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Wenn Hände kribbeln und taub werden

Gevelsberg. Oft kommen die Schmerzen in der Nacht. Die Hände kribbeln, werden taub, tagsüber lässt die Kraft in den Händen nach. Betroffen sind Beschäftigte, die mit Maschinen arbeiten, von denen starke Vibrationen ausgehen. Sie sollten frühzeitig reagieren, denn irgendwann geht bei der Arbeit nichts mehr.

Den Bohrer oder die Schleifmaschine stundenlang bedienen, ist kein Zuckerschlecken. Jahrelang zeigen sich keine größeren Beschwerden, bis sich irgendwann Kribbeln, Taubheitsgefühle und Schmerzen einstellen. Diese Symptome sollte man nicht auf die leichte Schulter nehmen. Denn wer Hände und Arme beruflich dauerhaften Vibrationen aussetzt, kann ernsthaft erkranken. Tätigkeiten in den Branchen Holz und Metall gehören neben denen in den Branchen Bau, Bergbau und Forstwirtschaft zu den am stärksten gefährdenden. Männer sind häufiger betroffen als Frauen.

Die Liste der Arbeitsgeräte, die eine Gefährdung durch Hand-Arm-Vibrationen verursachen können, ist umfangreich: Schlaghämmer, Nadelklopfer, Nietgeräte, Schlagbohrmaschinen, Schlagschrauber und Schleifer verschiedenster Art. Diese Arbeitsmaschinen übertragen beim Einsatz Vibrationen auf Arme und Hände. Besonders gefährdet sind Schlosser, Nieter und Schleifer sowie Beschäftigte, die in einer Gießerei entgraten oder intensiv mit Exzenterschleifern arbeiten.

Experten schätzen, dass über alle Branchen hinweg zwischen ein bis zwei Millionen Beschäftigte potentiell gefährdet sind. Das heißt nicht, dass sie auch zwingend erkranken. Die Vibrationen müssen dauerhaft und sehr hoch sein, bis es zu arbeitsbedingten Gesundheitsbeeinträchtigungen kommt. Man geht zum Teil von einigen Jahren Latenzzeit (Verzögerungszeit) aus. 

Aufklärung und Prävention sind wichtig

Erkrankungen durch Vibrationen werden in ihrer Dimension unterschätzt. Wer Schmerzen hat und Veränderungen an Armen und Händen beobachtet, sollte, sofern vorhanden, zum Betriebsarzt oder zur Sicherheitsfachkraft im Betrieb gehen und die Symptome schildern. Arbeitgeber sind gesetzlich verpflichtet, eine Gefährdungsbeurteilung am Arbeitsplatz vorzunehmen. Dabei ermitteln Betriebsärzte oder Fachkräfte für Arbeitssicherheit, ob die geltenden Auslöse- und Expositionsgrenzwerte eingehalten sind und ob ein Erkrankungsrisiko besteht. 

Wo Betriebe zögerlich an Gefährdungsbeurteilungen rangehen, sollten Betriebsräte umso offensiver diese einfordern, denn die Aufklärung über Gesundheitsgefahren ist dringend geboten. Im Betrieb können eine Menge einfacher Präventionsmaßnahmen ergriffen werden. Die Maschinen müssen regelmäßig gewartet werden. Zu alte Maschinen sind auszusondern. Auch die Wahl des richtigen ergonomischen Werkzeugs ist entscheidend. Eine bessere Arbeitsorganisation mit Pausen und Jobrotation können helfen, dass der einzelne Beschäftigte nicht so stark belastet wird.

Zuerst kribbeln die Fingerkuppen

Durch Vibrationen kommt es zu Durchblutungsstörungen in den Händen. Zunächst kribbeln nur die Kuppen oder einzelne Finger. Bei dauerhafter Belastung können die Finger bis zur Fingerwurzel weiß werden (sogenannte Weißfingerkrankheit). Wenn das Blut zurück in den Finger strömt, werden die Finger rot und beginnen oft zu schmerzen. Die Attacken treten vermehrt auf, sobald die Umgebungstemperatur kühler wird. Viele betroffene Beschäftigte klagen dann über Schmerzen in den Händen und Armen und über verringerte Muskelkraft. Im Endstadium kann es zum vollständigen Verlust des Tastgefühls kommen. Die davon betroffenen sind dann gezwungen, die entsprechenden Tätigkeiten zu unterlassen, schon allein deshalb, weil durch den Verlust der manuellen Beweglichkeit die Unfallgefahr steigt. 

Carpaltunnelsydrom (CTS) als Berufskrankheit anerkannt

Seit 2015 ist das sogenannte Carpaltunnelsydrom (CTS) als Berufskrankheit anerkannt. Dabei wird ein Nerv im Carpaltunnel, der in der Handmitte liegt, geschädigt, der unter anderem die Bewegungen der Finger und des Daumens steuert. Die Ursache für diese Krankheit liegt in einer Überbeanspruchung durch Beugung und Streckung der Handgelenke, durch erhöhten Kraftaufwand der Hände oder durch Hand-Arm-Schwingungen. Die Berufsgenossenschaften rechnen in den nächsten Jahren mit einem Anstieg der Verdachtsanzeigen auf Carpaltunnelsydrom, da diese Krankheit erst seit einem Jahr als Listen-Berufskrankheit anerkannt werden kann.

Handschuhe alleine schützen nicht

Auf dem Markt werden spezielle Handschuhe angeboten, die vor Vibrationen schützen sollen. Diese Handschuhe wirken jedoch nur bei hochfrequenten Vibrationen. Solche Handschuhe sind ein Zusatzschutz beispielsweise, wenn an Schleifmaschinen im hochtourigen Bereich über 9000 Umdrehungen in der Minute gearbeitet wird. Sie reichen allein aber keinesfalls aus, deshalb ist die wirksamere Schutzmaßnahme, die Expositionsdauer zu reduzieren, das heißt die belastenden Tätigkeiten nicht mehr so lange auszuführen, dass es nicht zu Schädigungen der Gesundheit kommt. (Unter Verwendung eines Textes der IGM Website)

Foto: Beim Schleifen übertragen sich Vibrationen auf Hand und Arm – Foto: BGHM

 

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