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Zwischenruf: Wo bleibt der Anstand?

Gevelsberg. „Reicher Mann und armer Mann. Standen da und sahn sich an. Und der Arme sagte bleich: Wär ich nicht arm, wärst du nicht reich“, schrieb der Schriftsteller Bert Brecht. Heutzutage bewahrheiten sich diese Zeilen mehr denn je: Manager von DAX-Konzernen bekommen das 57-fache Gehalt im Vergleich zu „ihren“ Beschäftigten. Währenddessen steigt der gesetzliche Mindestlohn von rund vier Millionen ArbeitnehmerInnen ab Januar 2017 von derzeit 8,50 Euro um mickrige 34 Cent auf 8,84 Euro je Stunde.

Konkret beziehen derzeit die Manager der 30 DAX-Unternehmen, das sind die an der Frankfurter Börse notierten 30 größten und umsatzstärksten Unternehmen, das 57-fache im Vergleich zu ihren Beschäftigten. Die Einkommensungleichheit ist zum Teil noch viel krasser: Adidas mit dem 116-fachen, die Deutsche Post mit dem 132-fachen und ganz oben Volkswagen mit dem 141-fachen stehen an der Spitze des Eisbergs. Hinzu kommen noch die horrenden Pensionszusagen.

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Die Vergütungsexpertin Marion Weckes von der Hans-Böckler-Stiftung hat zusammen mit Qendresha Berisha die Pay Ratios für die 30 Dax-Unternehmen berechnet. Dazu haben die Forscherinnen die Vorstandsvergütungen ins Verhältnis zu den Durchschnittsverdiensten im jeweiligen Konzern gesetzt. Datenbasis sind die Angaben zu den Gesamtaufwendungen für das Personal weltweit in den Geschäftsberichten für die Jahre 2005, 2008, 2011 und 2014.

Zeche muss die Belegschaft zahlen

Diese maßlos hohen Managergehälter verursachen gleich mehrere ernsthafte gesellschaftliche Probleme: Da ist zum einen der Punkt der Verhältnismäßigkeit. Das Einkommen wird für eine bestimmte Tätigkeit gezahlt. Doch welche Leistung rechtfertigt es, dass die Arbeit eines Managers das 100-fache eines normalen Beschäftigten des gleichen Unternehmens wert ist?

Selbst die höhere Verantwortung im Unternehmen kann solche Ausuferungen nicht begründen. Stattdessen werden gerade in börsennotierten Unternehmen die Beschäftigten abgebaut und Arbeitsplätze ins Ausland verlagert, um (Lohn) Kosten einzusparen, während gleichzeitig die Aktienkurse steigen.

Eine Studie der Universität von Utah zeigt, dass mit steigenden Gehältern die Risikobereitschaft und damit die Fehlentscheidungen der Manager zunehmen. Die Zeche dafür zahlen die Belegschaften.

Millionengehälter werden größtenteils gespart statt konsumiert

Auch gesamtwirtschaftlich sind solche enormen Gehälter nicht sinnvoll. Verbrauchen wird ein Manager ein solches Millionengehalt nicht. Er wird höchstwahrscheinlich den größten Teil sparen und dadurch sein Vermögen vermehren. Auf die Einkommensungleichheit folgt also die Vermögensungleichheit. Damit nimmt die Ungleichheit in der Gesellschaft noch weiter zu und gefährdet den sozialen Zusammenhalt.

Managerlöhne deckeln, steuerliche Absetzbarkeit einschränken

Um dieser Fehlentwicklung entgegenzuwirken, fordern die Gewerkschaften, dass die Managergehälter gedeckelt werden und sich an der Einkommensentwicklung der Beschäftigten in „ihren“ Unternehmen orientieren.

Außerdem müssen Gehälter oberhalb einer Million Euro durch die steuerliche Absetzbarkeit als Betriebsausgabe deutlich beschränkt werden. Bereits heute können Aufsichtsratsvergütungen zu 50 Prozent von der Steuer abgezogen werden. Es gibt keinen Grund, dies nicht auch für Vorstandsvergütungen gesetzlich festzuschreiben.

(Unter Verwendung des DGB- Klartext 40/2016)

Maßlos überzogene Managergehälter verschärfen die Ungleichheit – Foto: Colourbox

 

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