhung um 2,0 Prozent kann bei „unterdurchschnittlicher, schlechter Ertragslage“ eines Betriebes vom 01. April 2017 längstens bis zum 1. Juli 2017 verschoben werden.
  • Die Differenzierungsklausel kann nur in verbands- also tarifgebundenen Betrieben angewendet werden. Eine Verschiebung ist ausgeschlossen, wenn für den Zeitraum schon eine andere abweichende Regelung bsteht..
  • Voraussetzung für beide Verschiebungen ist ein rechtzeitiger Antrag des örtlichen Arbeitgeberverbandes bei der Geschäftsstelle der IG Metall. Dem Antrag sind die erforderlichen Unterlagen zur wirtschaftlichen Lage des Betriebes beizufügen. Die Entscheidung soll innerhalb eines Monats ab Antragstellung getroffen werden.
  • Vereinbaren IG Metall und Arbeitgeberverband – also nicht Betriebsrat und Geschäftsführung – keine Abweichung, ist der Pauschalbetrag bzw. die 2. Stufe Tarierhöhung unverändert umzusetzen.

Klare Ziele, gemeinsames Handeln – in einer starken IG Metall sind der Schlüssel zum Erfolg. Das gilt auch in Zukunft: Für die Fortsetzung der Kampagne, die darauf abzielt, in flächentarifvertraglich nicht gebundenen Betrieben die Tarifbindung herzustellen. Und zweitens sollte die lange Laufzeit der neuen Entgelttarifverträge genutzt werden, um die neue „Arbeitszeitkampagne der IG Metall“ in den Betrieben gründlich argumentativ vorzubereiten, um sie mit Blick auf die Tarifauseinandersetzung 2018 mobilisierungsfähig zu machen.

Foto: Demonstration der MetallerInnnen in Ennepetal – Foto: Thomas Range

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