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„Unsere Kollegen sind stinksauer!“

Gevelsberg. Es gibt „TOP“-Arbeitgeber, die sich nicht nur durch eine strategische, nachhaltige Unternehmensplanung und damit verbunden gezielte Investitionen, sondern auch durch Maßnahmen zur Motivation ihrer Beschäftigten auszeichnen. Fest steht: Zu diesen Unternehmen gehört die Georgsmarienhütte nicht. In der GMH-Gruppe verdient sich das Führungspersonal seine „Lorbeeren“ vorrangig durch das Einsammeln von „Belegschaftsbeiträgen“ zur Sanierung – im aktuellen Fall – der Guss-Gruppe.

Der positiv besetzte Begriff „Menschen zu motivieren, ja mitzunehmen“ entwickelte sich in der Guss-Gruppe mit rund 1.700 Beschäftigten zum Fremdwort, da sind sich der Betriebsratsvorsitzende Sadi Demir und sein Stellvertreter Herbert Uppendahl der Dieckerhoff Guss GmbH in Gevelsberg einig. Sie wissen warum. Seit 16 Jahren erleben sie in Abständen immer wieder, wie ihren Kolleginnen und Kollegen von den verantwortlichen durch abweichende Vereinbarungen vom Tarifvertrag „in die Tasche gegriffen“ wird, um wie es dann immer heißt: „Den Standort zu retten“.

Der Einsatz für die Firma, die Leistung, die Tag für Tag erbracht wird, werde nicht mehr honoriert. Unsere Kollegen sind stinksauer“, sagt Herbert Uppendahl. Sadi Demir fügt erklärend hinzu: „Obwohl sie noch einen Anspruch „auf einen Besserungsschein in Millionenhöhe“ haben, sollen sie nun einen weiteren „Solidar-Beitrag“ für die gesamte Guss-Gruppe leisten“. Doch nicht nur sie, sondern die Beschäftigten aller Standorte sollen „bluten“, also auf tarifvertragliche Leistungen verzichten, um die finanzielle Schieflage der Gruppe, die vor allem durch massive Umsatzeinbrüche bei der Mühlheimer Friedrich Wilhelms-Hütte entstanden ist, zu richten.

„Horror“- Verzichtskatalog

Besonders originell sind die Vorschläge des „Horror“-Verzichtskatalogs nicht, der im Auftrag der Unternehmens-Verantwortlichen von der  Unternehmensberatung Transfer-Centrum GmbH (TCW) auf den Tisch gelegt wurde. Die TCW schlägt u.a. vor: Dreijähriger Verzicht auf Urlaubs- und  Weihnachtsgeld, Verschiebung der drei nächsten Tariferhöhungen, Verlängerung der wöchentlichen Arbeitszeit sowie Abschaffung der bezahlten Pausen im Drei-Schicht-Betrieb und flexible Arbeitszeiten. Letztlich sollen Effekte aus Reorganisationsmaßnahmen erzielt werden. Verwundert fragt sich der kritische Beobachter: Dafür wurde den Beratern der Arbeitgeberseite noch ein erkleckliches Honorar gezahlt?

Darüber hinaus soll am Standort Gevelsberg, an dem aktuell rund 220 ArbeitnehmerInnen tätig sind, die Putzerei outgesourct oder die Arbeit von ca. 51 Beschäftigten zu Dumpingpreisen durch Werkvertrags-Beschäftigte auf den firmeneigenen Aggregaten erledigt werden. „Das ist mit uns nicht zu machen“, empört sich Herbert Uppendahl und spricht von Widerstand.

Verhandeln und Widerstand leisten

„Natürlich könne über die TCW- Vorschläge verhandelt werden, teilte uns die Gegenseite mit“, so Sadi Demir. Die Arbeitsgemeinschaft der Guss-Betriebsräte habe die arbeitnehmernahe Beratung Projekt Consult (PCG) in Essen beauftragt, eine Überprüfung vorzunehmen und gemeinsam mit den Interessenvertretern Alternativen zu entwickeln. Gleichzeitig wählen die IG Metall-Mitglieder in diesen Tagen an den Standorten ihre VertreterInnen in die IG Metall-Tarifkommission der ARGE, die die Verhandlungskommission – Clarissa Bader (GS Gevelsberg-Hattingen), Jens Mütze (GS Hagen), Manfred Zaffke (GS Süd-Niedersachsen-Harz) – kritisch und mit Vorschlägen begleiten soll.

Ein Verhandlungsergebnis wird bis Ende März 2017 angepeilt. Ob dies gelingt, liege vor allem an der Arbeitgeberseite und an deren Bereitschaft tatsächlich ein Zukunftskonzept zu schnüren, oder ob sie nur darauf aus ist, ein „Arbeitnehmer-Schröpf-Konzept“ durchzudrücken. „Wir haben eine gut organisierte Belegschaft, die in den zurückliegenden Tarifbewegungen gezeigt hat, dass sie kämpfen kann“, erklären die beiden Betriebsratsvorsitzenden nicht ohne Stolz. Nicht umsonst hätten sie den Kolleginnen und Kollegen erklärt, wie wichtig es ist, sich in der IG Metall zu organisieren.

Foto: IGM – GH

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