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„Wir wollen nicht ausgeSPACEd werden“

Schaeffler: Kampf um Wuppertaler Standort und Arbeitsplätze geht weiter

Wuppertal. (OK) „SPACE – unendliche Weiten. Wir schreiben das Jahr 2020. Dies sind die „Abenteuer“ des Schaeffler-Konzerns, der mit seinem Vorstand mit dem Ziel unterwegs sein sollte, Beschäftigung zu entwickeln, Ausbildung zu stärken und Standorte zu sichern. Den Focus auf Deutschland, hat man mittlerweile aus den Augen verloren“, heißt es in der Zeitung des Schaeffler-Betriebsrates am Standort Wuppertal. Viele Lichtjahre von der sozialen Verantwortung entfernt, schwebe Schaeffler durch die Galaxien. „Wir wollen nicht ausgeSPACEd werden. Wuppertal gehört zu Schaeffler und wir verdienen eine faire Chance! Wir werden weiterhin für unseren Standort und jeden einzelnen Arbeitsplatz kämpfen“, so der Betriebsratsvorsitzende Özgür Sönmezcicek.

Zur Erinnerung: Anfang September schockte die Konzernleitung in einer außerordentlichen Wirtschaftsausschuss-Sitzung des Konzernbetriebsrates die Interessenvertreter*innen mit der Ansage: An zwölf Standorten sollen insgesamt rund 4400 Arbeitsplätze vernichtet werden. Das Maßnahmenpaket SPACE sieht auch die Stilllegung des Werkes in Wuppertal vor und die Verlagerung der Produktion unter anderem nach Osteuropa. Während das Vorstandsmitglied Spindler „auf das Verständnis der Belegschaft“ hoffte, machten die Betroffenen ihrer Wut über das Kahlschlagprogramm aus dem Frankenland, aber auch ihren Zukunftsängsten Luft. SPACE verkaufte Vorstandsvorsitzender Rosenfeld als Zukunftspaket. Doch das sei nichts anderes als „Profitgier“ unter dem Deckmantel der Corona-Pandemie, sagte die IG Metall-Bevollmächtigte Clarissa Bader Mitte September vorm Werkstor an der Mettmanner Straße. Standortschließungen und Verlagerungen an Billigstandorte seien eben kein Zukunftskonzept. Beschäftigte, ihr Betriebsrat und die IG Metall würden das Abbau-Programm nicht akzeptieren.

So geht´s weiter. Dafür kämpfen wir!

Corona bedingt mussten die geplanten Abteilungsversammlungen Anfang November ausfallen. Um trotzdem aktuell zu informieren, verteilten Betriebsratsmitglieder und IG Metall-Vertrauensleute im Betrieb das „Betriebsrats-Info zum Programm SPACE“. Darin werden die neuesten Entwicklungen zum geplanten Maßnahmenpaket vorgestellt, insbesondere den Ablauf der Gespräche und Verhandlungen, die Risiken und Folgen sowie die absolut notwendige Unterstützung von außen für den Erhalt des Standortes Wuppertal – beispielsweise durch die Landesregierung, aber auch die Solidarität der IG Metall Delegiertenversammlung Ennepe-Ruhr-Wupper.

Im Betriebsrats-Info heißt es: Der Arbeitgeber habe Anfang November auf einer KICK-OFF Veranstaltung nochmals seine Maßnahmen und Konzepte erläutert, Auf Grund der unterschiedlichen Betroffenheit der Standorte, die sich im Automotive- sowie im Industriebereich ergeben, seien nach Bereichen Maßnahmenpakete zusammengefasst worden. Die gebündelten Standort -Themen werden nun Gegenstand der weiteren Gespräche. Dabei werden die örtlichen Betriebsräte und der Gesamtbetriebsrat von der IG Metall sowie von den Kollegen*innen der arbeitnehmernahen Beratung „INFO-Institut“ und der Rechtanwaltskanzlei Schwegler unterstützt.

Das INFO-Institut prüft derzeit die Maßnahmenpakete für die einzelnen Standorte auf Plausibilität und wird die Ergebnisse in einem Gutachten zusammen fassen. Im nächsten Schritt wird zusammen mit den örtlichen Betriebsräten ein Alternativkonzept erarbeitet, das nach Fertigstellung dem Arbeitgeber präsentiert werden soll. Daran schließt sich die „Verhandlungsphase“ mit der Arbeitgeberseite über „Maßnahmen und Absichten“ an. In den Verhandlungen werden beide Parteien versuchen, ihre Ziele durchzusetzen: Während die Konzernleitung in Herzogenaurach die Corona-Krise für Standortschließungen, Verlagerungen ins Ausland und zur Profitmaximierung nutzen will, kämpfen die Betriebsräte mit ihrer Gewerkschaft gegen Stilllegungen und den Erhalt möglichst aller Arbeitsplätze. „Das Werk Wuppertal darf nicht ausgeblutet werden, sondern muss eine Chance bekommen. Dafür setzen wir uns ein. Dafür kämpfen wir!“, heißt es im Betriebsrat-Info.

Auf Kritik der Interessenvertretung ist der Start des neu aufgelegten Abfindungsprogramm durch die Arbeitergeberseite gestoßen. Das sei aus Wuppertaler-Sicht zu früh, denn schließlich seien noch „keine Entscheidung getroffen worden, wohin die Reise geht“. Mit dieser einseitigen Maßnahme werde im Betrieb nur die schon vorhandene Unruhe verstärkt.

Abschließend stellt der Betriebsrat fest: „Ob und wie die Produktion und somit auch die Arbeitsplätze erhalten werden, können wir zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht beantworten. Dies ist für die Kollegen*innen, die Angst um ihren Arbeitsplatz haben, verständlicherweise nicht befriedigend.“ Den Betriebsratsmitgliedern seien diese Sorgen bewusst, deshalb sei jetzt Geschlossenheit und gemeinsames Vorgehen notwendig – „auch mit unserer IG Metall.“   

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