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Wuppertal: Mehrere Hundert Schaeffler-Arbeitsplätze gefährdet – „Beschäftigte werden sich wehren“

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Wie eine Bombe schlug die Nachricht aus dem Frankenland in Wuppertal ein. Der Vorstand der Schaeffler AG in Herzogenaurach teilte der Belegschaft am Standort Wuppertal zuerst per Pressemitteilung, dann in einer Belegschaftsversammlung mit: „Im Hinblick auf den Standort Wuppertal ist nach mehrjähriger Prüfung sämtlicher Optionen eine Standortschließung nicht mehr auszuschließen“. Damit hängt seit dieser Woche das „Damoklesschwert der Arbeitsplatzvernichtung“ über dem traditionsreichen Werk an der Mettmanner Straße.

Die Hiobsbotschaft aus der Konzernzentrale hat die fast 1000 Beschäftigten und ihre Interessenvertretung – Betriebsrat und IG Metall – ziemlich unvorbereitet getroffen. „Die Betroffenen sind wütend und enttäuscht. Nachdem sie jahrelang mit immer weiteren Kürzungen und Personalabbau mürbegemacht wurden, wird ihnen jetzt eine mögliche Stilllegung des Standorts verkündet. So geht man nicht mit Menschen um“, kritisiert die IG Metall-Bevollmächtigte Clarissa Bader den Schaeffler-Vorstand. Für die Betriebsräte und Vertrauensleute am Standort steht fest: „Wir werden das Werk nicht kampflos aufgeben“.

Corona-Krise als Vorwand für Kahlschlagkonzept

In einer außerordentlichen Sitzung des Konzernwirtschaftsausschusses der Schaeffler AG am 09.09.2020 haben Mitglieder des Vorstandes über das geplante Maßnahmenpaket informiert: Standortschließungen, Verlagerungen, Abbau von 4400 Arbeitsplätzen in Deutschland und Europa – auch über betriebsbedingte Kündigungen. Betroffen sind zwölf Standorte in Deutschland und zwei im europäischen Ausland. Mit der geplanten Arbeitsplatzvernichtung will der Konzern jährlich 250 bis 300 Millionen Euro auf dem Rücken der Beschäftigten einsparen.

Als Begründung führt das Unternehmen an: „Trotz einer Belebung der Nachfrage in allen drei Sparten und vier Regionen in den letzten Monaten, bleibt die Unsicherheit über den weiteren Verlauf der Pandemie und die daraus resultierende Verschlechterung der wirtschaftlichen Lage hoch“. Noch Anfang August hatte Schaeffler-Chef Klaus Rosenfeld gegenüber dem Handelsblatt gesagt: „Der Tiefpunkt ist erreicht, die Talsohle durchschritten.“ Man sehe erste Erholungstendenzen. Für die Interessenvertretung steht deshalb fest, dass Schaeffler „die Corona-Krise ausnutzen will, um Kosten zu sparen und Profite zu steigern.“

Beschäftigte sollen Managementfehler „ausbaden“

Jahrelang mussten sich die Beschäftigten vom Schaeffler-Management anhören, der Standort Wuppertal müsse gesundschrumpfen, um zukunftsfähig zu sein. Bereits 2013, 2016 und 2019 wurden Arbeitsplätze abgebaut. Im Jahr 2013 begründete die Geschäftsführung der FAG Schaeffler den Abbau von 500 Jobs mit der Flaute beim Bau von Windkraftanlagen. Drei Jahre später wurden 178 Arbeitsplätze abgebaut und nach Rumänien verlagert. Heute zeigt sich, dass es gravierende Fehlentscheidungen des Managements waren, Produkte und Kapazitäten abzuziehen.

Zurecht hatten Betriebsräte und IG Metall in der Vergangenheit immer wieder die Verlagerung von Produkten aus deutschen Werken nach Osteuropa kritisiert, ohne dafür zukunftsfähige Produkte als Ersatz zu erhalten. Jetzt sollen die Managementfehler auf dem Rücken der Arbeitnehmer*innen ausgetragen werden. Sie sollen ausbaden, dass die Verantwortlichen der Schaeffler AG nicht rechtzeitig innovative Weichen gestellt haben, um den Konzern zukunftsgerecht aufzustellen.

FAG Schaeffler stellt in Wuppertal Kugellager für Windkraftanlagen und für die Bahnindustrie her. Auch in den neuen Wagen der Schwebebahnen kommen Bauteile des Unternehmens zum Einsatz, die im Bergischen gefertigt werden. So liefert Schaeffler einreihige Zylinderrollenlager und zweireihige Kegelrollenlager für das Herzstück der Schwebebahn: das Drehgestell mit integriertem Antrieb, das die Verbindung zwischen Kabine und Fahrschiene darstellt, berichtet die Westdeutsche Zeitung.

Betriebsrat, IG Metall-Vertrauenskörper und die Gewerkschaften wollen den angekündigten Kahlschlag in Wuppertal nicht hinnehmen. „Standortschließung und Verlagerungen an Billigstandorte sind kein Zukunftskonzept“ sagt Clarissa Bader. Darum wird die Arbeitnehmerseite jetzt Alternativen zu einer möglichen Schließung entwickeln und in Gespräche mit dem Arbeitgeber eintreten, wenn das nicht fruchtet, dann geht auch Kampf, so der stellvertretende BR-Vorsitzende Uwe Ruberg in der Lokalzeit des WDR. Das sei nicht nur für Wuppertal, sondern auch für das bergische Städtedreieck von großer Bedeutung. Schaeffler sei immerhin einer der größten Arbeitgeber in der Region. „Ich bin stinksauer, dass Schaeffler hier mal eben Leute mit kalter Schulter, zumal es nicht das erste Mal ist“, erklärte der Wuppertaler Oberbürgermeister Andreas Mucke. „Kampflos gebe ich das nicht auf“, so Mucke gegenüber der WZ.

Bundesweiter Aktionstag geplant

Für Mittwoch, 16. September 2020 ist ein bundesweiter Aktionstag an allen Schaeffler-Standorten geplant. Im Mittelpunkt stehen die Forderungen der Standort-Betriebsräte, des Gesamt- und Konzernbetriebsrates sowie der IG Metall:

1. Keine Standortschließungen
2. Keine betriebsbedingten Kündigungen
3. Verlagerung nach Osteuropa stoppen (Moratorium)
4. Gezielte Stärkung aller deutschen Standorte durch innovative und zukunftsfähige Produkte
5. Kein Outsourcing / keine Fremdvergabe
6. Nutzung der gesetzlichen und tariflichen Alternativen, wie Kurzarbeit, Arbeitszeitverkürzung mit Teilentgeltausgleich

 

 

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