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„Wer Wind sät, wird Sturm ernten!“

Ennepetal: Wenn die Stimmung der MetallerInnen in den Betrieben auf den Siedepunkt steigt. Dann gibt’s nur eins: Raus auf die Straße, den Ärger auf die Metallarbeitgeber öffentlich machen. Erst in Hattingen, dann in Gevelsberg und heute in Ennepetal: 500 MetallerInnen demonstrierten bei strahlendem Sonnenschein von Bharat Forge CDP in Altenvoerde nach Milspe. Rund 600 Beschäftigte ließen in den Betrieben ABC, Bharat Forge CDP, Dorma, ESM, GHV, Hesterberg, Ischebeck, Thyssen Krupp Bilstein bis zu vier Stunden die Arbeit ruhen.

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Bild: Die Demo startete vor den Werkstoren von Bharat Forge CDP

Der Essener Liedermacher Heiko Fänger musste die Stimmung auf dem Milsper Marktplatz gar nicht erst anheizen. Die Prostestierenden waren auch so schon auf „hundert“. Als die IG Metall-Bevollmächtigte Clarissa Bader das „sogenannte 0,9% auf 12 Monate- bzw. 2,1% auf 24 Monate-Angebot“ ansprach wurden die Trillerpfeifen von den Buh-Rufen übertönt. Bader: „Das ist ein Skandal wie die Arbeitgeber hart arbeitende Menschen abspeisen wollen.“ Die Beschäftigten wollten „keine Krümel, sondern ein großes Stück Kuchen“, das sei „angesichts ihrer guten Arbeitsleistung mehr als angemessen“.

Die IG Metall setze ihren verlässlichen Kurs in der Lohnpolitik fort. Die Arbeitgeber hätten keinen Grund zum Jammern. Die Erträge der Metallbetriebe seien gut, ebenso auch die Dividenden der Aktionäre – „natürlich gibt es auch Ausnahmen, aber dafür haben wir tarifvertragliche Regelungen, um das zu lösen“, sagte Clarissa Bader. Es gebe also keinen einzigen Grund „die Beschäftigten nicht am wirtschaftlichen Erfolg zu beteiligen“.

Der private Konsum sei, so die Gewerkschafterin, der Wachstumsmotor der deutschen Wirtschaft. „Höhere Löhne fördern die Kaufkraft. Wenn die Beschäftigten mehr Geld ausgeben, wächst die Wirtschaft“, erklärte die Erste Bevollmächtigte unter Beifall der Kundgebungsteilnehmerinnen, die mehr mit gestreckten Händen zeigten, was sie wollen: „Gib mir fünf“. Dies müsse auch für die ArbeitnehmerInnen in den nicht-tarifgebundenen Betrieben gelten: Der Verdienst liege fast ein Viertel unter dem der Beschäftigten in einem tarifgebundenen Betrieb. Bei Fachkräften betrage das Minus rund 21 Prozent, bei Angelernten über 23 Prozent und bei Ungelernten sogar 32 Prozent. Deshalb habe die IG Metall eine Kampagne gestartet, um die Tarifbindung wieder zu erhöhen.

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Bild: „Wir wollen mehr. Wir wollen fünf Prozent“, so die Stimmung der MetallerInnen

„Das ‚Arbeitgeberangebot‘ ist respektlos, das lassen wir uns nicht gefallen“, so der Dorma-Betriebsratsvorsitzende Jörg Kannapin. Nicht die erkämpften Lohnerhöhungen der IG Metall, sondern das Missmanagement von Geschäftsführern, die dafür auch noch „Boni einstecken, würden Arbeitsplätze gefährden. Kannapin: „Unsere Kolleginnen und Kollegen liefern Tag für Tag gute Arbeit ab, dafür haben sie auch Anspruch auf eine gute Entlohnung. Der heutige Warnstreik zeige, wir können noch mehr, wenn die Arbeitgeber sich nicht bewegen: „Wer Wind sät, wird Sturm ernten!“

Inzwischen haben über 400.000 MetallerInnen bundesweit ihren Unmut auf Straßen und Plätzen zum Ausdruck gebracht. Wenn notwendig, haben wir noch das Instrument der „24-Stunden-Streiks“, meinte Udo Kuhlmann, Betriebsratsvorsitzender von Bharat Forge CDP. Gerade die Schmiedewerker wüssten wie die Temperaturen gesteigert werden können. Kuhlmann plädierte dafür genau hin zuschauen, was die Arbeitgeber mit ihrer Forderung nach einer „Differenzierungsklausel“ wollten und unterstrich die Notwendigkeit die „Taftbindung“ zu erhöhen.

Die Tarifverhandlungen werden am Donnerstag, 12. Mai in NRW fortgesetzt. Hier besteht die Möglichkeit, die Tarifbewegung vor Pfingsten zu beenden. „Kommt bis Ende der Woche kein akzeptables Ergebnis zustande, sind wir willens und in der Lage, die Tarifrunde weiter zu eskalieren“, sagte Clarissa Bader am Ende der Kundgebung.

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