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„Wir suchen nach gangbaren Alternativen!“

Sprockhövel. Nicht nur die Mail an die “lieben Mitarbeiter”, in der Dean A. Scarborough, Vorsitzender der Avery Dennison Corporation, die herausragenden Ergebnisse des Konzerns im 1. Quartal 2015 würdigte, sondern auch die lapidare Aussage des hiesigen Geschäftsführers Jeremy Bauer, „bei dieser Entscheidung geht es nicht um schwarze oder rote Zahlen am Standort Sprockhövel“, sorgten für Unruhe an der Kleinbeckstrasse in Sprockhövel als die geplante Stilllegung wie ein Lauffeuer durch den Betrieb ging.

„Auch wenn man vielleicht im fernen kalifornischen Pasadena nicht so genau weiß, wo unsere westfälische Kleinstadt liegt, eines wissen aber unsere KollegInnen im Betrieb sehr genau: „Sie haben durch ihre qualifizierte Arbeit zu diesem guten Konzernergebnis mit beigetragen“, sagt der Betriebsratsvorsitzende Dirk Kolwe. Dieses Wissen, aber auch die Sorge um ihre Zukunft und der ihrer Familien seien entscheidend dafür, das verantwortungslose Handeln der Konzernmanager nicht widerstandslos akzeptiert wird.

Schließlich waren viele von ihnen Beteiligte an der Übernahme des Mittelständlers Bornemann in Haßlinghausen durch den US-amerikanischen Konzern bzw. die Übernahme des mittelständischen Betriebes Rinke Etiketten in Niedersprockhövel durch die Avery Dennison Corporation sowie beim darauffolgenden Vorgang als Avery Dennison Paxar schluckte. Die Beschäftigten hörten in Betriebsversammlungen von den Geschäftsführern, die sich in immer kürzeren Abständen die Klinke in die Hand gaben, immer wieder die nur leicht variierten bekannten Sprüche, warum Einschnitte und die Stilllegung notwendig sind. Das Ergebnis war immer das Gleiche: Auf der Strecke blieben Menschen, ihre Arbeitsplätze wurden vernichtet.

Grund genug auch jetzt „die mehr als dürftige Planung der Geschäftsführung“ ernsthaft zu hinterfragen. „Das Betriebsratsgremium beschloss die arbeitnehmernahe Beratungsgesellschaft Project Consult in Essen u.a. mit der Überprüfung der wirtschaftlichen Begründung der geplanten Standort-Schließung zu beauftragen“, erläutert Gewerkschaftssekretär Sven Berg die Vorgehensweise. Ein erster Workshop hat wie berichtet schon stattgefunden.

Erst nach einem geharnischten Mail-Verkehr mit dem Personalverantwortlichen Helmut Bendig, so PCG-Geschäftsführer Prof. Dr. Klaus Kost, können wir im Auftrag des Betriebsrates nun endlich unsere Arbeit aufnehmen. „Nicole Cosel-Neumann und Burkard Berg werden die vorgelegten Zahlen, Begründungen und Planungen gemeinsam mit den Betriebsratsmitgliedern einer strengen Prüfung unterziehen“, so Klaus Kost. Und da sei nun die Geschäftsführung am Zug, denn diese müsse nun liefern.

„Natürlich ist alles offen. Natürlich wissen wir nicht, was dabei herauskommt“, erklärt Dirk Kolwe und fügt hinzu: „Wir sind es einfach unseren Kolleginnen und Kollegen schuldig, nach gangbaren Alternativen zu suchen, wissend, dass dies immer ein schwieriger Weg ist.“ Doch sie hätten ja ihre Gewerkschaft IG Metall an der Seite, das erleichtere ihnen ihre Arbeit.

 
Foto: Werk Avery Dennison in Sprockhövel – Foto: IGM-GH

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