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„Wir haben davor gewarnt, Kurzarbeit zu verfahren“

dormakaba: Nicht die Beschäftigten, sondern die Rendite steht im Mittelpunkt

Ennepetal. (OK) Der Türschließer-Spezialist dormakaba in Ennepetal hat im Gegensatz zu vielen anderen metallverarbeitenden Firmen in der Region ein „Luxusproblem“: Es gibt trotz Corona-Krise keinen Mangel an Aufträgen, jedoch Schwierigkeiten fertige Produkte termingerecht auszuliefern. Das ist die Folge einer falschen Unternehmens-Strategie. Davon ist der Betriebsrat überzeugt. „Wir haben im vergangenen Jahr immer davor gewarnt, Kurzarbeit zu verfahren, und vorgeschlagen auf Lager zu produzieren“, sagt der Betriebsratsvorsitzende Jörg Kannapin.

Jetzt räche sich diese „bewusste Fehlentscheidung“, aber auch die „zu dünne Personaldecke in einigen Abteilungen“. Es bleibe ein bitterer Nachgeschmack: Denn trotz Corona sei gutes Geld verdient worden, wozu „die verfahrene Kurzarbeit im Frühsommer und Herbst 2020 mit beigetragen hat“, fügt der stellvertretende Betriebsratsvorsitzende Markus Reiniger hinzu. Besonders unsinnig sei es gewesen, den Vertrieb in Kurzarbeit zu schicken. Reiniger: „Gerade dann, wenn es kriselt, müssen doch unsere Vertriebs-Kollegen raus zum Kunden, oder ihnen am Telefon die Ohren heiß reden, um Aufträge zu akquirieren“. Es sei absehbar gewesen, dass gerade in Zeiten der Corona-Pandemie, also „in Zeiten der Hygiene und des Infektionsschutzes“, das Produktportfolio „rund um die Tür“ von dormakaba wie automatische Türsysteme und elektronische Zutrittssysteme besonders nachgefragt werden.

Die Rendite steht im Vordergrund

„Leider ist es nicht das erste Mal, dass die Verantwortlichen im Unternehmen sachkompetente Vorschläge des Betriebsrates ignorieren“, kritisiert Jörg Kannapin. Dies sei die Folge einer Unternehmenspolitik, bei der nicht „die Innovation der Produkte und ihre Nachhaltigkeit“ sowie „die Qualifikation und Motivation der Beschäftigten“ im Vordergrund stehe, sondern „die Marge“. Trotz zweistelliger Rendite, rund 13 Prozent, sei man nicht zufrieden. Die Konzernleitung unter dem ehemaligen CEO Riet Cadonau im schweizerischen Rümlang setzte vorrangig nicht auf „die Konsolidierung der vor fünf Jahren fusionierten Firmen Dorma und Kaba, sondern auf die unrealistische Renditemarge von 18 Prozent“, betont der Betriebsratsvorsitzende. Regelrecht vernichtend falle die Kritik aus, die Analytiker der Credit Suisse (CS) am Leistungsausweis Cadonaus üben, habe die Neue Züricher Zeitung (17.12.2020) geschrieben, dem es nur „um seinen Machterhalt“ gegangen sei. Es bleibe abzuwarten, ob unter der Führung der neuen Konzernchefin Sabrina Soussan realistische Ziele formuliert und die Beschäftigten mitgenommen werden. Die Arbeitnehmervertreter*innen setzen viel Hoffnung in die neue CEO.

Corona erschwert Betriebsratsarbeit

Auf die Arbeit des Betriebsrates eingehend stellten die Kollegen Kannapin und Reiniger fest, dass die Corona-Pandemie die gewohnten Informations- und Kommunikationskanäle zu den Beschäftigten im Betrieb stark behindere. So sind im Jahr 2020 Corona bedingt die quartalsmäßigen Betriebsversammlungen ausgefallen. „Dies ist eines unserer wichtigsten Instrumente, um die Beschäftigten über die Positionen des Betriebsrates zu informieren, aber auch über gewerkschaftliche Themen wie zum Beispiel die Metall-Tarifrunde“, merkt Jörg Kannapin an. Der Betriebsrat checke jetzt Möglichkeiten zur Durchführung einer virtuellen Betriebsversammlung. Seine Sitzungen führe der Betriebsrat momentan digital durch. Doch dies ersetze nicht die persönliche Diskussion in Präsenzsitzungen „Diese Einschränkungen treffen auch die gewerkschaftliche Vertrauensleutearbeit im Betrieb“, ergänzt Florian Budnick, Vertrauenskörperleiter und Betriebsratsmitglied.

Ausbildungsplätze werden ausgebaut   

Positiv sei, hob Florian Budnick hervor, dass dormakaba am Standort Ennepetal die Ausbildung für junge Menschen nicht wie viele Metallfirmen in der Region mit dem Verweis auf Corona runtergefahren habe, sondern eher erhöhen wolle. „Dies ist im Sinne einer vorausschauenden Personalplanung und –entwicklung sehr wichtig“, sagt Jörg Kannapin, denn man habe erkannt, dass in den nächsten Jahren „aufgrund der demografischen Entwicklung ein großer Bedarf an gut ausgebildeten Fachkräften im Betrieb besteht“.

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